Kategorie: Im Kreuzfeuer. Sci-Fi-Robinsonade (2002)

  • Im Kreuzfeuer #25: Klein und unbedeutend

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    3 – Überlebende

    Waghalsig, so in den Qualm hineinzusteigen. Doch wenn Tanya sich schnell und tiefgebeugt unter den Rauchschwaden hindurchbewegte, ging es! So gelangte sie durch einen Wartungsgang mit Rohren, Kabeln und Schläuchen in eine gigantische Halle, in der eine seltsame Atmosphäre herrschte.

    Vor ihr erstreckten sich in Länge und Höhe so weit, wie das Auge reichte, Reihen von Regalen, in denen menschengroße Glaszylinder senkrecht aufgebahrt waren. Manche leuchteten blau, andere schimmerten grün. In allen aber waren schattenhaft die Gestalten humanoider Wesen zu erkennen.

    In dieses kalte Licht einer kolossalen Anlage, in der sich Tanya klein und unbedeutend vorkam, mischte sich das zuckende Orange der Flammen. Zwischen vielen Regalreihen brannte es und Qualm stieg auf, verschwand in der Dunkelheit über ihr oder wälzte sich träge über den Boden. Irgendeine entzündliche Flüssigkeit hatte Feuer gefangen. Sie wusste nicht, dass es die Kühlflüssigkeit der Kältekammern war. Aber sie sah, während sie durch die endlosen Regalreihen irrte, dass die humanoiden Gestalten in den Glasbehältern Menschen waren.

    Kennnummern über Kennnummern. Es nahm kein Ende. Die Anzeigen der Behälter blinkten wild, viele zeigten gelbe Warndreiecke mit Ausrufezeichen, andere rote mit Totenkopf darin. Trümmerteile, so riesig wie Gebirgsausläufer, hatten sich in den Raum geschoben und das Regalsystem zerrissen. Viele Kammern zeigten Risse im Glas, noch mehr waren zerstört, einige waren ausgebrannt, andere brannten noch immer.

    Unbestimmbare Flüssigkeiten plitschten in langen Fäden herab und bildeten Pfützen, die sämig an den Sohlen klebten. Scherben, Metallschrott und Körper füllten die Gänge. Manche waren dadurch unpassierbar geworden. Von fern drangen Stöhnen und Schreie zu ihr heran, unbestimmbar von woher. Schreckliche Gerüche durchwirkten die Luft, stechende und faulige, die meisten unbeschreiblich. Tanya, die jetzt nicht mehr so ruhig blieb wie zuvor, ahnte, dass es der Geruch des Todes war.

    Trotz allem schienen noch viele Kühlkammern in Takt zu sein. Irgendwie musste sie den Menschen helfen. Doch es war schier unmöglich. Die Größe dieser Anlage überstieg ihre Vorstellungskraft. Sie hatte keine Ahnung, wo sie anfangen sollte und wem zuerst helfen. Von wo wurde all das gesteuert?

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  • Im Kreuzfeuer #24: Todesschreie

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Durch einen Gang, der viele Abzweigungen hatte, gelangte Tanya in eine Art Forschungs- oder Krankenstation. Da! Wieder ein Schrei in der Ferne! Eine schwere Metalltür versperrte ihr halb den Weg. Ohne auch nur anzuhalten, schlüpfte sie durch die stark zerstörte Tür. Immer öfter und stetig qualvoller drangen die Schreie an ihr Ohr. Das waren keine Verwundeten. Es waren Sterbende, die Todesschreie ausstießen.

    Irgendwer tötete die Überlebenden auf diesem Schiff, oder schlimmer: irgendetwas? Wer weiß schon, was für Kreaturen aus dem Dschungel in das Raumschiff eingedrungen waren?

    Neben Tanya öffnete sich zischend eine automatische Tür. Sie erschrak und wirbelte herum. Der Raum, der sich vor aufgetan hatte, war völlig verqualmt. Waren die Schreie aus dieser Richtung gekommen?

    „Hallo?“, rief Tanya und zückte die Laserpistole. „Jemand da?

    Niemand gab ihr eine Antwort.

    Sie fluchte und tauchte geduckt in den Qualm ein, sich Mund und Nase mit ihrem Hemd bedeckend.

    Ende@Kapitel2: Eisernes Wrack

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  • Im Kreuzfeuer #23: Schon verdammt lange her

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Sofort gab Tanya die Zeichenkombination in das System ein. Doch unter den Personalnummern, wie sie gehofft hatte, fand sich nichts. Stattdessen wurde die Profilakte einer Straftäterin angezeigt, die genauso unzugänglich war wie alle anderen auch. Immerhin zwei freizugängliche Informationen erhielt sie dennoch. Ein Passfoto und einen Nachnamen. Demnach hieß sie offenbar Dallas. Tanya Dallas. Auf dem Foto sah sie eine junge Frau mit schwarzem schulterlangem Haar, die sie entschlossen, aber freundlich anblickte. Es war keines dieser typischen Sträflingsfotos.

    Das also bin ich, dachte Tanya. War sie wirklich noch so jung? Sie setzte die Schirmmütze ab und fuhr sich mit der Hand über den Schädel, fühlte die Haarstoppel. Lange her, sagte ein Gefühl in ihr. Schon verdammt lange her, dass du so geschaut hast wie auf dem Foto.

