Schlagwort: Dark Fantasy

  • Die Elfe und der Krieger #27: Zwietracht

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Calions Blick verfinsterte sich. „Höre ich da den Trotz und die Naivität einer zu jungen Elfe oder ist es vielmehr die eines Menschen?“

    Innerlich fuhr Valshiëlle zusammen, den vorletzten Satz hätte sie nicht erwartet. „Was soll das denn heißen?“, blaffte sie ihn an.

    „Der Umgang mit ihnen bekommt dir nicht.“

    „Ach, ist das so?“

    „Ich sorge mich doch nur als Freund um dich. Kein Grund also, so aus der Haut zu fahren“, erklärte Calion beschwichtigend. „Ich kann deine Begeisterung für sie dennoch nicht teilen. Sie hasten durch ihr Leben und sind stets bestrebt, es auf das Wesentliche zurichten, aber am Ende verpassen sie es bei all ihrem Eifer.“

    Der Elfe wäre beinahe der Stab aus der Hand gefallen, so sehr bestürzten sie die Worte ihres Gegenübers.

    „Ja, aber…“, begann sie und spürte, sie müsse die Position der Verteidigung einnehmen, um Calion eines Besseren zu belehren, „…aber die Menschen, mit denen die wenigen Elfen in diesem Wald zusammenleben, sind ehrbare Geschöpfe. Sie leben von der Jagd und dem Handel mit anderen Dörfern ihres Volkes!“

    Calion stützte sich auf seinen Stab und spähte in den Wald, zwischen die dicht beieinanderstehenden uralten Baumsäulen und Lianen, wo die ersten Feenlichter den nahenden Abend ankündigten.

    „Ich verstehe ja, dass du neugierig bist, Val, doch möchte ich dich bitten, wenigstens vorsichtig zu sein.“

    Während der Elf so auf seinem reich verzierten Stab gestützt dastand, hätte man glauben können, dass er versuche, etwas in dem Dickicht zu entlarven. Valshiëlle wollte schon seinem durchdringenden Blick mit den Augen folgen, als er plötzlich eben diesen auf sie lenkte.

    „Zwietracht ist schnell gesät.“

    Trotzig verschränkte Valshiëlle die Arme und drehte den Kopf weg, damit sie seinem Blick nicht begegnen musste. „Es ist lange her, seitdem die Elfen diesen Wald betraten und ihn Dell’Analiel nannten, doch von Beginn an verstanden sie sich mit den Menschen.“

    „Erzählen das die Menschen oder die Elfen?“, wollte Calion wissen. „Oder wünschst du dir, dass es so gewesen wäre?“

    Kategorien: , ,

    Veröffenlicht von

    am

    Zuletzt geändert am:

  • Die Elfe und der Krieger #26: Wozu das alles?!

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Calion packte den Kampfstab fester, jetzt mit beiden Händen, und sprang von Felsen zu Felsen, um zu Valshiëlle zu gelangen, die ihrerseits auf einem Gesteinsbrocken im Flussbett stand. Sein Stab machte ein dumpfes Geräusch, als er sich auf ihn stützte und sich vornüberbeugte.

    „Nun, was ist? Sag schon!“ Calions Stimme klang sanft, aber bestimmend. Als er sie bat, sich ihm anzuvertrauen, legte er Kopf schief und lächelte freundlich.

    Spitze Ohren lugten aus seinen hellen, platin-farbenen Haaren, die seiden und glatt auf seine Schultern herabhingen. Kleine hölzerne Perlen waren zusammen mit einer bunten Vogelfeder in sein Haar eingeflochten und bildeten den einzigen Schmuck, den der Mann an seinem Körper trug. 

    Das Grün seiner Augen stach hervor, da seine Haut wie bei vielen Elfen aus den Silberwäldern eher von blasser Farbe war. Er trug ein ärmelloses, grünes Hemd, dessen V-Ausschnitt mit einigen Kordeln zugeschnürt war. Es reichte weit bis über seine Hüfte und war dort mit einem schlichten Gürtel zusammengebunden. Seine Beinkleider waren aus braunen Stoff und endeten in weichen Stiefeln, die nur an seinen Füßen blieben, weil er sie mit jeweils zwei dunklen Bändern an seinen Waden festgezurrt hatte. Seine nackten Arme sowie auch der Rest seines Körpers wirkten schlank und kräftig zugleich, was in der Natur der Elfen aus den Silberwäldern lag, deren Dasein die Jagd und das Leben in der Wildnis bestimmten. Obwohl Valshiëlle wusste, dass Calion bereits viele Jahrzehnte länger als sie auf dieser Welt verweilte, sprühten seine Augen noch immer vor jugendlicher Kraft. Auch seine Züge wirkten frisch, er sah kein Jahr älter aus als die Elfe.

    „Hey Val, du träumst schon wieder! Was ist los?“

    „Nichts“, erklärte die Elfe endlich, lächelte und hob, nachdem sie die Daune weggesteckt hatte, ihren Kampfstab auf. „Nichts ist mit mir.“

    Valshiëlle strich über das glatt geschnitzte Holz des Kampfstabs und fühlte die triefende Nässe, die es in sich aufgenommen hatte, während es im Wasser gelegen hatte. Einige Wassertropfen liefen den Stab hinab und kletterten über ihre schmalen Finger. Sie kitzelten und waren kühl.

    Die Elfe fasste Calion, der sie missmutig musterte, bei der Schulter. „Es ist nichts, