Schlagwort: Science-Fiction

  • Im Kreuzfeuer #20: Geheimprojekt

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Benommen von der Rutschpartie rappelte Tanya sich wieder auf und sah sich um. Offenbar war sie auf der Kommandobrücke des Raumschiffs gelandet. Allerdings nicht auf der Hauptbrücke, wie sie schnell merkte, sondern auf einer von vielen Notfallkommandobrücken, die bezogen werden konnten, wenn die Hauptbrücke zerstört oder funktionsuntüchtig war. Entsprechend verlassen wirkte der Raum. Hier war niemand während des Absturzes gestorben, schlicht weil niemand hier gewesen war, als es passierte. Es muss alles sehr schnell gegangen sein.

    Die Anzeigen waren alle tot. Nur auf dem Sitz des Captains funktionierte noch ein Monitor. Aus den Daten, auf die Tanya mittels der Anzeige zugreifen konnte, schloss sie, dass die Lazarus VII kurz vor dem Absturz eine Begegnung mit einem nicht identifizierten Flugobjekt hatte. Lazarus VII, so hieß dieses Raumschiff offenbar und es war tatsächlich, wie sie vermutet hatte, ein Kolonisierungsschiff.

    Tanya erinnerte sich an das korallenartige Ding, das sie im Weltraum gesehen hatte, und an den weißen Strahl, den es aussandte, kurz bevor sie ohnmächtig geworden war. Gut möglich, dass dies der Angriff eines bisher unbekannten Schiffstyps gewesen war. Und selbst wenn dieser Typ fremdartig aussah, geradezu lebendig, musste er nicht zwingend von Außerirdischen stammen, überlegte sie. Viel wahrscheinlicher war, dass ein menschliches Geheimprojekt dahintersteckte.

    Einen Moment wunderte sich Tanya über die Gedankengänge, die ihr Kopf von selbst anstellte. Vielleicht hatten diese Kenntnisse irgendetwas mit ihrer verschüttgegangenen Vergangenheit zu tun. Sie ließ es dabei bewenden und setzte ihre Recherchen fort.

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  • Im Kreuzfeuer #19: Labyrinth

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Während ihres Abstiegs musste Tanya zu ihrem Verdruss feststellen, dass sämtliche Deckeingänge, die sie fortan passierte, verschlossen waren. Doch wieder hinaufzusteigen, wäre sinnlos gewesen. Sie musste weiter, selbst wenn es ewig dauern würde, bis sie den Schacht wieder verlassen konnte. Diese Möglichkeit bestand, dämmerte ihr, weil gewisse Raumschifftypen gigantische Ausmaße annehmen konnten. Tanya leitete diese Überlegung von dem ab, was sie bisher von diesem Raumschiff gesehen hatte. Schon als sie aus ihrer Kammer hinaus auf den Planeten geblickt hatte, war ihr das Wrack wie ein Koloss vorgekommen. Sehr wahrscheinlich handelte es sich um ein Kolonisierungsschiff. Das waren quasi durch das All schwebende Städte. Ohne funktionierenden Hochgeschwindigkeitslift würde sie noch stundenlang weiterklettern müssen, wenn nicht sogar den ganzen Rest des Tages.

    Tanya blieb nichts anderes übrig. Also kletterte sie weiter abwärts und nach einiger Zeit, als ihre Beine schon schwer wurden und ihre Hände schwitzig, kam sie in regelmäßigen Abständen an Gittern vorbei, die in kleine Nebenschächte führten. Bei einem hielt sie zuletzt an und entschied sich für eine Abkürzung. Das Schutzgitter ließ sich leicht entfernen, wenn man die Laserpistole einsetzte, um die Bolzen, die es in der Wand hielten, zu schmelzen. Kurz darauf stürzte das Gitter in den Fahrstuhlschacht hinab. Geschmeidig wie eine Katze schlüpfte Tanya in die quadratische Öffnung in der Wand. Einem Moment genoss sie es, einfach nur dazuliegen und sich auszuruhen. Dann robbte sie tiefer in den Schacht hinein.

    Aufgrund eines sanften Gegenwinds erklärte Tanya die enge Röhre zu einem Belüftungsschacht. Auch hier krabbelte und krabbelte sie, zwängte sich um Ecken und rutschte kopfüber in tieferliegende Schächte, ohne irgendwo anzukommen. Obendrauf wurde die Luft immer stickiger. Sie bezweifelte schon, je wieder aus diesem Labyrinth herauszufinden.