    Ein langgestreckter Schrei, der durch die Gänge hallte, schreckte Tanya aus ihren Ermittlungen auf. Wenn das ein Überlebender war, musste sie ihm helfen, egal ob Strafgefangener oder Besatzung! Jetzt mussten alle zusammenhalten, dachte sie. Hoffentlich sahen die anderen das auch so.

    Tanya setzte ihre Mütze wieder auf und verließ die Brücke durch den Haupteingang, der sich manuell öffnen ließ.

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  • Im Kreuzfeuer #22: Ich, eine Verbrecherin?

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Moment mal! War Tanya nicht selbst in einer Art Zelle aufgewacht? Das hieß doch nicht etwa, dass sie selbst eine verurteilte Verbrecherin war? Das zumindest könnte erklären, weshalb sie angesichts des allgegenwärtigen Todes so kühl blieb. Vielleicht war sie eine Kriegsverbrecherin. Oder eine Mörderin. Mögliche Gründe für ihre Abgebrühtheit waren endlos. Vielleicht war sie unschuldig und fälschlich zu dieser Strafe verurteilt worden? Nur weil sie sich zusammenreißen konnte, hieß das noch lange nicht, dass sie etwas Schlimmes getanhatte. Sie konnte genauso gut zur Besatzung gehören. Vielleicht war sie eine Söldnerin. Immerhin schien ihre Körper überdurchschnittlich fit zu sein. Aber das mochte auch auf Präparate zurückzuführen sein, die man ihr während des Kälteschlaf gegeben haben könnte, um sie wieder aufzuwecken. Dann würde die Wirkung bald wieder nachlassen.

    „Egal“, raunte Tanya sich selbst zu. Sie hatte das Bedürfnis, eine Stimme zu hören. „Ich werde es im Moment nicht herausfinden können. Es sei denn…“

    Via Konsole des Captains versuchte die Frau Informationen über sich aus dem zentralen Bordsystem zu beziehen, forschte nach, ob es unter dem Namen Tanya irgendwelche Profile gab. Leider war dieser Name nicht besonders einmalig. Ohne Identifikationsnummer oder wenigstens einen Nachnamen konnte sie die Datenbanken tagelang durchsuchen. Wenn sie ohnehin auf diesem Planeten festsaß, war das zumindest aus Zeitgründen kein Problem. Dennoch wäre das eine Aufgabe für später, wenn sie alles Wichtige für ihr Überleben gesichert hatte.

    Zudem entdeckte Tanya, dass sie ohne Sicherheitsfreigabe weder auf die Profile des Personals noch auf die der Sträflinge zugreifen konnte. Diese Blockade durch das Sicherheitssystem müsste sie erst überbrücken.

    Doch dann, während ihre Augen die aufgelisteten Kennnummern der Sträflingsprofile entlangwanderten, erinnerte Tanya die Zeichen, die neben der Tür ihrer Unterkunft geblinkt hatten. Jetzt verstand sie auch, was sie bedeuteten. Es waren Buchstaben und Ziffern gewesen, die zusammen eine Zeichenabfolge ergaben:

    CK-T.132.

    Das musste eine Kennnummer sein!

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  • Im Kreuzfeuer #21: Fern der Heimat

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Die Navigationsprotokolle studierend fand Tanya heraus, dass der Zielplanet der Lazarus VII, X-Tarma-12, nie erreicht worden war. Von dem X-Tarma-Sternensystem hatte sie ohnehin noch nie gehört. Selbst wenn sie ihre Erinnerungen nicht verloren hätte, wäre das kein Wunder gewesen. Denn dieser offenbar zur Kolonisierung ausgeschriebene Planet befand sich am äußersten Rand des bekannten Universums. Aufgrund der rudimentären Infrastrukturen wollte für gewöhnlich niemand an solch einem Ort leben, es sei denn, er konnte sich für nichts Besseres qualifizieren. Aufgrund eines Notsignals und auf Geheiß der Planetenleitstelle von X-Tarma-12 war die Lazarus VII in noch unzureichend kartografiertes Gebiet vorgedrungen. Auf welchem Planeten auch immer sie sich jetzt befand, Tanya war damit nachweislich einer der wenigen „glücklichen“ Menschen im ganzen Universum, die am weitesten von ihrer Heimat – der Erde, wie sie jetzt mit Gewissheit erinnerte – entfernt waren.

    „Großartig“, flüsterte Tanya.

    Aber das war noch nicht das Beste. Denn sie erfuhr außerdem aus dem zentralen Bordsystem, auf das sie von hier zugreifen konnte, dass dieses Schiff kein Kolonisierungsschiff mehr war, sondern zu einem Gefangenentransporter umfunktioniert worden war. Die Mission des Schiffes war es, wie sie den Logbüchern entnahm, X-Tarma-12 nicht zu kolonisieren, sondern bereits bestehende Strafkolonien mit neuen Arbeitskräften zu versehen, sowie eine Forschungsstation auszubauen, deren näherer Zweck nicht ohne Sicherheitsfreigabe einzusehen war. Offenbar wurden die Strafgefangenen in Kälteverschlaf versetzt, um sie widerstandslos und über lange Zeit transportieren zu können. Das bedeutete, Tanya befand sich nicht nur jenseits der Zivilisation auf einem abgestürzten Haufen Schrott in der Größe einer Stadt, sondern außerdem an einem Ort, der – sofern hier noch irgendwer überlebt hatte – von Schwerverbrechern nur so wimmelte.

    „Absolut großartig“, flüsterte Tanya.

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