Kategorie: Geschichten

  • Im Kreuzfeuer #1

    1 – Untergang

    Harry Robinson stand stramm. Nicht einmal mit der Wimper zuckte er, als die reglosen Menschen auf den Antigravitationstragen an ihm vorübersurrten. Den Ex-Soldaten berührte das alles nicht mehr, denn langsam hatte er sich damit abgefunden. Er wusste, dass die blassen Körper in den Behältern noch am Leben waren. Bloß „tiefgekühlt“ seien sie, wie sein Kollege Pierre Dubois es mit einem schiefen Grinsen ausgedrückt hatte. Eine Art Kälteschlaf, bei der alle Körperfunktionen heruntergefahren wurden; dennoch hielten die Maschinen so eines „Behälters“ die Insassen am Leben. Diese Glassärge in einem Metallschutzmantel hatten irgendeinen Fachnamen, aber die meisten hier auf dem Raumschiff nannten sie einfach Kältekammern.

    Ja, Harry befand sich auf einem Raumschiff – und das schon verdammt lange. Nach seiner unehrenhaften Entlassung aus der Armee der Erdregierung hatte er hier als Sicherheitsoffizier angeheuert. Da wusste er noch nicht, was ihn erwartet. Denn dies war nicht irgendein Raumschiff. Dies war die berüchtigte Lazarus VII. Ein seltsamer Name, bedachte man, dass es sich dabei um ein ehemaliges Kolonisierungsschiff handelte, das für den Transport von Schwerverbrechern umgerüstet worden war. Ein riesiges Schiff also, größer als manche Raumstation, das mit rund 1000 Sträflingen und 300 Mann Besatzung an Bord durch den Weltraum flog. Die Lazarus VII befand sich auf dem Weg zu einer Strafkolonie auf X-Tarma-12, einem Wüstenplaneten am Rande des bis dato bekannten Universums.

    Wie oft hatte Harry diese Reise jetzt schon unternommen?

    Zu oft, dachte er grimmig. Zu oft hatte er eingewilligt, jahrelang durchs All zu fliegen. Da, wo es sonst nichts gab. Nur Kälte, Leere und Sternenstaub.

    Aber der Sold stimmte.

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  • Die Elfe und der Krieger #1

    Auftakt

    Lang lebe der Tod

    Die Stiefel, die für den Jungen, der sie trug, viel zu groß waren, knirschten auf den sandigen Pflastersteinen der Seitengasse. Sie machten Halt vor einer ausgedehnten dunklen Pfütze, deren Wasser die dämmernde Welt, ihre grauen Wolken, die hohen Fassaden und auch das schmutzige Gesicht des Jungen spiegelte. Eine Daune von ungewöhnlich strahlendem Weiß wiegte in der Luft und segelte auf das Schmutzwasser herab.

    *

    In der Tiefe unter den Pflastersteinen, in den Kerkergewölben des Vasjeller Rathauses, die sich bis weit unter die Stadt streckten, fuhren Hände grob in den Haarschopf einer Frau. Ihr Kopf wurde zurückgerissen, sie schrie auf vor Schmerz, ein Messer blitzte im Fackelschein.

    *

    Die weiße Daune wippte auf dem Pfützenwasser wie ein Spiel, das allein für den Jungen in den viel zu großen Stiefeln gemacht war. Er hockte sich hin und streckte den Kopf über die Pfütze, lächelte, als er das gewölbte Weiß mit seinem schmutzigen Finger anstupste und wie ein winziges Boot schaukeln ließ. Die Daune weckte Erinnerungen. „Das ist schon die Dritte!“, flüsterte der Junge und schaute in den Abendhimmel, der sich zugezogen hatte.

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