    Plötzlich gab der Boden unter ihr nach und der gesamte Schacht brach nach unten hin weg. Scheppernd schlug der Metalltunnel auf ein Hindernis und blieb schief hängen, sodass Tanya bäuchlings in einen großen Raum schlitterte.

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  • Im Kreuzfeuer #18: Amnesie

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Tanya setzte wieder die Füße auf die Leiter, hakte ihren Arm an der Ellbogenbeuge unter eine Sprosse und versuchte zu verschnaufen. Dann setzte sie den Abstieg mit schmerzendem Rücken fort.

    Erst nach einer halben Ewigkeit erreichte sie eine Automatiktür, die nicht verriegelt war, sondern wenigstens einen Spalt breit offenstand. Sie zwängte sich hindurch und fiel entkräftet auf die Knie. Sie atmete tief durch und blickte auf. Offenbar befand sie sich auf dem Deck mit der Sicherheitsabteilung. Hier war trotz des Absturzes noch vieles in Takt und Tanya konnte sich fast frei bewegen. Träge vom Schmerz, der seltsamerweise schon wieder nachließ, wankte sich die erschöpfte Frau zu einem Kontrollpult in einem der Sicherheitsräume und lehnte sich dagegen.

    Auf dem Stuhl neben ihr saß reglos ein toter Wachmann. Sie ignorierte seine Blicke und tastete vorsichtig ihren Rücken ab. Der Overall war aufgeschlitzt. Ihrem Rücken erging es aber besser. Soweit sie es erkennen konnte, verliefen lediglich zwei lange, rote Striemen darüber, die nur leicht bluteten. Sie war erleichtert, hatte aber auch das Gefühl, dass der Schmerz sich nach einer sehr viel schlimmeren Verletzung angefühlt hatte. Vielleicht war das nur der Schock gewesen.

    Rasch öffnete Tanya den Reißverschluss, der aus demselben Stoff war wie der restliche Overall, nur fester, und zog ihn behutsam bis zur Taille herab. Dort verknotete sie die Ärmel, damit der Anzug nicht unversehens herabrutschte. In einem Metallschrank in einer Umkleidekabine fand sie ein graues Unterhemd, das sie direkt überwarf und dessen fremder Schweißgeruch ein Gefühl von Verlorenheit in ihr weckte.

    Unter dem Overall hatte sie offenbar nichts weiter angehabt. Tanya hatte keinen blassen Schimmer, wann sie dieses Ding überhaupt angezogen und was sie dazu bewegt hatte. War sie eine Technikerin? Das fragte sie sich im Stillen, während sie den Saum des viel zu großen Unterhemds in den Overall stopfte. Dann fragte sie sich, warum sie sich so etwas fragte. Und ihr fiel auf, dass sie im Grunde keine Ahnung hatte, wer sie war und was sie hier machte.

    Wenn sie eine Technikerin war, wieso hatte der Overall dann so seltsame verschlussartige Öffnungen entlang ihrer Wirbelsäule? War das etwa ein medizinisches Kleidungsstück und sie eine Patientin? Das würde wenigstens ihre Amnesie erklären. Irgendwoher kannte sie diese Öffnungen. Waren sie Öffnungen für eine Maschine? Sie kam einfach nicht darauf. Also verwarf sie den Gedanken und setzte sich eine Schirmmütze auf, die sie gefunden hatte.

    Nachdem Tanya das Sicherheitsdeck abgesucht hatte und dabei einen Rucksack, Energiezellen für ihre Laserpistole und Notfallrationen aufgetan hatte, wusste sie, dass sie hier nichts mehr finden würde, was sie gebrauchen konnte. Schon gar nicht Informationen über den Planeten, auf dem sie abgestürzt war, oder Hinweise auf ihre Vergangenheit. Sämtliche Konsolen auf diesem Deck waren durchgebrannt. Es war ihr nicht einmal möglich zu einem anderen Fahrstuhl zu gelangen.

    Also begab sie sich kurzerhand wieder in den ihr schon bekannten Schacht und stieg weiter hinab.

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  • Im Kreuzfeuer #17: Todesfalle

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Tanya erzitterte unter dem ohrenbetäubenden Lärm, der losbrach. Unaufhaltsam kam der Fahrstuhl auf sie zugerast und riss alles mit sich, was ihm im Weg war. Die Frau blickte sich hastig um. Aber kein Fluchtweg schien aus dieser misslichen Lage herauszuführen. Schon prasselten weitere Metallteile auf sie herab. Ein schweres Rohr traf sie am Bein und stieß es von der Sprosse. Sie verlor den Halt und stürzte den Schacht hinunter. Nach ein paar Metern konnte sie sich wieder an der Leiter festklammern, sodass sie mit ihrem Körper hart dagegen schlug. Sofort rutschte sie wieder mit einer Hand ab und baumelte einhändig über dem Abgrund.

    Der Fahrstuhl schmetterte heran und war nur noch wenige Meter entfernt. Tanya sah sich schon tot unter Trümmern liegen. Da griff sie mit der freien Hand nach einer Sprosse. Blitzschnell fand sie wieder Halt und presste sich so dicht an die Wartungsleiter wie möglich. Es war ihre einzige Chance. Denn die Leiter verlief in einer flachen Rinne, damit der Fahrstuhl ungehindert den Schacht hinabgleiten konnte. Tanya hoffte inständig, dass auch für sie noch genug Platz in dieser Ausbuchtung war, wenn sie sich nur fest genug in sie hineindrückte.

    Als der Fahrstuhl tosend an ihr vorüberrauschte, erzitterte der Schacht wie von einem Erdbeben. Etwas traf sie hart am Rücken, so hart, dass es sie von den Füßen stieß und sie nur noch an den Händen an der Leiter hing. Ein brennender Schmerz durchzuckte ihren Rücken. Kraftlos hing sie an der Leiter und drohte abzurutschen, derweil der Fahrstuhl in der bodenlosen Tiefe verschwunden war. Erst nach einer ganzen Weile drang ein fürchterlicher Lärm zu ihr herauf, samt einer Hitzewelle, die von einer Explosion herrühren musste.

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  • Im Kreuzfeuer #16: Als riefe jemand

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Tanya schwang sich auf die Wartungsleiter, blieb dabei mit dem Overall an einem scharfkantigen Trümmerteil hängen und riss sich die Kleidung am Oberschenkel auf. Sie fluchte, machte aber weiter, als wäre nichts passiert. Einen Moment später erschrak sie. Ihre Stimme hatte fremd geklungen. Als hätte sie die eigene Stimme seit Ewigkeiten nicht mehr gehört.

    Sie hielt mitten auf der Leiter an, unter ihr die endlose Tiefe des Fahrstuhlschachtes. Mit Unbehagen stellte sie fest, dass ihr kaum Worte einfielen. Bis eben schienen sie dagewesen zu sein. Sie hatte die Dinge um sich herum angeschaut und instinktiv gewusst, was sie waren. Jetzt, da sie sich konzentrierte, fehlten ihre Namen.

    „Tanya“, flüsterte sie. Ihr eigener Name war das einzige Wort, das ihr in den Sinn kam. Es schien ihr, als hätte sie ihn zum ersten Mal in ihrem Leben ausgesprochen. Es war anstrengend zu sprechen. Da überkam Tanya das beklemmende Gefühl, dass etwas nicht stimmte, nicht mit ihr und nicht mit diesem Ort. Die vielen Toten kamen ihr wieder in den Sinn. Nicht alle waren durch den Absturz getötet worden. Sie erlangte ihre Fassung zurück und kletterte weiter hinab. Etwas sagte ihr, dass sie in Bewegung bleiben musste.

    Und dann – langsam, aber sicher – kehrten die Worte in ihr Gedächtnis zurück. Versuchsweise sagte Tanya ein paar davon. Dann wieder ihren Namen, der ihr unvertraut vorkam. Genauso wie ihre Stimme. Wenn Tanya ihren Namen flüsterte, erschien es ihr manchmal, als riefe jemand nach ihr. Einmal schaute sie sich sogar um. Doch es war niemand außer ihr in diesem endlosen Schacht.

    Plötzlich knarrte und ächzte es, als würde Metall sich unter einer schweren Last verbiegen. Trümmerteile stürzten von weit oben auf Tanya herab und verfehlten sie um Haaresbreite.

    Die erschrockene Frau drückte sich eng an die Wartungsleiter und schaute aufwärts. In weiter Ferne schien sich etwas zu bewegen. Das musste der Fahrstuhl sein! Wie es schien, bewegte er sich langsam abwärts.

    Ohne lange nachzudenken, kletterte sie weiter. Sie musste aus dem Schacht heraus, ehe der Fahrstuhl abstürzte. Doch dann, als hätte ihr Gedanke ein Stahlseil gekappt, rutschte das Ding ab und schlitterte funkenstiebend zu ihr hinab.

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