Kategorie: Fragmente

  • Im Kreuzfeuer #20: Geheimprojekt

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Benommen von der Rutschpartie rappelte Tanya sich wieder auf und sah sich um. Offenbar war sie auf der Kommandobrücke des Raumschiffs gelandet. Allerdings nicht auf der Hauptbrücke, wie sie schnell merkte, sondern auf einer von vielen Notfallkommandobrücken, die bezogen werden konnten, wenn die Hauptbrücke zerstört oder funktionsuntüchtig war. Entsprechend verlassen wirkte der Raum. Hier war niemand während des Absturzes gestorben, schlicht weil niemand hier gewesen war, als es passierte. Es muss alles sehr schnell gegangen sein.

    Die Anzeigen waren alle tot. Nur auf dem Sitz des Captains funktionierte noch ein Monitor. Aus den Daten, auf die Tanya mittels der Anzeige zugreifen konnte, schloss sie, dass die Lazarus VII kurz vor dem Absturz eine Begegnung mit einem nicht identifizierten Flugobjekt hatte. Lazarus VII, so hieß dieses Raumschiff offenbar und es war tatsächlich, wie sie vermutet hatte, ein Kolonisierungsschiff.

    Tanya erinnerte sich an das korallenartige Ding, das sie im Weltraum gesehen hatte, und an den weißen Strahl, den es aussandte, kurz bevor sie ohnmächtig geworden war. Gut möglich, dass dies der Angriff eines bisher unbekannten Schiffstyps gewesen war. Und selbst wenn dieser Typ fremdartig aussah, geradezu lebendig, musste er nicht zwingend von Außerirdischen stammen, überlegte sie. Viel wahrscheinlicher war, dass ein menschliches Geheimprojekt dahintersteckte.

    Einen Moment wunderte sich Tanya über die Gedankengänge, die ihr Kopf von selbst anstellte. Vielleicht hatten diese Kenntnisse irgendetwas mit ihrer verschüttgegangenen Vergangenheit zu tun. Sie ließ es dabei bewenden und setzte ihre Recherchen fort.

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  • Die Elfe und der Krieger #20: Jeliéthiel

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Der Hengst polterte ungeduldig und schüttelte seine Mähne. Jasper fasste das Pferd fester bei den Zügeln, um es im Zaum zu halten.

    Lysha lief rot an, als ihr auffiel, dass sie noch immer an seinem Handgelenk hing und ihn dadurch behinderte. Sie ließ sofort los und wich einen Schritt zurück, als hätte sein Arm sich in eine giftige Schlange verwandelt.

    Jasper lächelte sie an, dankbar, dass sie ihn endlich losgelassen hatte. Dann strich er dem Hengst über die Flanke und flüsterte ihm einige Worte ins nervös zuckende Ohr.

    „Was für ein wildes Tier!“, rief Lysha, um von der gefühlten Peinlichkeit der Situation abzulenken. Dabei ging die Bardin mit ihr durch: „So anmutig, so voller Stolz, so ungezügelt in seiner Kraft!“

    An dem Glanz von Lyshas Augen erkannte Jasper, dass sie meinte, was sie sagte. „Jeliéthiel ist ein prächtiges Pferd“, stimmte er ihr zu, fragte sich insgeheim aber, ob sie in Wahrheit gar nicht das Tier, sondern ihn beschrieben hatte. Ihre Blicke gaben ihm Anlass genug für diese Überlegung. Er dachte das ganz ohne Eitelkeit. Eher stieg ihm bei diesem Gedanken die Hitze in die Wangen.

    „Und einen elfischen Namen hat er auch, nicht wahr?“, stieß Lysha hervor, um das Gespräch am Laufen zu halten.

    Jasper nickte. „Leider ist Jeliéthiel nicht mein Pferd. Er gehört Herzog Benninger. Ich könnte mir ein Reittier wie dieses im Leben nicht leisten. Überhaupt darf ich froh sein, dass mich der Herzog an seinem Hof akzeptiert hat. Nur weil ich dort gute Arbeit verrichte, wie er meint, kann ich den Unterricht bezahlen.“

    „Ach ja? Was für Arbeit denn?“ Lysha nickte zum Sattel, an dem ein Schwert befestigt war. Es steckte in einer schlichten Schwertscheide, der jegliche Verzierungen fehlten. „Vertreibst du Strolche und Ungeheuer mit dieser Klinge dort?“

    Jasper fasste sich verlegen an den Hinterkopf. „„Äh, nicht ganz… Die meiste Zeit miste ich den Stall aus und schleppe Kohlesäcke für den Schmied. Ich helfe, wo ich gerade gebraucht werde.“

