Nicht nur die älteren Straßenkinder waren unterwegs, auf allen Wegen und Straßen waren plötzlich aufgeregte Menschen, sie trieben auf dem in der Abenddämmerung schon dunklen Marktplatz zusammen, wo ihre dichtgedrängten Körper dem Jungen in den viel zu großen Stiefeln ein Versteck vor seinen Verfolgern boten. Hier waren die Fassaden am höchsten, Kaufmannshaus reihte sich an Kaufmannshaus, Repräsentation drängte an Repräsentation, dazwischen geklemmt: das Rathaus, vor dem sich die Stadtgardisten versammelten.
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Das Blut lief ihr in die Augen, tropfte von der Nasenspitze. Die Klinge schabte über ihren nunmehr kahlen, brutal geschorenen Kopf. Der Hass war zu einer inneren Gewalt angeschwollen. So gewaltig, dass sie würgen musste. Oder war es der Selbstekel, den die Männer ihr aufzwangen, Männer, die sie entstellten und entweihten, bevor sie sie töten würden? Das Würgen jedenfalls kostete die Frau Atem. Und Atem bedeutete Kraft. Alle Kraft, die sie hatte, musste sie zusammennehmen. Wenn sie einem ihrer Peiniger wenigstens einen Denkzettel mitgeben könnte, den er auf Lebzeiten nicht mehr vergaß. Das würde ihrem Hass gefallen. Ja, wenn sie untergehen musste, flüsterte er, dann sollte sie wenigstens einen von ihnen mitnehmen. Also horchte sie auf den Hass, den sie bis heute Nacht stets heruntergeschluckt hatte. Diesen ungeheuren Hass, der nicht sein durfte. Jetzt machte er sie stark.
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Hohe moosige Häuserwände erhoben sich über die Massen, sperrten das schwindende Licht aus, drängten den Himmel fort. Der Wirt schob den Riegel vor die Tavernentür, Arme langten aus der Dunkelheit der Fenster, begierig die Holzladen zu schließen, Händler warfen rasch die Waren in ihre Körbe, schlossen die Stände, rollten die Decken zusammen, auf denen sie feilboten, und eilten davon. Nur die raffgierigsten und dreistesten unter ihnen witterten in dem Bevorstehenden eine Chance auf außerordentlichen Profit und boten den sich dichter drängenden Massen Speise und Trank aus einem Bauchladen an, den sie für diese Momente angeschafft hatten. Spektakel waren gut fürs Geschäft. Das wussten auch die Herren im edlen Zwirn, die sich auf dem Rathausbalkon versammelten und die beste Aussicht genossen.
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