Inhaltshinweise zu dieser Geschichte
In ledernen Reiterhandschuhen steckten, wie sie zu erkennen glaubte, schlanke, aber starke Finger, die über die Flanke eines zufrieden schnaubenden Pferdes strichen. Er hielt das Pferd fest bei den Zügeln und musterte sie aus braunen Augen. Die länglichen Muskeln seiner unbekleideten Arme spannten sich ruckartig und erschlafften, während das Pferd unruhig an den Zügeln zerrte und mit den Hufen stampfte. Er baute sich vor ihr auf und sprach mit fester einschüchternder Stimme:
„Seid gegrüßt! Ich bin Jasper aus Birkensund, und wer seid Ihr? Ich kenne Euch nicht. Seid so gut, nennt mir Euren Namen und Euer Begehr!“
Lysha war nicht imstande zu antworten. Allein seine Gegenwart fesselte all ihre Sinne. Wie hatte er sich doch verändert! So förmlich!
Der Reiter war hochgewachsen und von schlanker, muskulöser Statur. Trotz seiner stolzen Haltung hatte er ein freundliches Lächeln auf den Lippen, das sich in seinen Augen widerspiegelte. Seine Züge waren jung und wild wie das Pferd, das er ritt. Ungeniert fuhr er sich mit den staubigen Handschuhen durch sein dunkelbraunes, kurzgeschnittenes Haar. Einige Strähnen wippten leicht vor seinen dunklen Augen. An seinem Gesicht klebten der Schmutz und der Staub einer langen Reise und er roch nach Pferd. Auch seine Kleidung, die aus einer weiten braunen Hose und einem festgezurrten Lederharnisch bestand, wirkte blass von dem Staub, der sich auf ihr abgelegt hatte. Ein dunkelblaues Hemd, dessen Ärmel abgerissen waren, lugte an seinen Schultern unter dem Leder seiner Rüstung hervor.
„Jasper?“, wiederholte Lysha seinen Namen leise und rief dann vor Freude laut: „Dann bist du es also wirklich!“
Jasper lächelte verwirrt. „Kenne ich dich…?“
„Ich bin es, Lysha!“
„Lysha… Moment, dann bist du gar kein Knabe?“
Lysha wäre beinahe die Kinnlade heruntergefallen. „Wieso denn Knabe?!“, rief sie und fühlte einen Stich in ihrem Herzen.
Jasper wurde rot und winkte hastig ab. „Nein, nein, da habe ich mich wohl verguckt! Du bist Lysha! Die kleine Lysha vom Andersee…“
Die junge Bardin ignorierte unangenehme Gefühl, das seine Erwiderungen zurückließen, und fiel ihm in die Arme. Verdutzt über die plötzliche Vertrautheit drückte er sie zögerlich an sich, nachdem er die Handschuhe abgestreift und hinter seinen Gürtel geschoben hatte.