Im Kreuzfeuer #6: Hab keine Angst, mein Kind

Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

Durch den wissenschaftlichen, technologischen und insbesondere, wie Dr. Cramer vor jüngeren Fachkollegen gern betonte, ethischen Fortschritt war es möglich geworden, die biochemischen Strukturen der Erinnerung im Gehirn eines Probanden zu lokalisieren und sie nicht nur auszulesen, sondern auch umzuschreiben. Erstaunlicherweise hatten sich diese Strukturen jedoch, sofern sie nicht akribisch bereinigt wurden, als äußerst widerspenstig erwiesen.

„Sofort die Reprogrammierungsprozeduren stoppen und das Subjekt sedieren!“

„Verstanden!“, rief Dr. Garrett. „Sofortiger Abbruch von Phase 3!“

„Und führen Sie anschließend weitere Tests durch, deren Ergebnisse Sie mir umgehend als Bericht zukommen lassen. Ich will wissen, in welchem Zustand sich der Erinnerungsapparat von Subjekt CK-T.132 befindet! Notfalls müssen wir es zunächst ohne intakte Neuprogrammierung wiedererwecken. Dann können wir es im Wachzustand beobachten und befragen. Eine äußert ineffektive Methode. Aber was soll’s…“

„Wird erledigt!“, erklärte Dr. Garrett.

„Immer nur Pfusch!“, knurrte Dr. Cramer und trat an das Panzerglas heran, das ihn von CK-T.132 trennte. Er verschränkte seine Hände hinter dem Rücken und flüsterte, sodass es das Wiedererweckungsteam nicht hören konnte:

„Ich werde das nicht dulden und eine Beschwerde an die verantwortlichen Regierungsbehörden richten. Immerhin verdanken wir denen die fehlerhafte QR-212-X. Aber hab keine Angst, mein Kind, wir finden eine Lösung.“

***

Als die Lazarus VII das Sternensystem X-Tarma erreichte, wurde Alarm ausgelöst. Fast augenblicklich berief man Harry und weiteres Sicherheitspersonal von ihren Wachposten ab und stellte ein Einsatzteam zusammen. Wie man den mürrischen Wachmann im Briefing wissen ließ, hatte sich der Captain zu einer Hilfsmission bereit erklärt, genauer: zu einer Bergungsmission. Harry hasste Bergungsmissionen. Denn für gewöhnlich musste man dafür in das Nichts da draußen hinaus. Er bekam noch immer eine Gänsehaut von der Vorstellung, in einem winzigen Shuttle durch die Leere zu fliegen, mit Atemluft für begrenzte Zeit und dicht an dicht gedrängt mit Ärzten, Technikern und anderen Söldnern wie ihn. Dank der Größe der Lazarus VII vergaß er manchmal, dass er sich überhaupt im Weltall befand. Das waren selige Momente!

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