    „Ehrliche Arbeit!“, rief Lysha mit Inbrunst. „Kein Grund, damit hinterm Berg zu halten!“

    Da lachte plötzlich eine raue alte Stimme. „Ich denke, du hast den jungen Mann mit genug Fragen gelöchert, mein Kind. Was hältst du davon, wenn du ihn erst einmal wieder zu Atem kommen lässt, ja? Er schien außerdem in Eile zu sein.“

    Jasper horchte auf. Abseits des Weges saß ein alter Mann im Schneidersitz unter den Bäumen. Lysha hatte ihn so in Beschlag genommen, dass er ihm gar nicht aufgefallen war. Aber jetzt da er ihn gesehen hatte, kam er ihm irgendwie bekannt vor.

    „Finn?“, fragte er hoffnungsvoll. „Bist du es?“

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  • Die Elfe und der Krieger #19: Fragen über Fragen

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    „Es ist ewig her, Lysha!“, begann Jasper, als er sie auf Armeslänge von sich forthielt, um sie besser begutachten zu können „Aber ich erinnere mich noch sehr gut an dich.“ Er wuschelte ihr blondes Haar. „Du warst noch ein kleines Mädchen, als wir uns zuletzt gesehen haben!“

    „So klein nun auch wieder nicht!“, korrigierte Lysha ihn und schob seine Hand, die ihre Frisur ruinierte, beiseite. „Inzwischen bin ich schon zweimal erwachsen! Fünfzehn Sommer und sechszehn Winter, um genau zu sein!“ Und dann erklärte sie altklug: „Andere Frauen sind jetzt schon lange verheiratet, weißt du…“

    Jasper hob die Augenbrauen. „Ähm… ja… klar.“

    „Und du bist jetzt… lass mich mal rechnen… neunzehn Sommer und Winter alt, oder irre ich mich?“

    „Nein, da liegst genau richtig… Hör mal, Lysha, es war schön, dich wiederzusehen. Aber ich will weiter nach Birkensund. Wir sehen uns bestimmt auf dem Mittsommerfest heute Abend…“

    Jasper war schon drauf und dran, in den Sattel zu steigen, da hielt Lysha ihn mit beiden Händen am Handgelenk fest. „Wo bist du die ganze Zeit gewesen?“, rief sie. „Was hast du gemacht? Wie ist es dir ergangen?“ Lyshas Wangen leuchteten vor Aufregung. „Du musst mir alles ganz genau erzählen!“

    Jasper, den die vielen Fragen überwältigten, seufzte. Aber dann lachte er leise in sich hinein. „Also gut“, fing er geduldig zu erklären an. „Ich komme aus Castella. Dort lebe ich am Hof von Herzog Benninger. Er und einige seiner Untergebenen unterrichten dort junge Leute im Schwertkampf, Lanzenreiten und im Umgang mit schweren Langwaffen. Wer sich bewährt, den nimmt der Herzog mit zu einem Anwesen, etwas abseits der Burgstadt. Dort ist seine persönliche Ausbildungsstätte für Kämpfer. Der Herzog meint, das Land habe immer Bedarf an Kämpfern.“

    „Und gefällt es dir dort?“, fragte Lysha. Sie war hellauf begeistert von seiner Erzählung. Auf den Gedanken, Jaspers Handgelenk wieder loszulassen, kam sie darum gar nicht erst. Sie hielt ihn fest, so wie er das Pferd bei den Zügeln hielt.

    „Es ist hart und anstrengend“, beantwortete er ihre Frage offen und ehrlich, während er versuchte, sich von ihrem Griff zu befreien, ohne unhöflich oder gar grob zu werden. Das stellte sich als recht schwierig heraus, da er die Zügel nicht loslassen wollte. „Aber ich bin sehr gerne dort. Ich will unbedingt ein Krieger werden!“

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  • Die Elfe und der Krieger #18: Jasper aus Birkensund

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    In ledernen Reiterhandschuhen steckten, wie sie zu erkennen glaubte, schlanke, aber starke Finger, die über die Flanke eines zufrieden schnaubenden Pferdes strichen. Er hielt das Pferd fest bei den Zügeln und musterte sie aus braunen Augen. Die länglichen Muskeln seiner unbekleideten Arme spannten sich ruckartig und erschlafften, während das Pferd unruhig an den Zügeln zerrte und mit den Hufen stampfte. Er baute sich vor ihr auf und sprach mit fester einschüchternder Stimme:

    „Seid gegrüßt! Ich bin Jasper aus Birkensund, und wer seid Ihr? Ich kenne Euch nicht. Seid so gut, nennt mir Euren Namen und Euer Begehr!“

    Lysha war nicht imstande zu antworten. Allein seine Gegenwart fesselte all ihre Sinne. Wie hatte er sich doch verändert! So förmlich!

    Der Reiter war hochgewachsen und von schlanker, muskulöser Statur. Trotz seiner stolzen Haltung hatte er ein freundliches Lächeln auf den Lippen, das sich in seinen Augen widerspiegelte. Seine Züge waren jung und wild wie das Pferd, das er ritt. Ungeniert fuhr er sich mit den staubigen Handschuhen durch sein dunkelbraunes, kurzgeschnittenes Haar. Einige Strähnen wippten leicht vor seinen dunklen Augen. An seinem Gesicht klebten der Schmutz und der Staub einer langen Reise und er roch nach Pferd. Auch seine Kleidung, die aus einer weiten braunen Hose und einem festgezurrten Lederharnisch bestand, wirkte blass von dem Staub, der sich auf ihr abgelegt hatte. Ein dunkelblaues Hemd, dessen Ärmel abgerissen waren, lugte an seinen Schultern unter dem Leder seiner Rüstung hervor.

    „Jasper?“, wiederholte Lysha seinen Namen leise und rief dann vor Freude laut: „Dann bist du es also wirklich!“

    Jasper lächelte verwirrt. „Kenne ich dich…?“

    „Ich bin es, Lysha!“

    „Lysha… Moment, dann bist du gar kein Knabe?“

    Lysha wäre beinahe die Kinnlade heruntergefallen. „Wieso denn Knabe?!“, rief sie und fühlte einen Stich in ihrem Herzen.

    Jasper wurde rot und winkte hastig ab. „Nein, nein, da habe ich mich wohl verguckt! Du bist Lysha! Die kleine Lysha vom Andersee…“

    Die junge Bardin ignorierte unangenehme Gefühl, das seine Erwiderungen zurückließen, und fiel ihm in die Arme. Verdutzt über die plötzliche Vertrautheit drückte er sie zögerlich an sich, nachdem er die Handschuhe abgestreift und hinter seinen Gürtel geschoben hatte.

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  • Im Kreuzfeuer #19: Labyrinth

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Während ihres Abstiegs musste Tanya zu ihrem Verdruss feststellen, dass sämtliche Deckeingänge, die sie fortan passierte, verschlossen waren. Doch wieder hinaufzusteigen, wäre sinnlos gewesen. Sie musste weiter, selbst wenn es ewig dauern würde, bis sie den Schacht wieder verlassen konnte. Diese Möglichkeit bestand, dämmerte ihr, weil gewisse Raumschifftypen gigantische Ausmaße annehmen konnten. Tanya leitete diese Überlegung von dem ab, was sie bisher von diesem Raumschiff gesehen hatte. Schon als sie aus ihrer Kammer hinaus auf den Planeten geblickt hatte, war ihr das Wrack wie ein Koloss vorgekommen. Sehr wahrscheinlich handelte es sich um ein Kolonisierungsschiff. Das waren quasi durch das All schwebende Städte. Ohne funktionierenden Hochgeschwindigkeitslift würde sie noch stundenlang weiterklettern müssen, wenn nicht sogar den ganzen Rest des Tages.

    Tanya blieb nichts anderes übrig. Also kletterte sie weiter abwärts und nach einiger Zeit, als ihre Beine schon schwer wurden und ihre Hände schwitzig, kam sie in regelmäßigen Abständen an Gittern vorbei, die in kleine Nebenschächte führten. Bei einem hielt sie zuletzt an und entschied sich für eine Abkürzung. Das Schutzgitter ließ sich leicht entfernen, wenn man die Laserpistole einsetzte, um die Bolzen, die es in der Wand hielten, zu schmelzen. Kurz darauf stürzte das Gitter in den Fahrstuhlschacht hinab. Geschmeidig wie eine Katze schlüpfte Tanya in die quadratische Öffnung in der Wand. Einem Moment genoss sie es, einfach nur dazuliegen und sich auszuruhen. Dann robbte sie tiefer in den Schacht hinein.

    Aufgrund eines sanften Gegenwinds erklärte Tanya die enge Röhre zu einem Belüftungsschacht. Auch hier krabbelte und krabbelte sie, zwängte sich um Ecken und rutschte kopfüber in tieferliegende Schächte, ohne irgendwo anzukommen. Obendrauf wurde die Luft immer stickiger. Sie bezweifelte schon, je wieder aus diesem Labyrinth herauszufinden.

    Plötzlich gab der Boden unter ihr nach und der gesamte Schacht brach nach unten hin weg. Scheppernd schlug der Metalltunnel auf ein Hindernis und blieb schief hängen, sodass Tanya bäuchlings in einen großen Raum schlitterte.

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