Inhaltshinweise zu dieser Geschichte
Blut spritzte in Jannas Augen. Nahm ihr Sicht und Orientierung. Sie fiel samt Fahrrad zur Seite um. Wischte mit den Fingern das Rot aus ihren Augen. Es brannte. Klebte. Mischte sich mit dem Sand in ihrem Gesicht, auf das sie geknallt war. Zu spät hatte sie den Lenker losgelassen, an den sie sich im Fallen erst noch fester gekrallt hatte. Sie war benommen, hatte eine ihrer Kontaktlinsen verloren, zwinkerte, tastete mit der anderen Hand ziellos umher, fühlte den körnigen Sand und den nassen Rasen am Wegesrand.
Über ihr schrie Eike kurz auf. Dann vernahm sie das Knacken und Reißen von Fleisch und Knorpel, die durchtrennt wurden, eines Kehlkopfes, der herausgebissen wurde. Röcheln, gurgelndes Ersticken. Janna sah mit zusammengekniffenen Augen, halb verschwommen, dass der Student zitternd in den Armen der Wasserfrau hing. Sah wie die Frau, nachdem sie seinen Kehlkopf schmatzend hinuntergeschluckt hatte, ihre Zunge in die klaffende Halswunde steckte. Ein schlangenförmiger Muskel war das, der sich zum Ende hin verjüngte und das Blut wie ein Schwamm aufsog, übernatürlich lang und dick wie ein Unterarm. Die Alte musste ihren Schlund weit aufreißen, um dem Muskel den Spielraum zu geben, den er brauchte. Ein Pulsieren wanderte über die dunkelrote Haut der Zunge, als stellten sich Tausende von winzigen erregten Nadeln in einer Wellenbewegung nacheinander auf.
Abermals trafen sich Eikes und Jannas Blick.
Die Studentin glaubte, sämtliche Regung aus dem Gesicht des Mannes, alles Fühlen und Denken aus seinen Augen entweichen zu sehen, bis sie starr und leer wurden. Leblos fiel sein Kopf in den Nacken.
Im Sterben hatte Eike die Malerin lange angesehen, ein fast schreiender Blick, der, weil er stumm geblieben war, sich tief in Jannas Gedächtnis eingrub.
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Nyneve, oder: Die verborgene Wildnis


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