Kategorie: Geschichten

  • Die Elfe und der Krieger #24: Einer von vielen Tagträumen

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Jetzt wurde das Plätschern laut und klar, die Dunkelheit riss ab, schwemmte mit dem Wasser vor ihren Augen fort. Lichtpunkte spiegelte sich in dem fließendenden Element, Vögel trällerten, ein Wald rauschte. Alles wirkte plötzlich so friedlich. Und verschwunden war das Ahnungsvolle ihres Tagtraumes, vergessen, welch Kummer sie in den Augen des Jungen gespürt hatte.

    Unwillkürlich langte die Elfe ins kalte Wasser und während es zwischen ihren Fingern davon floss, verhakte sich etwas Weißes an ihnen. Behutsam schloss sie ihre Hand darum und fischte eine kleine Daune aus dem kühlen Nass.

    War dies das verwischte Weiß, das sie eben hatte erwachen lassen? Aus diesem Tagtraum, der nur einer von vielen war?

    Valshiëlle richtete sich auf, während ihre klaren, grünen Augen die Umgebung musterten. Die Äste gewaltiger Bäumen ragten über den flachen Fluss, der übersät war mit Gesteinsbrocken und flachen Felsen. Das kräftige Licht der Mittagssonne sickerte durch das Blätterdach und bildete leuchtende Säulen. Die Welt um sie herum war wie eine grüne Höhle, die nur widerwillig Licht in sich aufnahm.

    Es roch nach frischem Gras, Flusswasser und Erde. Der Duft unzähliger Blüten schwängerte die Waldluft und schien allgegenwärtig zu sein.

    Besorgt blickte die Elfe auf die strahlend weiße Daune in ihrer Hand. Sie war so weich und flauschig, ihre Farbe so rein.

    Was war da eben geschehen?

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  • Im Kreuzfeuer #24: Todesschreie

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Durch einen Gang, der viele Abzweigungen hatte, gelangte Tanya in eine Art Forschungs- oder Krankenstation. Da! Wieder ein Schrei in der Ferne! Eine schwere Metalltür versperrte ihr halb den Weg. Ohne auch nur anzuhalten, schlüpfte sie durch die stark zerstörte Tür. Immer öfter und stetig qualvoller drangen die Schreie an ihr Ohr. Das waren keine Verwundeten. Es waren Sterbende, die Todesschreie ausstießen.

    Irgendwer tötete die Überlebenden auf diesem Schiff, oder schlimmer: irgendetwas? Wer weiß schon, was für Kreaturen aus dem Dschungel in das Raumschiff eingedrungen waren?

    Neben Tanya öffnete sich zischend eine automatische Tür. Sie erschrak und wirbelte herum. Der Raum, der sich vor aufgetan hatte, war völlig verqualmt. Waren die Schreie aus dieser Richtung gekommen?

    „Hallo?“, rief Tanya und zückte die Laserpistole. „Jemand da?

    Niemand gab ihr eine Antwort.

    Sie fluchte und tauchte geduckt in den Qualm ein, sich Mund und Nase mit ihrem Hemd bedeckend.

    Ende@Kapitel2: Eisernes Wrack

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  • Im Kreuzfeuer #23: Schon verdammt lange her

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Sofort gab Tanya die Zeichenkombination in das System ein. Doch unter den Personalnummern, wie sie gehofft hatte, fand sich nichts. Stattdessen wurde die Profilakte einer Straftäterin angezeigt, die genauso unzugänglich war wie alle anderen auch. Immerhin zwei freizugängliche Informationen erhielt sie dennoch. Ein Passfoto und einen Nachnamen. Demnach hieß sie offenbar Dallas. Tanya Dallas. Auf dem Foto sah sie eine junge Frau mit schwarzem schulterlangem Haar, die sie entschlossen, aber freundlich anblickte. Es war keines dieser typischen Sträflingsfotos.

    Das also bin ich, dachte Tanya. War sie wirklich noch so jung? Sie setzte die Schirmmütze ab und fuhr sich mit der Hand über den Schädel, fühlte die Haarstoppel. Lange her, sagte ein Gefühl in ihr. Schon verdammt lange her, dass du so geschaut hast wie auf dem Foto.

    Ein langgestreckter Schrei, der durch die Gänge hallte, schreckte Tanya aus ihren Ermittlungen auf. Wenn das ein Überlebender war, musste sie ihm helfen, egal ob Strafgefangener oder Besatzung! Jetzt mussten alle zusammenhalten, dachte sie. Hoffentlich sahen die anderen das auch so.

    Tanya setzte ihre Mütze wieder auf und verließ die Brücke durch den Haupteingang, der sich manuell öffnen ließ.

