Kategorie: Im Kreuzfeuer. Sci-Fi-Robinsonade (2002)

  • Im Kreuzfeuer #5: Widerstreit von Geist und Körper

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    „Computergenerierte Erinnerungen werden jetzt implantiert.“

    Plötzlich erfassten das Subjekt Krämpfe und es begann sich wild hin und her zu werfen.

    „Was ist los?“, fragte Dr. Cramer.

    „Etwas ist schiefgegangen! Noch weiß ich nicht, was!“, rief Dr. Garrett, während er auf dem Bildschirm einer Steuerungskonsole nach Antworten suchte. Unterdessen nahmen die Schüttelkrämpfe des Subjekts an Intensität zu. Den Biodaten entnahm Dr. Cramer, dass die Gehirnwellen von Subjekt CK-T.132 instabil geworden waren. Im Grunde spielten sie verrückt.

    „Verdammt nochmal!“

    „Da! Ich habe etwas gefunden!“, meldete sich Dr. Garret zurück. „Es scheint so, als würde das Subjekt die neuen Erinnerungen teilweise abstoßen. Noch ist nicht klar, weshalb.“

    „Scannen Sie das Gehirn auf alte Erinnerungen“, ordnete Dr. Cramer an.

    Erinnerungen galten dem Menschen lange Zeit als Beweis der Seele – oder später, als Psychologie und Neurologie fortgeschrittener waren, als unerklärliches Rätsel, das aus dem Widerstreit von Geist und Körper resultierte. Doch letztlich erwiesen sich auch die Erinnerungen schlicht als biochemische Strukturen, die einer gewissen Codierung folgten.

    „Aber die QR-212-X wurde doch schon durchgeführt!“, insistierte Dr. Garrett.

    „Nicht von uns.“

    „Also gut.“ Dr. Garrett führte den Gerhirnscan durch. „Verdammt, Sie liegen richtig! Da sind noch immer Erinnerungen vorhanden. Die QR-212-X muss sie nur unzureichend gelöscht haben. Keiner Wunder, dass die programmierten Erinnerungen abgestoßen werden!“

    Kategorien: , ,

    Veröffenlicht von

    am

    Zuletzt geändert am:

  • Im Kreuzfeuer #4: Wiedergeburt

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    „Biodaten“, befahl Dr. Garret, woraufhin einer der Techniker, die wie die Forscher weiße Kittel trugen, die angeforderten Informationen vortrug:

    „Physischer Zustand stabil. Künstlicher Kälteschlaf aktiv bei minimalem Stoffwechsel. Minimale Gehirnaktivität. Körperfunktionen im Normbereich. Subjekt bereit zur Wiedererweckung.“

    „Beginnen mit Phase 1 der Wiedererweckung.“

    „Phase der Ankunft eingeleitet. Kältekammer mit synthetischer Amnionflüssigkeit fluten.“

    Die Kältekammer füllte sich mit einer grünen Flüssigkeit, die stoffelwechselaktiv war, wie Dr. Cramer wusste, und welche die Ankunft von CK-T.132 herbeiführte.

    „Kälteschlaf aufgehoben. Subjekt CK-T.132 ist angekommen und wird in künstliches Koma versetzt. Phase 1 abgeschlossen. Bereit für Phase 2.“

    In dem röhrenartigen Behälter – dem Amnion, wie die Forscher es auch nannten – trieb die Frau nun in dem leuchtenden Grün auf und ab. Ihre Haut war noch immer blass. Aber sie schien nun lebendiger, tatsächlich, als schliefe sie bloß. Man sah deutlich, wie sich ihr Brustkorb hob und senkte. Sie atmete die mit Sauerstoff angereicherte Flüssigkeit.

    „So viel dazu“, kommentierte Dr. Cramer. „Die QR-212-X wurde bereits vor Schlaflegung durchgeführt. Das bedeutet, dass alle Erinnerungen des Subjektes gelöscht sind. Wir überspringen Phase 2.“

    „Phase der Läuterung wird übersprungen“, bestätigte Dr. Garrett fürs Protokoll.

