Inhaltshinweise zu dieser Geschichte
Noch immer kam Janna angerast. Erst jetzt begriff sie, was passierte, und trat heftig in den Rücktritt, bremste, was das Zeug hielt. Ihr Fahrrad schlitterte durch den nassen Sand, das Hinterrad beschrieb eine Kurve und kam unweit vor dem Ding aus dem Teich zum Stehen. Janna war unter dem dunklen Blätterdach des Schrevenparks hervorgerauscht und stand jetzt ebenfalls vor dem Wasser. Die plötzliche Weite des Blicks traf sie unvorbereitet. Sie kam sich völlig ungeschützt vor. Links die verlassene Wiese und rechts der noch viel größere Teich, über dessen Ufer sich ringsum vereinzelte Trauerweiden beugten. Auf seiner nahezu unbewegten Oberfläche spiegelten sich die umliegenden Häuserfassaden und der verhangene Nachthimmel. Schwarz war das Teichwasser. Und ein Teil dieser Schwärze hatte sich soeben daraus erhoben, in Form eines fremdartigen Wesens, das nun keine drei Meter mehr von Janna entfernt war. Es kauerte auf dem Mann und biss ihm die Kehle durch. Der Mann hatte nicht einmal schreien können. Was blieb, war sein erstickendes Röcheln.
Alles war viel zu schnell gegangen.
Janna hatte weder Zeit, die Eindrücke zu verarbeiten noch angemessen zu reagieren. Kaum hatte sie gebremst und das Geschöpf dadurch aufgeschreckt, da rollten hinter ihr schon die nächsten Radfahrer heran. Der eine schnellte so scharf an Janna vorüber, dass er ihren Ellbogen mit seiner Umhängetasche streifte. „Scheiße! Ich wäre fast in dich reingefahren!“, fluchte er, noch während er schlitternd anhielt. „Kannst du nicht aufpassen?“ Der Kerl musste direkt hinter Janna gefahren sein, während die zweite Radfahrerin, die jetzt an ihnen vorüber rauschte, einen weiten Bogen beschrieb und, über die unebene Wiese ruckelnd, der Szenerie ausgewichen war. Sie glotzte ungläubig auf das seltsame Wesen, während sie das Rad einfach rollen ließ, bis es endlich Klick bei ihr machte und sie zu strampeln anfing. Nichts schien ihr plötzlich so wichtig, wie zum Lessingplatz hinaus in die beleuchtete Stadt zu rasen. Das Ding hingegen blickte der Fliehenden mit blutigem Maul nach, als würde es abwägen, ob es sich lohnt, ihr nachzusetzen. Deutlich erkennbar folgte es mit dem Kopf der strahlenden Rückleuchte, bis sie zum Park hinaus verschwunden war. Dann, mit einer ruckartigen Bewegung, wandte es sich wieder Janna und dem Kerl vor ihr zu. Die beiden waren näher als die Radfahrerin und unbewegt.
Es hält uns für die leichtere Beute, dachte Janna.