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  • Die Elfe und der Krieger #23: Vision

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    2

    Das Wirbeln und Trudeln von Schatten und Lichtern vermischte sich vor ihrem inneren Auge zu einem heillosen Durcheinander. In der endlosen Leere ihres Traumes schien der Herzschlag in ihren Ohren das einzige Geräusch zu sein, das existierte. Alles um sie herum wirkte verlassen und verloren. Wie eine Nichtwelt. Und doch beschäftigte etwas ihren Geist. Es war ihr nicht möglich sich abzuwenden, obschon sie es instinktiv wünschte. Es zwang sie hinzusehen.

    Vorsichtig blinzelte Valshiëlle in die Leere, in der sich Bilder aus Nebel formten. Graue Schwaden umkreisten die viel zu großen Stiefel eines Jungen, dessen Augen schwärzer waren als die wandernden Schatten, als das Nichts, das die Welt um Valshiëlle herum bildete. Der Elfe schien es, als wären dort, wo eigentlich die Augen des Jungen sein sollten, abgrundtiefe Löcher im Sein, Kreise aus Nichts. Sein Gesicht, umrahmt von blondem Haar, war gänzlich ausdruckslos. Der Kopf hing schräg im Nacken, seine Arme baumelten herab und der nackte Oberkörper neigte sich nach hinten. Lediglich seine Bauchmuskeln hinderten ihn daran, hintenüber zu kippen.

    Unverhohlen starrte der Junge sie an und obwohl in seinen Augen nichts existierte, was für sie bewusst erkennbar war, so strahlten sie doch eine übermenschliche Qual aus. Ein Leiden, das sie nicht in Worte fassen konnte, eines, das jeden Menschen zerbrechen musste.

    Was verbarg sich in diesem Bild? Wie sollte die Elfe es verstehen? Warum sah ausgerechnet sie so etwas in ihren Träumen?

    Eine Stimme, die Valshiëlle vertraut war, sickerte in das rhythmische allgegenwärtige Pochen ihres Pulses, etwas Weißes wischte durch ihre Sicht, Wasser plätscherte plötzlich von weither.

    „Valshiëlle?“, hörte sie. „Was ist? Sprich!“

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  • Die Elfe und der Krieger #22: Stich ins Herz

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    „Begleitest du mich, Lysha?“, fragte Jasper, nachdem er auf sein Pferd gesprungen war, und bot ihr seine Hand zum Aufsteigen an.

    Lyshas Augen wurden groß. „Äh… ich weiß nicht.“ Sie blickte vorsichtig zu ihrem Lehrmeister. „Ich würde ja gerne.“

    „Geh auch du nur!“, lachte Finnigan. „Na los, haut schon ab, ihr beiden! Wenn das Leben ruft, muss die Dichtkunst warten, nicht wahr? So habe ich es jedenfalls immer gehandhabt. Und außerdem ist heute Mittsommerfest! Da gibt es noch einiges vorzubereiten, bei dem ihr jungen Leute mit anpacken könnt. Die Birkensunder werden es euch gewiss vergelten, wenn ihr euch nützlich macht. Vergiss du nur nicht, Lysha, dass du heute Abend vor versammelter Festgemeinschaft singen wirst.“

    Lysha vertrieb die unangenehme Vorstellung, vor all den Leuten auf dem Mittsommerfest, Bekannten wie Unbekannten, zu singen. „Ja, ja, vergesse ich schon nicht, versprochen!“, rief sie und umarmte Finnigan zum Abschied. „Habt Dank, dass Ihr mich freistellt, Meister Finnigan!“, flüsterte sie. „Das ist keine Selbstverständlichkeit für mich.“

    Finnigan nickte. Er wusste nur zu gut, dass es in Lyshas Fall nicht der Meister, sondern die Schülerin selbst war, die, was ihre Gesangskunst anbelangte, äußerst streng mit sich ins Gericht ging. Und darum wusste er auch, dass es nur angebracht wäre, wenn ebendiese Schülerin sich vor ihrem ersten großen Auftritt ein wenig ablenken dürfte.

    „Rauf mit dir aufs Pferd oder ich muss mir es doch noch anders überlegen“, sagte Finnigan im Tonfall der Beiläufigkeit und begann, eine flotte Melodie auf der Laute zu spielen. „Und spar dir das Meister! Habe ich nicht oft genug gesagt, Finn reicht?“

    Aber da hörte die Schülerin ihrem Lehrmeister schon nicht mehr zu. Sie hatte die dargebotene Hand ergriffen und schwang sich aufs Pferd.

    „Auf geht’s!“, rief Jasper und Jeliéthiel preschte los.

    Hastig schlang Lysha ihre Arme um Jasper, weil sie fürchtete, sonst vom Pferd zu fallen. Sie konnte es kaum fassen, dass er nach all den Jahren wieder da war und dass sie mit ihm hinab nach Birkensund ritt, wo heute Nacht die Gemeinden aller umliegenden Dörfer das Mittsommerfest begehen würden.

    Vergessen war, welch einen Stich ins Herz ihr das plötzliche Wiedersehen verpasst hatte.

    Kapitel2@Ende

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