Kategorie: Im Kreuzfeuer. Sci-Fi-Robinsonade (2002)

  • Im Kreuzfeuer #30: Um uns isses geschehen!

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    „Endlich! Dachte schon, du lässt mich verrecken!“ Shaggy grunzte. „Na, warum gibst du mir nicht erstmal diese Stange da drüben. Das is meine Krücke.“

    Tanya trat an den Mann heran und reichte ihm die Metallstange mit der linken Hand. In der rechten hielt sie noch immer die Laserpistole. Als Shaggy zugegriffen hatte, ließ sie das Metall nicht gleich los. Irritiert schaute er ihr ins Gesicht.

    „Woher weiß ich, dass ich dir vertrauen kann?“, fragte sie.

    „Das weißt du nie. Du musst es einfach versuchen…“

    Tanyas Gesicht blieb ausdruckslos.

    Kaum hatte sie die Stange losgelassen, schlug Shaggy ihr schneller, als sie es für möglich gehalten hatte, die Waffe aus der Hand. Er musste nicht einmal ausholen dafür. Aber damit nicht genug hämmerte er ihr mit einem Rückhandschlag das Metall auch noch gegen die Schläfe.

    Tanya ging direkt zu Boden.

    Benommen wand sie sich auf dem Gitter und versuchte aufzustehen. Doch es gelang ihr nicht. Alles drehte sich und ihr Kopf schmerzte höllisch. Sie hörte Shaggy lachen und dann, wie er sich stöhnend aufrichtete, offenbar auf die Stange gestützt, die über den Gitterboden kratzte.

    „Ich bin im Arsch“, knurrte er und beugte sich über sie. „Und sehr bald auch tot. Oder glaubst du etwa, irgendwer wird kommen und uns retten? Ha! Und selbst wenn! Es würde Jahre dauern. Nein, Mädel, um uns isses geschehen. Trotzdem können wir beide ja noch eine schöne Zeit ham.“ Er lachte dreckig. „Denkst du nicht auch?“

    Plötzlich ertönte eine dritte Stimme. „Hände hoch!“

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  • Im Kreuzfeuer #29: Nett geplaudert

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    „Die anderen Überlebenden sind also verrückt geworden.“

    „Ja, bist du denn blöde, Mädel, oder hörst du mir nicht zu? Hast du die Schreie nich gehört?“

    „Hab ich. Sie kommen von oben, wo die Kältekammern gelagert werden. Viele sind… kaputt.“

    „Scheiße ja, die schreien auch. Ich hab’s gesehen. Von weiter oben. Aber die Verrückten brüllen auch rum. Und ich weiß nicht, ob die sich gegenseitig so bestialisch zurichten oder…“

    „Oder was?“

    „Oder irgendwelche Monster.“

    „Wie kommst du darauf?“

    „Na jetzt, wo ich weiß, dass wir auf irgendnem Drecksplaneten fernab gelandet sind, wird’s plausibler. Aber die aufgeschlitzten und ausgeweideten Körper sind auch keine schlechten Hinweise. Wo genau liegt eigentlich der Arsch der Welt, von dem du gesprochen hast?“

    „X-Tarma-12 war unser Zielplanet. Eine Strafkolonie. Das ist irgendwo an der Grenze zum Unbekannten.“

    „Also sind wir wirklich Knastbrüder. Nicht das schlechteste.“

    „Wenn schon, dann Knastschwester in meinem Fall. Wie auch immer, wir sind über die Grenze hinausgeflogen und auf einem unbekannten Planeten gestrandet.“

    Shaggy schnaubte und winkte ab. „Das ändert alles.“

    „Inwiefern?“

    „Weil damit alles egal geworden is. Für mich jedenfalls. Guck mich an! Ich bin ziemlich im Arsch.“

    Shaggy sah an sich herab und Tanya tat es ihm gleich.

    „Dir fehlt ein Arm“, sagte sie. „Aber du scheinst unverletzt zu sein.“

    Shaggy lachte auf. „Ja, darum schnauf ich auch wie eine Wildsau. Irgendwas stimmt nich mit mir. Außerdem is mein linkes Bein taub. Ich kann’s kaum bewegen und brauch nen Krückstock, um laufen zu können.“

    „Was ist passiert?“

    „Ha, wenn ich’s wüsste! War schon so, als ich aufgewacht bin.“

    „Vielleicht eine Nervenschädigung durch das abrupte Aufwachen aus dem Kälteschlaf. Sie müssen gerade versucht haben, dich aufzuwecken, als das Schiff abgestürzt ist. Sicher warst du deshalb in dieser Maschine, die du beschrieben hast. Wir können froh sein, dass wir noch leben.“

    „Ja, richtig toll!“ Shaggys Stimme troff vor Sarkasmus. „Aber wo wir so nett geplaudert ham, könnt ich jetzt endlich mal deine Hilfe gebrauchen.“

    „Also gut. Was soll ich tun?“

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  • Im Kreuzfeuer #28: Am Arsch der Welt

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Tanya senkte die Waffe ein Stück. „Du meinst, man hat absichtlich mit unseren Erinnerungen herumgepfuscht?“

    „Von selbst hab ich bestimmt nich vergessen, wer ich bin.“

    „Und wer soll das gemacht haben?“

    „Woher soll ich denn wissen, wer das war?! Die Leute, denen das hier alles gehört, nehm ich an. Irgendein Scheißkonzern! Wird das jetzt’n Verhör? Komm schon, ich bräuchte mal etwas Hilfe.“

    Tanya musterte den Kerl kritisch. „Erst sagst du mir, was hier vorgefallen ist.“ Sie zeigte auf die beiden Toten.

    „Ach, der Typ in der Wand war schon da, als ich hier angekommen bin. Muss irgendwas passiert sein, ein Unfall, der hier alles kaputt gemacht hat.“

    „Wir befinden uns auf einem abgestürzten Raumschiff.“

    „Scheiße… aber wir sind noch im Sonnensystem, oder?“

    „Nein, wir sind am Arsch der Welt. Was ist mit dem anderen passiert?“

    Shaggy kniff die Augen zusammen. „Der hat mich angefallen wie’n Irrer. Ich musste ihm eins überbraten. Rührt sich seitdem nich mehr.“

    „Und wie bist du hierhergekommen?“

    „Also doch ein Verhör, was? Na ja, is nur fair. Seh wohl nich gerade vertrauenserweckend aus, nehm ich an. Und bin wohl auch nich der erste, dem du begegnet bist. Hier laufen einige rum. Aber die ham alle den Verstand verloren. Du bist die erste, die im Kopf noch in Ordnung is – das heißt, wenn du mich nicht abknallen willst.“

    „Nicht, wenn du mir meine Fragen beantwortest.“

    „Du bist knallhart, Mädel, knallhart! Also gut, ich bin in so nem engen Scheißraum aufgewacht, in einer dieser Röhren, die in so’n großes Gerät eingesetzt war, na ja, wie eine Patrone in nem Gewehrlauf eben. Du weißt schon, wie bei diesen Hochgeschwindigkeitsgewehren, nich so Laserkram, wie du inner Hand hast. Also, ich war in diesem Gerät und das befand sich auf der anderen Seite von so ner Panzerglasscheibe. Das hat mein Leben gerettet, denk ich. Drüben hat’s wie wild gebrannt. Bin durch einen Schacht gekrochen, dann durch Gänge gelaufen, keine Ahnung, wie lange. Irgendwann kamen Typen in Gelb-Blau so wie du und ich. Sie schrien wie am Spieß und wollten mich kalt machen. Aber ich hatte Glück! Ich konnte in eine Luke kriechen und sie verschließen. Einer hat trotzdem einen Weg hierher gefunden. Bin mit ihm fertig geworden, wie du siehst. Und nun sitz ich hier und bin fix und fertig… zufrieden?“

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  • Im Kreuzfeuer #27: Shaggy

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    „Bist du auch ne Verrückte?“, knurrte der Mann fragend.

