Kategorie: Geschichten

  • Im Kreuzfeuer #16: Als riefe jemand

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Tanya schwang sich auf die Wartungsleiter, blieb dabei mit dem Overall an einem scharfkantigen Trümmerteil hängen und riss sich die Kleidung am Oberschenkel auf. Sie fluchte, machte aber weiter, als wäre nichts passiert. Einen Moment später erschrak sie. Ihre Stimme hatte fremd geklungen. Als hätte sie die eigene Stimme seit Ewigkeiten nicht mehr gehört.

    Sie hielt mitten auf der Leiter an, unter ihr die endlose Tiefe des Fahrstuhlschachtes. Mit Unbehagen stellte sie fest, dass ihr kaum Worte einfielen. Bis eben schienen sie dagewesen zu sein. Sie hatte die Dinge um sich herum angeschaut und instinktiv gewusst, was sie waren. Jetzt, da sie sich konzentrierte, fehlten ihre Namen.

    „Tanya“, flüsterte sie. Ihr eigener Name war das einzige Wort, das ihr in den Sinn kam. Es schien ihr, als hätte sie ihn zum ersten Mal in ihrem Leben ausgesprochen. Es war anstrengend zu sprechen. Da überkam Tanya das beklemmende Gefühl, dass etwas nicht stimmte, nicht mit ihr und nicht mit diesem Ort. Die vielen Toten kamen ihr wieder in den Sinn. Nicht alle waren durch den Absturz getötet worden. Sie erlangte ihre Fassung zurück und kletterte weiter hinab. Etwas sagte ihr, dass sie in Bewegung bleiben musste.

    Und dann – langsam, aber sicher – kehrten die Worte in ihr Gedächtnis zurück. Versuchsweise sagte Tanya ein paar davon. Dann wieder ihren Namen, der ihr unvertraut vorkam. Genauso wie ihre Stimme. Wenn Tanya ihren Namen flüsterte, erschien es ihr manchmal, als riefe jemand nach ihr. Einmal schaute sie sich sogar um. Doch es war niemand außer ihr in diesem endlosen Schacht.

    Plötzlich knarrte und ächzte es, als würde Metall sich unter einer schweren Last verbiegen. Trümmerteile stürzten von weit oben auf Tanya herab und verfehlten sie um Haaresbreite.

    Die erschrockene Frau drückte sich eng an die Wartungsleiter und schaute aufwärts. In weiter Ferne schien sich etwas zu bewegen. Das musste der Fahrstuhl sein! Wie es schien, bewegte er sich langsam abwärts.

    Ohne lange nachzudenken, kletterte sie weiter. Sie musste aus dem Schacht heraus, ehe der Fahrstuhl abstürzte. Doch dann, als hätte ihr Gedanke ein Stahlseil gekappt, rutschte das Ding ab und schlitterte funkenstiebend zu ihr hinab.

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  • Im Kreuzfeuer #15: Gefühlskälte

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Überall hingen Kabel von der Decke herab und Trümmer versperrten den Weg. Seitlich neben der Tür ihrer Kammer blinkte etwas. Eine digitale Anzeige, die defekt war und flackerte. Darauf waren Zeichen zu sehen, die ihr vertraut waren, aber die sie trotzdem nicht verstand. Doch wurde ihr wenigstens klar, dass die Stromaggregate noch immer funktionierten.

    Sehr vorsichtig, weil sie barfüßig war, aber dennoch flink und geschickt, bewegte Tanya sich durch die Trümmer, ohne sich zu verletzen. Sie musste über einen verkohlten Körper hinwegsteigen. Es war nicht mehr zu erkennen, ob es eine Frau oder ein Mann war. Tanya erschrak nicht. Sie wusste nicht, warum das so war, und eigentlich dachte sie auch nicht weiter darüber nach, aber der Anblick eines Toten schien für sie nicht ungewohnt.

    Von dem Gang zweigten noch weitere Räume ab. Die Menschen darin waren alle umgekommen. Sie trugen alle Overalls wie Tanya. Aus einer eingestürzten Tür hing ein toter Mann mit leerem Blick. Sie wandte sich ab und ging weiter. Einem schmächtigen Körper in einer grauen Uniform nahm sie die Schuhe ab – Stiefel, die einigermaßen passten. Dabei fragte sie sich, warum sie noch lebte. Sie fand keine Antwort. Dann nahm sie es als gegeben hin.

    Der Gang machte eine Biegung und wieder eröffnete sich Tanya ein Bild des Grauens. Von Trümmern erschlagene Menschen lagen in geronnenem Blut. Ungerührt bahnte die Frau sich einen Weg hindurch. Am Ende des Ganges kletterte sie, ohne lange zu überlegen, einen Fahrstuhlschacht hinab. Dank einer Wartungsleiter war das nicht schwierig. Bis Tanya das nächste Stockwerk erreichte, waren es gut zwanzig bis dreißig Meter. Sie stellte fest, dass sie wendig, flink und voller Kraft war. Das erfüllte sie mit Zufriedenheit und sie machte sich keine weiteren Gedanken darüber. Es schien ihr nur richtig und natürlich.

    In dem Stockwerk, das sich nun vor ihr auftat, gab es kein Durchkommen. Der Gang war eingestürzt. Links führte eine Tür in einen Wartungsraum. Darin fand sie die Leichen zweier Wachleute vor. Weiter hinten lagen noch mehr Tote. Sie trugen allesamt blau-gelbe Overalls. Offenbar hatte man sie erschossen, sodass sie an Ort und Stelle übereinander gefallen waren und einen Haufen bildeten.

