Inhaltshinweise zu dieser Geschichte
Calion strich sich eine Strähne aus dem Gesicht, die ihm eine sanfte Brise vor die Augen blies. Trotz des jungen, kraftvollen Glanzes in seinen Augen spiegelten sie eine Erfahrung wider, die sein wahres Alter nur erahnen ließ. War es wirklich Erfahrung, fragte sich Valshiëlle, oder doch nur die Arroganz, die man den Hochelfen aus den Silberwäldern nachsagte?
„Menschen bleiben Menschen“, beharrte Calion auf seinem Standpunkt. „Sie werden sich niemals ändern. Vielleicht mögen diese Leute des Waldes dir gegenüber friedfertig sein, aber die eigentliche Frage ist doch, werden sie es auch bleiben, wenn man sie vor die Wahl stellt? Was ich damit sagen möchte, Val, ist, dass ich befürchtete, die Menschen werden uns aus Angst in den Rücken fallen, sobald diese seltene Verbindung eines Tages auf die Probe gestellt wird. Halten sie zu ihrem Volk oder zu uns? Ich glaube, die Antwort liegt auf der Hand.“
„Aber wir müssen nicht kämpfen!“, protestierte Valshiëlle und schüttelte den Kopf. „Es gibt immer einen anderen Weg!“
„Sieh es doch ein“, belächelte Calion sie sanftmütig und stolz. „Glaubst du, ich möchte kämpfen? Doch diese Welt ist eben nicht so friedlich, wie du es dir wünschst. Was du hier im Dell‘Analiel siehst, ist nicht, was dich da draußen erwartet, Val. Hier herrscht die Natur. Auch wenn sie bisweilen grausam erscheint, so hat doch alles in ihr Sinn und Zweck. Kein Tier tötet aus Bosheit. Aus diesem Grund ist es hier im Wesentlichen friedlich. Ebenso wie in den Silberwäldern.“
Calions Gesicht versteinerte. „Aber wie ich oft genug auf meinen Reisen erfahren musste, ist es in der Welt da draußen völlig anders. Offenbar liegt es im Wesen intelligenter und kulturschaffender Völker wie den Menschen, Zwergen und Orks sich von der Natur zu distanzieren. Hingegen wir Elfen sind das einzige Volk, deren Kultur den Einklang mit der Natur in den Vordergrund stellt. Das bringt uns in die widersprüchliche Situation, die Vormachtstellung anderen Völkern zu überlassen, die ihre Position umso mehr ausnutzen, um die Natur auszubeuten. Nein, erst in der Welt der Menschen, Zwerge und Orks ist Bosheit entstanden, oder kannst du dir vorstellen, ein Fuchs wäre böswillig, weil er ein Kaninchen aus Hunger reißt? Wo gibt es Bosheit in der Natur?“
Calion lächelte überlegen. „Und leider hat die Bosheit, als sie erst einmal in der Welt war, auch nicht vor unseren Elfengeschwistern Halt gemacht. Die Welt, in der wir leben, Val, kann nicht friedlich sein. In ihr gibt es zu viele Völker, die ihre Intelligenz vornehmlich darauf verwenden, anderen Leid anzutun. Aus Eigennutz und Gier töten sie. Ein Fuchs tut dies lediglich aus Notwendigkeit und stets maßvoll. Er will sich nie bereichern, lediglich seine Existenz mit den Mitteln fortsetzen, die ihm die Natur eingegeben hat.“
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