Die Elfe und der Krieger #15: Tod der Kunst

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Finnigan überlegte einen Moment, was er seiner Schülerin erwidern sollte, und entschied sich, bei der Wahrheit zu bleiben. „Um mich leichter auf das konzentrieren zu können, was mir dargeboten wird, schließe ich für gewöhnlich meine Augen. Nur habe ich das erst einmal getan, mein Kind, ist es um das Wachen bald geschehen.“ Der Alte rieb sich verlegen die Nasenwurzel und kicherte. „Es muss an der Hitze liegen, dass ich mich so müde fühle. Verzeih einem alten Mann seine Nachlässigkeit.“

Die Hitze machte Finnigan tatsächlich zu schaffen. Er spürte die träge Müdigkeit bis in seine alten Knochen. An solchen Tagen merkte er allzu oft in letzter Zeit, dass er gar nicht mehr so rüstig war, wie er stets geglaubt hatte.

„Was aber deinen Gesang anbelangt, so hat er sich außerordentlich verbessert, seitdem ich dich das erste Mal habe vortragen hören“, fuhr Finnigan wahrheitsgemäß fort und verschwieg diesmal die zwei, drei schiefen Töne, die er bemerkt hatte, einerseits, da er wusste, wie schwer die Melodie des Hohelieds zu beherrschen war, und andererseits, um seine aufgebrachte Schülerin nicht zusätzlich zu verärgern. Kritik an ihrer Gesangskunst nahm sie sich sehr zu Herzen. „Mit ein wenig Übung wirst du bald eine der besten Sängerinnen in ganz Dhoril sein. Das Talent dazu besitzt du! Aber vergiss nicht…“ – er hob den Zeigefinger – „…dass ohne Fleiß nichts zu gewinnen ist!“

„Glaubt Ihr ernsthaft, ich kann das schaffen: eine der besten zu werden?“, wollte Lysha wissen. Sie war so stolz und erfreut über die Einschätzung ihrer Fähigkeiten, dass ihr Ärger verflogen war. Nun war sie wieder ganz Feuer und Flamme.

Wer Böses im Sinn hat, hätte meinen können, das wäre die Absicht ihres Lehrmeisters gewesen, der von seinem Fauxpas ablenken wollte. Doch das stimmte nicht. Nun, wenigstens nicht ganz. Denn für ihr junges Alter von fünfzehn Sommern war Lysha tatsächlich außerordentlich begabt und auch das Hohelied von Dhoril hatte sie besser gemeistert als viele andere Schüler in ihrem Alter. Finnigan musste ihr also keinen Honig um den Bart schmieren. Er war von ihrem Talent durchweg überzeugt. Dennoch hätte er es lieber vorgezogen, seine Bewunderung nicht allzu offen mit ihr zu teilen, damit sich seine Schülerin nicht zu viel auf ihre Fähigkeiten einbildete und womöglich auf die Idee käme, sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen.

Eitelkeit konnte der Tod der Kunst sein, wusste Finnigan. Er wusste aber auch, dass sie ganz ohne Eitelkeit nie das Licht Welt erblickt hätte.

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