    Tanya wusste nicht, wie sie reagieren sollte, und schwieg deshalb.

    „Denn wir sind im selben Team, weißt du. Guck hier“ – er zupfte an seinem Anzug – „wir ham denselben Fummel an. Und trotzdem kloppen wir uns die Schädel ein. Sag schon, willst du mich jetzt mit dem Ding da totschießen?“

    Tanya schüttelte den Kopf.

    „Wir sind Gefangene“, sagte sie unvermittelt.

    „Sowas hab ich mir schon gedacht“, antwortete der Kerl nicht ohne Ironie.

    „Wer bist du?“

    Der Mann lachte auf. „Ha! Du wirst denken, ich will dich verscheißern, Mädel, aber ich bin ganz ehrlich zu dir. Denn… ich weiß es nicht. Keine Ahnung, wer ich bin. Seit ich aufgewacht bin, ist mein Kopf ein Haufen Scheiße.“

    „Erinnerst du dich an deinen Namen?“

    „Nicht wirklich! Aber fürs erste fühlt’s sich richtig an, wenn du mich Shaggy nennst.“

    „Shaggy also.“ Sie nickte. „Ich bin Tanya. Und mit meiner Erinnerung stimmt auch etwas nicht.“

    „Du also auch. Na prima!“ Shaggy grinste verbissen. „Und jetzt, wo wir uns vorgestellt ham, wärst du so freundlich, nich mehr dieses verdammte Ding“ – er meinte die Laserpistole – „auf mich zu richten? Immerhin sind wir auf derselben Seite.“

    „Sind wir das?“

    „Ja, Mädel, ja! Aber sicher sind wir das! Denn irgendwer hat uns hier eingefroren und unsere Köpfe kaputtgekriegt. Das is nich nett, weißt du. Und weil der darum unser Feind is, sind wir Freunde. Logisch, oder?“

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  • Im Kreuzfeuer #26: Schwitzender Koloss

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Nun selbst panisch eilte Tanya durch die Reihen und suchte einen Ausweg. Da hörte sie nicht weit von ihr ein Stöhnen und bog in einen Nachbargang ein. Dort entdeckte sie eine runde Öffnung im Boden mit einer ausfahrbaren Leiter. Es war eine Luke, wie es sie in allen Gängen mehrfach gab. Aber sie waren bisher alle verschlossen gewesen. Von dort unten drang das Stöhnen zu ihr herauf.

    Ohne lange nachzudenken, stieg Tanya hinab und gelangte abermals in einen Wartungsgang, an dessen Decke und Wänden wie Adern und Nervenbahnen Schläuche, Rohre und Kabel entlangwanderten. Zwischen zwei umgestürzten Kisten saß ein bulliger Mann gegen die Wand gelehnt. Er trug einen blaugelben Anzug wie Tanya. Neben ihm, halb mit der Wand verschmolzen, hing der Körper eines Mannes in einem grauen Overall und mit Schirmmütze. Vor ihm lag mit dem Gesicht nach unten ein langer dürrer Mann auf dem Gitterboden, der auch in Gelb-Blau gekleidet war.

    Noch hatte der schwitzende Koloss sie nicht bemerkt. Er atmete schwer und stöhnte immer wieder auf. Tanya entdeckte, dass dem Mann der rechte Arm fehlte. Doch offenbar nicht, weil er eine schwere Verletzung erlitten hatte. Zumindest nicht in jüngster Zeit. Denn am Schulteransatz entdeckte sie außerdem eine Vorrichtung, an der ein mechanischer Arm befestigt und mit dem Nervensystem verbunden werden konnte. Wenn der Kerl ein Verbrecher war, dann hatte man seinen Arm sehr wahrscheinlich demontiert, bevor man ihn in Kälteschlaf versetzte.

    Mit erhobener Laserpistole näherte Tanya sich.

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