Die Elfe und der Krieger #20: Jeliéthiel

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Der Hengst polterte ungeduldig und schüttelte seine Mähne. Jasper fasste das Pferd fester bei den Zügeln, um es im Zaum zu halten.

Lysha lief rot an, als ihr auffiel, dass sie noch immer an seinem Handgelenk hing und ihn dadurch behinderte. Sie ließ sofort los und wich einen Schritt zurück, als hätte sein Arm sich in eine giftige Schlange verwandelt.

Jasper lächelte sie an, dankbar, dass sie ihn endlich losgelassen hatte. Dann strich er dem Hengst über die Flanke und flüsterte ihm einige Worte ins nervös zuckende Ohr.

„Was für ein wildes Tier!“, rief Lysha, um von der gefühlten Peinlichkeit der Situation abzulenken. Dabei ging die Bardin mit ihr durch: „So anmutig, so voller Stolz, so ungezügelt in seiner Kraft!“

An dem Glanz von Lyshas Augen erkannte Jasper, dass sie meinte, was sie sagte. „Jeliéthiel ist ein prächtiges Pferd“, stimmte er ihr zu, fragte sich insgeheim aber, ob sie in Wahrheit gar nicht das Tier, sondern ihn beschrieben hatte. Ihre Blicke gaben ihm Anlass genug für diese Überlegung. Er dachte das ganz ohne Eitelkeit. Eher stieg ihm bei diesem Gedanken die Hitze in die Wangen.

„Und einen elfischen Namen hat er auch, nicht wahr?“, stieß Lysha hervor, um das Gespräch am Laufen zu halten.

Jasper nickte. „Leider ist Jeliéthiel nicht mein Pferd. Er gehört Herzog Benninger. Ich könnte mir ein Reittier wie dieses im Leben nicht leisten. Überhaupt darf ich froh sein, dass mich der Herzog an seinem Hof akzeptiert hat. Nur weil ich dort gute Arbeit verrichte, wie er meint, kann ich den Unterricht bezahlen.“

„Ach ja? Was für Arbeit denn?“ Lysha nickte zum Sattel, an dem ein Schwert befestigt war. Es steckte in einer schlichten Schwertscheide, der jegliche Verzierungen fehlten. „Vertreibst du Strolche und Ungeheuer mit dieser Klinge dort?“

Jasper fasste sich verlegen an den Hinterkopf. „„Äh, nicht ganz… Die meiste Zeit miste ich den Stall aus und schleppe Kohlesäcke für den Schmied. Ich helfe, wo ich gerade gebraucht werde.“

„Ehrliche Arbeit!“, rief Lysha mit Inbrunst. „Kein Grund, damit hinterm Berg zu halten!“

Da lachte plötzlich eine raue alte Stimme. „Ich denke, du hast den jungen Mann mit genug Fragen gelöchert, mein Kind. Was hältst du davon, wenn du ihn erst einmal wieder zu Atem kommen lässt, ja? Er schien außerdem in Eile zu sein.“

Jasper horchte auf. Abseits des Weges saß ein alter Mann im Schneidersitz unter den Bäumen. Lysha hatte ihn so in Beschlag genommen, dass er ihm gar nicht aufgefallen war. Aber jetzt da er ihn gesehen hatte, kam er ihm irgendwie bekannt vor.

„Finn?“, fragte er hoffnungsvoll. „Bist du es?“

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