Kategorie: Geschichten

  • Die Elfe und der Krieger #19: Fragen über Fragen

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    „Es ist ewig her, Lysha!“, begann Jasper, als er sie auf Armeslänge von sich forthielt, um sie besser begutachten zu können „Aber ich erinnere mich noch sehr gut an dich.“ Er wuschelte ihr blondes Haar. „Du warst noch ein kleines Mädchen, als wir uns zuletzt gesehen haben!“

    „So klein nun auch wieder nicht!“, korrigierte Lysha ihn und schob seine Hand, die ihre Frisur ruinierte, beiseite. „Inzwischen bin ich schon zweimal erwachsen! Fünfzehn Sommer und sechszehn Winter, um genau zu sein!“ Und dann erklärte sie altklug: „Andere Frauen sind jetzt schon lange verheiratet, weißt du…“

    Jasper hob die Augenbrauen. „Ähm… ja… klar.“

    „Und du bist jetzt… lass mich mal rechnen… neunzehn Sommer und Winter alt, oder irre ich mich?“

    „Nein, da liegst genau richtig… Hör mal, Lysha, es war schön, dich wiederzusehen. Aber ich will weiter nach Birkensund. Wir sehen uns bestimmt auf dem Mittsommerfest heute Abend…“

    Jasper war schon drauf und dran, in den Sattel zu steigen, da hielt Lysha ihn mit beiden Händen am Handgelenk fest. „Wo bist du die ganze Zeit gewesen?“, rief sie. „Was hast du gemacht? Wie ist es dir ergangen?“ Lyshas Wangen leuchteten vor Aufregung. „Du musst mir alles ganz genau erzählen!“

    Jasper, den die vielen Fragen überwältigten, seufzte. Aber dann lachte er leise in sich hinein. „Also gut“, fing er geduldig zu erklären an. „Ich komme aus Castella. Dort lebe ich am Hof von Herzog Benninger. Er und einige seiner Untergebenen unterrichten dort junge Leute im Schwertkampf, Lanzenreiten und im Umgang mit schweren Langwaffen. Wer sich bewährt, den nimmt der Herzog mit zu einem Anwesen, etwas abseits der Burgstadt. Dort ist seine persönliche Ausbildungsstätte für Kämpfer. Der Herzog meint, das Land habe immer Bedarf an Kämpfern.“

    „Und gefällt es dir dort?“, fragte Lysha. Sie war hellauf begeistert von seiner Erzählung. Auf den Gedanken, Jaspers Handgelenk wieder loszulassen, kam sie darum gar nicht erst. Sie hielt ihn fest, so wie er das Pferd bei den Zügeln hielt.

    „Es ist hart und anstrengend“, beantwortete er ihre Frage offen und ehrlich, während er versuchte, sich von ihrem Griff zu befreien, ohne unhöflich oder gar grob zu werden. Das stellte sich als recht schwierig heraus, da er die Zügel nicht loslassen wollte. „Aber ich bin sehr gerne dort. Ich will unbedingt ein Krieger werden!“

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  • Die Elfe und der Krieger #18: Jasper aus Birkensund

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    In ledernen Reiterhandschuhen steckten, wie sie zu erkennen glaubte, schlanke, aber starke Finger, die über die Flanke eines zufrieden schnaubenden Pferdes strichen. Er hielt das Pferd fest bei den Zügeln und musterte sie aus braunen Augen. Die länglichen Muskeln seiner unbekleideten Arme spannten sich ruckartig und erschlafften, während das Pferd unruhig an den Zügeln zerrte und mit den Hufen stampfte. Er baute sich vor ihr auf und sprach mit fester einschüchternder Stimme:

    „Seid gegrüßt! Ich bin Jasper aus Birkensund, und wer seid Ihr? Ich kenne Euch nicht. Seid so gut, nennt mir Euren Namen und Euer Begehr!“

    Lysha war nicht imstande zu antworten. Allein seine Gegenwart fesselte all ihre Sinne. Wie hatte er sich doch verändert! So förmlich!

    Der Reiter war hochgewachsen und von schlanker, muskulöser Statur. Trotz seiner stolzen Haltung hatte er ein freundliches Lächeln auf den Lippen, das sich in seinen Augen widerspiegelte. Seine Züge waren jung und wild wie das Pferd, das er ritt. Ungeniert fuhr er sich mit den staubigen Handschuhen durch sein dunkelbraunes, kurzgeschnittenes Haar. Einige Strähnen wippten leicht vor seinen dunklen Augen. An seinem Gesicht klebten der Schmutz und der Staub einer langen Reise und er roch nach Pferd. Auch seine Kleidung, die aus einer weiten braunen Hose und einem festgezurrten Lederharnisch bestand, wirkte blass von dem Staub, der sich auf ihr abgelegt hatte. Ein dunkelblaues Hemd, dessen Ärmel abgerissen waren, lugte an seinen Schultern unter dem Leder seiner Rüstung hervor.

    „Jasper?“, wiederholte Lysha seinen Namen leise und rief dann vor Freude laut: „Dann bist du es also wirklich!“

    Jasper lächelte verwirrt. „Kenne ich dich…?“

    „Ich bin es, Lysha!“

    „Lysha… Moment, dann bist du gar kein Knabe?“

    Lysha wäre beinahe die Kinnlade heruntergefallen. „Wieso denn Knabe?!“, rief sie und fühlte einen Stich in ihrem Herzen.

    Jasper wurde rot und winkte hastig ab. „Nein, nein, da habe ich mich wohl verguckt! Du bist Lysha! Die kleine Lysha vom Andersee…“

    Die junge Bardin ignorierte unangenehme Gefühl, das seine Erwiderungen zurückließen, und fiel ihm in die Arme. Verdutzt über die plötzliche Vertrautheit drückte er sie zögerlich an sich, nachdem er die Handschuhe abgestreift und hinter seinen Gürtel geschoben hatte.

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  • Im Kreuzfeuer #19: Labyrinth

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Während ihres Abstiegs musste Tanya zu ihrem Verdruss feststellen, dass sämtliche Deckeingänge, die sie fortan passierte, verschlossen waren. Doch wieder hinaufzusteigen, wäre sinnlos gewesen. Sie musste weiter, selbst wenn es ewig dauern würde, bis sie den Schacht wieder verlassen konnte. Diese Möglichkeit bestand, dämmerte ihr, weil gewisse Raumschifftypen gigantische Ausmaße annehmen konnten. Tanya leitete diese Überlegung von dem ab, was sie bisher von diesem Raumschiff gesehen hatte. Schon als sie aus ihrer Kammer hinaus auf den Planeten geblickt hatte, war ihr das Wrack wie ein Koloss vorgekommen. Sehr wahrscheinlich handelte es sich um ein Kolonisierungsschiff. Das waren quasi durch das All schwebende Städte. Ohne funktionierenden Hochgeschwindigkeitslift würde sie noch stundenlang weiterklettern müssen, wenn nicht sogar den ganzen Rest des Tages.

    Tanya blieb nichts anderes übrig. Also kletterte sie weiter abwärts und nach einiger Zeit, als ihre Beine schon schwer wurden und ihre Hände schwitzig, kam sie in regelmäßigen Abständen an Gittern vorbei, die in kleine Nebenschächte führten. Bei einem hielt sie zuletzt an und entschied sich für eine Abkürzung. Das Schutzgitter ließ sich leicht entfernen, wenn man die Laserpistole einsetzte, um die Bolzen, die es in der Wand hielten, zu schmelzen. Kurz darauf stürzte das Gitter in den Fahrstuhlschacht hinab. Geschmeidig wie eine Katze schlüpfte Tanya in die quadratische Öffnung in der Wand. Einem Moment genoss sie es, einfach nur dazuliegen und sich auszuruhen. Dann robbte sie tiefer in den Schacht hinein.

    Aufgrund eines sanften Gegenwinds erklärte Tanya die enge Röhre zu einem Belüftungsschacht. Auch hier krabbelte und krabbelte sie, zwängte sich um Ecken und rutschte kopfüber in tieferliegende Schächte, ohne irgendwo anzukommen. Obendrauf wurde die Luft immer stickiger. Sie bezweifelte schon, je wieder aus diesem Labyrinth herauszufinden.

    Plötzlich gab der Boden unter ihr nach und der gesamte Schacht brach nach unten hin weg. Scheppernd schlug der Metalltunnel auf ein Hindernis und blieb schief hängen, sodass Tanya bäuchlings in einen großen Raum schlitterte.

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  • Im Kreuzfeuer #18: Amnesie

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Tanya setzte wieder die Füße auf die Leiter, hakte ihren Arm an der Ellbogenbeuge unter eine Sprosse und versuchte zu verschnaufen. Dann setzte sie den Abstieg mit schmerzendem Rücken fort.

    Erst nach einer halben Ewigkeit erreichte sie eine Automatiktür, die nicht verriegelt war, sondern wenigstens einen Spalt breit offenstand. Sie zwängte sich hindurch und fiel entkräftet auf die Knie. Sie atmete tief durch und blickte auf. Offenbar befand sie sich auf dem Deck mit der Sicherheitsabteilung. Hier war trotz des Absturzes noch vieles in Takt und Tanya konnte sich fast frei bewegen. Träge vom Schmerz, der seltsamerweise schon wieder nachließ, wankte sich die erschöpfte Frau zu einem Kontrollpult in einem der Sicherheitsräume und lehnte sich dagegen.