    „Beginnen mit Phase 3.“

    „Phase 3 – die Wiedergeburt – wird eingeleitet!“, nickte Dr. Garret. „Neuprogrammierung der Persönlichkeit steht kurz bevor.“

    Der Hochleistungscomputer dockte an die Geräte der Kältekammern an und die Prozedur zum Neuschreiben der Persönlichkeit wurde eingeleitet.

    Kategorien: , ,

    Veröffenlicht von

    am

    Zuletzt geändert am:

  • Im Kreuzfeuer #3: Auferstehungsmodul

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Nachdem sie die Desinfektionsschleuse passiert hatten, öffneten Dr. Cramer und Dr. Garrett per Schlüsselkarte die Sicherheitstür zum Wiedererweckungslabor und betraten es eilig, um das angelieferte Subjekt zu begutachten. Es war bereits von einigen Arbeitern hergebracht worden und lag in einer Kälteschlafkammer, die gerade von Technikern in das Auferstehungsmodul geladen wurde. Das würde noch ein wenig Zeit in Anspruch nehmen. Ungeduldig wippte Dr. Cramer mit dem Fuß, derweil die aus der Datenbank geladenen Biodaten von Subjekt CK-T.132 über die Bildschirme flimmerten. Die vielen Monitore tauchten den würfelförmigen und erstaunlich beengenden Raum in blaues Licht.

    Dann endlich wurde eine Metallverkleidung hochgezogen und ein Panzerglasfenster erlaubte Einblick in einen weiteren Raum. Da war es, das Auferstehungsmodul – eines von insgesamt 77 auf der Lazarus VII. Man konnte bereits dabei zusehen, wie das Modul sein Werk verrichtete. Roboterarme positionierten sich über einer Bodenluke, welche sich selbsttätig öffnete, und rasteten in die für sie vorgesehene Halterungen ein. Dann zogen die mechanischen Arme aus einer zischenden Nebelwolke die Kälteschlafkammer herauf. Gelenke drehten sich und die Kammer wurde aus der Waagerechten in die Senkrechte bewegt. Die Schutzverkleidung der Kältekammer schnellte zu den Seiten weg und gab die Sicht auf einen menschlichen Körper frei. Drähte und Schläuche wuchsen aus seinen Armen und verbanden sich mit seiner Ruhestätte. Lediglich schimmerndes Glas, auf dem Kondenswasser in Perlen hinabrollte, überdeckte den bloßen Körper. Vor der Schlaflegung hatte man ihm sämtliche Körperbehaarung entfernt.

    CK-T.132 war eine Frau. Ihre Augen waren geschlossen. Aber sie schien nicht zu schlafen. Eher wirkte sie wie eine jüngst Verstorbene. Wie jemand, der erfroren war. Eiskristalle hatten sich auf ihrer bläulichen Haut gebildet.

    Kategorien: , ,

    Veröffenlicht von

    am

    Zuletzt geändert am:

  • Im Kreuzfeuer #2: Tiefkühlprobleme

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Der stämmige Ex-Soldat rückte sein Barett zurecht. Er wusste, dass die Menschen in den Kältekammern allesamt Sträflinge waren. Andernfalls hätte eine dreihundertköpfige Crew gar nicht mehr als dreimal so viele Gefangene im Zaum halten können. Nein, die bösen Jungs wurden alle schön eingefroren. Nur so wäre diese Unternehmung erst profitabel, hatte der Captain einmal erklärt. Und darum ging es natürlich immer: um Profite.

    Doch auf der Lazarus VII wurde weit mehr als nur „transportiert“, wie Harry alsbald festgestellt hatte. Hier wurde auch „experimentiert“. Entweder die Probanden waren besonders unangenehme Zeitgenossen oder einfach nur arme Hunde, die das Pech hatten, aufgrund ihres verlorenen Freiheitsstatus ausgewählt worden zu sein. Völlige Gehirnwäsche und neue Identitäten waren dann meist die Lösung für solche „Tiefkühlprobleme“. Die Forscher nannten das Resozialisierungsexperimente. So wurden die Gefangenen für ihren Dienst in den Minen der Strafkolonie fit gemacht.

