Inhaltshinweise zu dieser Geschichte
3 – Überlebende
Waghalsig, so in den Qualm hineinzusteigen. Doch wenn Tanya sich schnell und tiefgebeugt unter den Rauchschwaden hindurchbewegte, ging es! So gelangte sie durch einen Wartungsgang mit Rohren, Kabeln und Schläuchen in eine gigantische Halle, in der eine seltsame Atmosphäre herrschte.
Vor ihr erstreckten sich in Länge und Höhe so weit, wie das Auge reichte, Reihen von Regalen, in denen menschengroße Glaszylinder senkrecht aufgebahrt waren. Manche leuchteten blau, andere schimmerten grün. In allen aber waren schattenhaft die Gestalten humanoider Wesen zu erkennen.
In dieses kalte Licht einer kolossalen Anlage, in der sich Tanya klein und unbedeutend vorkam, mischte sich das zuckende Orange der Flammen. Zwischen vielen Regalreihen brannte es und Qualm stieg auf, verschwand in der Dunkelheit über ihr oder wälzte sich träge über den Boden. Irgendeine entzündliche Flüssigkeit hatte Feuer gefangen. Sie wusste nicht, dass es die Kühlflüssigkeit der Kältekammern war. Aber sie sah, während sie durch die endlosen Regalreihen irrte, dass die humanoiden Gestalten in den Glasbehältern Menschen waren.
Kennnummern über Kennnummern. Es nahm kein Ende. Die Anzeigen der Behälter blinkten wild, viele zeigten gelbe Warndreiecke mit Ausrufezeichen, andere rote mit Totenkopf darin. Trümmerteile, so riesig wie Gebirgsausläufer, hatten sich in den Raum geschoben und das Regalsystem zerrissen. Viele Kammern zeigten Risse im Glas, noch mehr waren zerstört, einige waren ausgebrannt, andere brannten noch immer.
Unbestimmbare Flüssigkeiten plitschten in langen Fäden herab und bildeten Pfützen, die sämig an den Sohlen klebten. Scherben, Metallschrott und Körper füllten die Gänge. Manche waren dadurch unpassierbar geworden. Von fern drangen Stöhnen und Schreie zu ihr heran, unbestimmbar von woher. Schreckliche Gerüche durchwirkten die Luft, stechende und faulige, die meisten unbeschreiblich. Tanya, die jetzt nicht mehr so ruhig blieb wie zuvor, ahnte, dass es der Geruch des Todes war.
Trotz allem schienen noch viele Kühlkammern in Takt zu sein. Irgendwie musste sie den Menschen helfen. Doch es war schier unmöglich. Die Größe dieser Anlage überstieg ihre Vorstellungskraft. Sie hatte keine Ahnung, wo sie anfangen sollte und wem zuerst helfen. Von wo wurde all das gesteuert?