    Auf dem Stuhl neben ihr saß reglos ein toter Wachmann. Sie ignorierte seine Blicke und tastete vorsichtig ihren Rücken ab. Der Overall war aufgeschlitzt. Ihrem Rücken erging es aber besser. Soweit sie es erkennen konnte, verliefen lediglich zwei lange, rote Striemen darüber, die nur leicht bluteten. Sie war erleichtert, hatte aber auch das Gefühl, dass der Schmerz sich nach einer sehr viel schlimmeren Verletzung angefühlt hatte. Vielleicht war das nur der Schock gewesen.

    Rasch öffnete Tanya den Reißverschluss, der aus demselben Stoff war wie der restliche Overall, nur fester, und zog ihn behutsam bis zur Taille herab. Dort verknotete sie die Ärmel, damit der Anzug nicht unversehens herabrutschte. In einem Metallschrank in einer Umkleidekabine fand sie ein graues Unterhemd, das sie direkt überwarf und dessen fremder Schweißgeruch ein Gefühl von Verlorenheit in ihr weckte.

    Unter dem Overall hatte sie offenbar nichts weiter angehabt. Tanya hatte keinen blassen Schimmer, wann sie dieses Ding überhaupt angezogen und was sie dazu bewegt hatte. War sie eine Technikerin? Das fragte sie sich im Stillen, während sie den Saum des viel zu großen Unterhemds in den Overall stopfte. Dann fragte sie sich, warum sie sich so etwas fragte. Und ihr fiel auf, dass sie im Grunde keine Ahnung hatte, wer sie war und was sie hier machte.

    Wenn sie eine Technikerin war, wieso hatte der Overall dann so seltsame verschlussartige Öffnungen entlang ihrer Wirbelsäule? War das etwa ein medizinisches Kleidungsstück und sie eine Patientin? Das würde wenigstens ihre Amnesie erklären. Irgendwoher kannte sie diese Öffnungen. Waren sie Öffnungen für eine Maschine? Sie kam einfach nicht darauf. Also verwarf sie den Gedanken und setzte sich eine Schirmmütze auf, die sie gefunden hatte.

    Nachdem Tanya das Sicherheitsdeck abgesucht hatte und dabei einen Rucksack, Energiezellen für ihre Laserpistole und Notfallrationen aufgetan hatte, wusste sie, dass sie hier nichts mehr finden würde, was sie gebrauchen konnte. Schon gar nicht Informationen über den Planeten, auf dem sie abgestürzt war, oder Hinweise auf ihre Vergangenheit. Sämtliche Konsolen auf diesem Deck waren durchgebrannt. Es war ihr nicht einmal möglich zu einem anderen Fahrstuhl zu gelangen.

    Also begab sie sich kurzerhand wieder in den ihr schon bekannten Schacht und stieg weiter hinab.

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  • Im Kreuzfeuer #17: Todesfalle

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Tanya erzitterte unter dem ohrenbetäubenden Lärm, der losbrach. Unaufhaltsam kam der Fahrstuhl auf sie zugerast und riss alles mit sich, was ihm im Weg war. Die Frau blickte sich hastig um. Aber kein Fluchtweg schien aus dieser misslichen Lage herauszuführen. Schon prasselten weitere Metallteile auf sie herab. Ein schweres Rohr traf sie am Bein und stieß es von der Sprosse. Sie verlor den Halt und stürzte den Schacht hinunter. Nach ein paar Metern konnte sie sich wieder an der Leiter festklammern, sodass sie mit ihrem Körper hart dagegen schlug. Sofort rutschte sie wieder mit einer Hand ab und baumelte einhändig über dem Abgrund.

    Der Fahrstuhl schmetterte heran und war nur noch wenige Meter entfernt. Tanya sah sich schon tot unter Trümmern liegen. Da griff sie mit der freien Hand nach einer Sprosse. Blitzschnell fand sie wieder Halt und presste sich so dicht an die Wartungsleiter wie möglich. Es war ihre einzige Chance. Denn die Leiter verlief in einer flachen Rinne, damit der Fahrstuhl ungehindert den Schacht hinabgleiten konnte. Tanya hoffte inständig, dass auch für sie noch genug Platz in dieser Ausbuchtung war, wenn sie sich nur fest genug in sie hineindrückte.

    Als der Fahrstuhl tosend an ihr vorüberrauschte, erzitterte der Schacht wie von einem Erdbeben. Etwas traf sie hart am Rücken, so hart, dass es sie von den Füßen stieß und sie nur noch an den Händen an der Leiter hing. Ein brennender Schmerz durchzuckte ihren Rücken. Kraftlos hing sie an der Leiter und drohte abzurutschen, derweil der Fahrstuhl in der bodenlosen Tiefe verschwunden war. Erst nach einer ganzen Weile drang ein fürchterlicher Lärm zu ihr herauf, samt einer Hitzewelle, die von einer Explosion herrühren musste.

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