    Harry erschauderte. Man hörte die übelsten Sachen. Er fragte sich, wie viel von den Gerüchten der Wahrheit entsprach. Vielleicht war auch er in einem früheren Leben, von dem er nichts mehr wusste, ein Straftäter gewesen. Und jetzt mit seiner neuen Identität diente er dem Auftraggeber der Lazarus VII als Wachpersonal. Diese Vorstellung gefiel Harry nicht. Wie immer, wenn ihn derartige Gedanken ereilten, verdrängte er sie gleich wieder. Es war besser, genau das für wahr zu halten, was der eigene Kopf als wahr erinnerte. Alles andere bereitete nur Kopfschmerzen.

    Genau in diesem Moment, als Harry das Grübeln einstellte, bogen zwei Wissenschaftler um die Ecke. Ihre Stiefel schlugen hart auf den Boden und verursachten ein metallenes Hallen in den Gängen. Harry nickte den Weißkitteln freundlich, aber bestimmt zu. Nur einer der beiden, der jüngere Dr. Garrett, erwiderte den Gruß. Der Wachmann kannte die beiden Forscher gut, also erübrigte sich eine ID-Kontrolle. Er ließ sie wie immer passieren.

    „Welches Subjekt steht als nächstes an?“, fragte Dr. Garrett.

    „Subjekt CK-T.132“, war die knappe Antwort seines Kollegen.

    „Liegt die QR-212-X bereits vor?“

    „In der Tat“, entgegnete der Gefragte gereizt.

    Mehr konnte Harry von dem Gespräch nicht verstehen, da die beiden Weißkittel in dem Labor verschwanden, das Harry bewachte und in das gerade eben eines der „Tiefkühlprobleme“ geliefert worden war. Wieder einmal fragte sich Harry, was diese Fachbegriffe wohl alle bedeuten mochten.

    Kategorien: , ,

    Veröffenlicht von

    am

    Zuletzt geändert am:

  • Im Kreuzfeuer #1: Kälte, Leere und Sternenstaub

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    1 – Untergang

    Harry Robinson stand stramm. Nicht einmal mit der Wimper zuckte er, als die reglosen Menschen auf den Antigravitationstragen an ihm vorübersurrten. Den Ex-Soldaten berührte das alles nicht mehr, denn langsam hatte er sich damit abgefunden. Er wusste, dass die blassen Körper in den Behältern noch am Leben waren. Bloß „tiefgekühlt“ seien sie, wie sein Kollege Pierre Dubois es mit einem schiefen Grinsen ausgedrückt hatte. Eine Art Kälteschlaf, bei der alle Körperfunktionen heruntergefahren wurden; dennoch hielten die Maschinen so eines „Behälters“ die Insassen am Leben. Diese Glassärge in einem Metallschutzmantel hatten irgendeinen Fachnamen, aber die meisten hier auf dem Raumschiff nannten sie einfach Kältekammern.

    Ja, Harry befand sich auf einem Raumschiff – und das schon verdammt lange. Nach seiner unehrenhaften Entlassung aus der Armee der Erdregierung hatte er hier als Sicherheitsoffizier angeheuert. Da wusste er noch nicht, was ihn erwartet. Denn dies war nicht irgendein Raumschiff. Dies war die berüchtigte Lazarus VII. Ein seltsamer Name, bedachte man, dass es sich dabei um ein ehemaliges Kolonisierungsschiff handelte, das für den Transport von Schwerverbrechern umgerüstet worden war. Ein riesiges Schiff also, größer als manche Raumstation, das mit rund 1000 Sträflingen und 300 Mann Besatzung an Bord durch den Weltraum flog. Die Lazarus VII befand sich auf dem Weg zu einer Strafkolonie auf X-Tarma-12, einem Wüstenplaneten am Rande des bis dato bekannten Universums.

    Wie oft hatte Harry diese Reise jetzt schon unternommen?

    Zu oft, dachte er grimmig. Zu oft hatte er eingewilligt, jahrelang durchs All zu fliegen. Da, wo es sonst nichts gab. Nur Kälte, Leere und Sternenstaub.

    Aber der Sold stimmte.

    Kategorien: , ,

    Veröffenlicht von

    am

    Zuletzt geändert am: