Diese Woche habe ich Verdrängung betrieben. Jepp, ich habe nicht an die bevorstehende Lesung auf dem Mondo Grindhouse Festival in Kiel gedacht. Mir vorzustellen, dass ich vor einem Publikum aus einer Erzählung lese, macht mich mehr als nervös. Und was, wenn niemand erscheint?
Ha, niemand wird nicht kommen. (Der Satz ist so schräg, dass ich ihn stehen lassen will.) Denn Freunde werden es. Ich bin aus Kiel und ich kenne Leute in Kiel. Und ein paar davon werden zur Lesung kommen. Also, jetzt bloß nicht von Angstfantasien forttragen lassen.
Allerdings fällt es mir erstaunlich schwer, die Lesung vorzubereiten. Und einiges gäbe es vorzubereiten. Nicht nur die Textauswahl muss getroffen und der Vortrag eingeübt werden. Ebenso wollen Unterkunft und Anfahrt geplant sein. Auch wenn ich aus Kiel stamme, wohne ich dort schon lange nicht mehr. Während ich dies schreibe, bin ich über 600 Kilometer von Kiel entfernt.
Doch das ist nicht das Entscheidende. Eigentlich weiß ich, bei wem ich unterkommen kann, weiß, wie man ein Zugticket bucht (hört! hört!), ja weiß sogar, aus welcher Erzählung ich lesen will, wusste es schon, bevor ich zugesagt habe. Das Entscheidende ist, zu wissen, wie man den inneren Widerstand überwindet.
Dass andere Dinge naheliegender sind, dringender als das Schreiben, davon habe ich schon erzählt. Diese Dinge treiben mich um. Als hätte ich mich für ein anderes Leben entschieden und müsste nun zum Leben als Schriftsteller erst wieder zurückfinden.
Flaut der innere Widerstand ab, sprudeln die Ideen.
Was wäre, wenn ich die Erzählung, aus der ich lesen werde, als kleines Büchlein im Selbstdruck vorbereite und am Merchandise-Stand des Festivals anbiete? Ja, was wäre, wenn ich diesem Büchlein außerdem eine Leseprobe zu dem Science-Fiction-Roman beifüge, den ich derzeit versuche, an den Verlag zu bringen? Und was wäre, wenn in diesem Büchlein ein Link wäre – oder ein QR-Code –, der zu einer Website führt?
Es ist schon lange ein Traum von mir, einen literarischen Weblog zu betreiben. Eine Art Schreibatelier im Internet. Dort hätten Arbeitsjournale wie dieses ihren Platz. Sie würden ganz von selbst mein So-Sein als Schriftsteller unterstreichen. Aber nicht nur das! Sie würden auch das Kunstwerk als Prozess darlegen, als etwas, das im Werden begriffen ist, so wie der Mensch selbst, der hinter der Kunst steht (oder davor, um sie zu betrachten).
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