Im Kreuzfeuer #15: Gefühlskälte

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Überall hingen Kabel von der Decke herab und Trümmer versperrten den Weg. Seitlich neben der Tür ihrer Kammer blinkte etwas. Eine digitale Anzeige, die defekt war und flackerte. Darauf waren Zeichen zu sehen, die ihr vertraut waren, aber die sie trotzdem nicht verstand. Doch wurde ihr wenigstens klar, dass die Stromaggregate noch immer funktionierten.

Sehr vorsichtig, weil sie barfüßig war, aber dennoch flink und geschickt, bewegte Tanya sich durch die Trümmer, ohne sich zu verletzen. Sie musste über einen verkohlten Körper hinwegsteigen. Es war nicht mehr zu erkennen, ob es eine Frau oder ein Mann war. Tanya erschrak nicht. Sie wusste nicht, warum das so war, und eigentlich dachte sie auch nicht weiter darüber nach, aber der Anblick eines Toten schien für sie nicht ungewohnt.

Von dem Gang zweigten noch weitere Räume ab. Die Menschen darin waren alle umgekommen. Sie trugen alle Overalls wie Tanya. Aus einer eingestürzten Tür hing ein toter Mann mit leerem Blick. Sie wandte sich ab und ging weiter. Einem schmächtigen Körper in einer grauen Uniform nahm sie die Schuhe ab – Stiefel, die einigermaßen passten. Dabei fragte sie sich, warum sie noch lebte. Sie fand keine Antwort. Dann nahm sie es als gegeben hin.

Der Gang machte eine Biegung und wieder eröffnete sich Tanya ein Bild des Grauens. Von Trümmern erschlagene Menschen lagen in geronnenem Blut. Ungerührt bahnte die Frau sich einen Weg hindurch. Am Ende des Ganges kletterte sie, ohne lange zu überlegen, einen Fahrstuhlschacht hinab. Dank einer Wartungsleiter war das nicht schwierig. Bis Tanya das nächste Stockwerk erreichte, waren es gut zwanzig bis dreißig Meter. Sie stellte fest, dass sie wendig, flink und voller Kraft war. Das erfüllte sie mit Zufriedenheit und sie machte sich keine weiteren Gedanken darüber. Es schien ihr nur richtig und natürlich.

In dem Stockwerk, das sich nun vor ihr auftat, gab es kein Durchkommen. Der Gang war eingestürzt. Links führte eine Tür in einen Wartungsraum. Darin fand sie die Leichen zweier Wachleute vor. Weiter hinten lagen noch mehr Tote. Sie trugen allesamt blau-gelbe Overalls. Offenbar hatte man sie erschossen, sodass sie an Ort und Stelle übereinander gefallen waren und einen Haufen bildeten.

Tanya registrierte, was hier geschehen war, doch empfand nichts dabei. Stattdessen folgte sie den Eingebungen ihrer Intuition und bemächtigte sich einer Laserwaffe, die sie bei einem der Soldaten fand und die nach wie vor funktionierte. Dann machte sie sich daran, den Fahrstuhlschacht weiter hinabzusteigen.

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