    Tanya registrierte, was hier geschehen war, doch empfand nichts dabei. Stattdessen folgte sie den Eingebungen ihrer Intuition und bemächtigte sich einer Laserwaffe, die sie bei einem der Soldaten fand und die nach wie vor funktionierte. Dann machte sie sich daran, den Fahrstuhlschacht weiter hinabzusteigen.

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  • Im Kreuzfeuer #14: Tanya

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    2 – Eisernes Wrack

    Morgendliche Geräusche drangen an ihr Ohr: das Rauschen des Windes in den Blättern des Waldes und das Rufen der Vögel, freilich sehr exotischer Vögel, deren Laute sie noch nie zuvor vernommen hatte.

    Langsam öffnete sie die Augen. Wo war sie? Und wer war sie?

    Tanya… Genau! Das war ihr Name.

    Aber war er es denn wirklich?

    Vorsichtig stand Tanya auf. Über ihr hing quer ein Stahlträger. Kabel baumelten von der Decke. Die Frau stützte sich am Fenster ab und schaute hinaus. Das Panzerglas war gesprungen, aber nicht zerbrochen. Draußen dämmerte gerade der Morgen. Seltsame Tiere flogen durch die Luft und der Himmel über den grünen Bergen färbte sich orange-rot. Sie hatte keine Ahnung, warum sie sich in diesem Stahlkoloss befand. War das ein Raumschiff? Etwas aus der Tiefe ihrer Erinnerung sagte, dass dem so war. Ein Raumschiff also – und zu allem Überfluss auch noch eines, das abgestürzt war. Jetzt erinnerte sie sich wieder.

    Das da draußen war also nicht die Erde?

    Es war nicht ihr Zuhause?

    Da bemerkte Tanya mit einem Mal, dass ihre Kleidung völlig zerfetzt an ihr herabhing – eine Art blau-gelber Overall, der unangenehm eng war, wenn auch elastisch – und dass ihr Schuhwerk fehlte. Aber in diesem Raum gab es nichts mehr, was sie stattdessen hätte anziehen können.

    Also verließ Tanya den Raum ihres Erwachens so, wie sie war, und betrat einen dunklen Gang.

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  • Die Elfe und der Krieger #14: Ganz anders, als du denkst

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Obwohl Lysha ihrem Lehrmeister geradezu ins Ohr gebrüllt hatte, rührte er sich kein bisschen. Verdutzt stupste sie dem Alten wieder und wieder gegen die Schulter, woraufhin er endlich aufwachte und sich schmatzend umschaute. Als er Lysha erblickte, die ganz nah herangekommen war, erschreckte er so heftig, dass er zappelnd nach hinten umfiel. Daraufhin erschreckte auch Lysha und machte einen Satz zurück. Keine Sekunde später saßen Meister und Schülerin wieder im Schneidersitz und taten so, als wäre nichts passiert.

    „Wie oft soll ich es dir denn noch sagen“, rügte Finnegan seine Schülerin mit sanfter Stimme. „Finn reicht vollkommen aus.“

    „Meister Finnigan!“ Der Alte seufzte resignierend, als seine Schülerin ihn so nannte. „Habt Ihr meinem Spiel überhaupt zugehört?“

    „Sicher, mein Kind, sicher!“

    Lysha stemmte die Arme in die Seiten. „Dann interessiert mich brennend, warum Ihr unentwegt während der Lehrstunden einschlaft! Nehmt Ihr mich nicht ernst? Ist es das?“

    Finnigan begegnete dem wütenden Blick seiner Schülerin mit einem Lächeln. „Lysha, meine Liebe, es ist ganz anders, als du denkst“, erwiderte er ruhig und gelassen. Um seine Schülerin zu besänftigen, würde er sich ein ausgesprochen gutes Argument einfallen lassen müssen.

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  • Nyneve, oder: Die verborgene Wildnis

    Nyneve, oder: Die verborgene Wildnis

    Leseprobe

    Eine Leseprobe zu der Erzählung Nyneve, oder: Die verborgene Wildnis ist als siebenteilige Serie auf Anderwärts | Literarischer Weblog erschienen und kann hier nachgelesen werden. Exemplare der limitierten Festivaledition sind noch zu haben und können per E-Mail bestellt werden (Softcover, 67 Seiten).

    In welcher Form Nyneve in Zukunft erscheinen wird, ist noch nicht festgelegt. Denkbar wäre, dass sie als Teil einer größeren Erzählsammlung wiederaufgelegt wird.

    Klappentext

    Janna träumt vom großen Erfolg als Malerin. Doch gerade als die aufmüpfige Kunststudentin überzeugt ist, das Bild ihres Lebens gemalt zu haben, wird sie Zeugin einer bizarren andersweltlichen Auseinandersetzung, die alles für immer verändert.

    „Nyneve, oder: Die verborgene Wildnis“ ist die minutiöse Inszenierung einer Begegnung mit einem phantastischen Geschöpf, die dem Autor als Kulisse dient, um von den Schrecken männlicher Dominanz und den daraus resultierenden Verletzungen zu erzählen.

    Blutsprudelnder Survival-Horror trifft auf zeitgenössische Phantastik, in der die Vorzeichen des Monströsen und des Menschlichen vertauscht sind.

    Wer ist eigentlich das Monster?

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