Die Elfe und der Krieger #21: Berühmt-berüchtigt

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Als Lysha die Stimme ihres Lehrmeisters vernommen hatte, schien der Zauber plötzlich gebrochen und sie ließ mit hochrotem Kopf von Jasper ab, der sie links liegen ließ und mit einem Lächeln auf den alten Mann zuging. Das grelle Sonnenlicht blendete ihn und ließ den Schatten der Bäume umso dunkler auf dem Gesicht des Alten erscheinen.

„Finn?“, fragte Jasper wieder. „Finnigan Langsattel, der berühmt-berüchtigte Barde?“

Das Schweigen des Alten hemmte Jaspers Hoffnung, einen alten Freund wiederzutreffen, und ließ ihn stutzen, sodass sein Lächeln ins Wanken geriet und er sein Gegenüber musterte. Der ergraute Mann tat es ihm gleich, sein Blick war prüfend.

Lysha trat neben Jasper zu und schaute erst zu ihm, dann zu ihrem Lehrmeister, der im Schneidersitz dasaß und schwieg. Was war los? Sie wusste genau, dass die beiden sich kannten. Oder war etwas vorgefallen, von dem sie nichts wusste?

„Berühmt-berüchtigt, eh?“, wiederholte der Alte und dehnte die Worte, während er sich nachdenklich durch den Bart strich. „Ist es das, was man in Castellas Straßen über mich sagt, ja?“ Er schnaubte entrüstet. „Wüsste nicht, womit ich solch ein profanes Urteil verdient hätte! Jeder zweite Strauchdieb ist nach ein paar Überfällen berühmt-berüchtigt. Aber so etwas Banales über den Meisterdichter von Kalschek zu sagen?“ Er schüttelte den Kopf und kicherte plötzlich in sich hinein. „Tja, aber wann hätte je einer behauptet, die Leute von Castella verstünden etwas von Dichtung, hm?“

Endlich huschte auch über Finnigans Gesicht ein Lächeln und er nickte dem jungen Mann zur Begrüßung zu. Jaspers Miene hellte sich auf und er eilte zu seinem alten Freund, um ihm aufzuhelfen. Die zwei Männer umarmten sich und klopften einander ausgiebig auf die Schultern.

„Bist also endlich zum Mann geworden, was, Jasper?“, brachte Finnigan stolz hervor und grinste.

Jasper lachte. „Du alter Versedrechsler! Hast mich verdammt hingehalten eben!“

„Ich meine es ernst, die Castellaren verstehen einen feuchten Pferdefurz von Dichtkunst… Warum sonst hätten sie wohl ihren Marktplatz nach Ismadir Versefinder benannt. Jeder kann Ismadir gut finden, das ist nicht schwer, denn er ist einfach zu gut und außerdem seit über hundert Jahren tot. Eine solche Benennung ist nach zig Straßen und Plätzen, die bereits nach diesem großen Dichter benannt wurden, das Gegenteil eines Politikums. Es ist Bequemlichkeit. Wisst ihr, ich bin dabei gewesen, als die Wahl auf Ismadir gefallen ist, ich war Teil des Gremiums, das über die Namensgebung beraten hat, eine kuriose Geschichte, die euch beide gewiss interessiert…“ Finn stockte. Und wieder kicherte er einfach los. „Ha, jetzt hört euch an, wie ich ins Schwafeln gerate! Nein, wie das Ismadien-Rund mit seinen bezaubernden Arkaden im Zentrum Castellas zu seinem Namen gefunden hat, ist eine Geschichte für eine andere Zusammenkunft!“

Jasper klatschte in die Hände. „Was hältst du davon, wenn du sie uns heute Abend erzählst? Wir könnten Geschichten tauschen. Es ist viel passiert, seit Fürst Benninger das Sagen in Castella hat. Du wirst die Burgstadt nicht wiedererkennen!“

„Ja, das habe ich befürchtet“, murmelte Finn.

Diese unerwartete Erwiderung ließ Jasper kurz innehalten. Doch dann, als hätte er nicht gehört, was der Alte gesagt hat, fuhr er fort: „Ich will ins Dorf und einigen Leuten einen Besuch abstatten, bevor das Fest losgeht. Ich war zu lange fort.“

„Geh nur“, sagte der Barde. „Deine Mutter wird sich freuen, ihren Jungen wiederzusehen!“

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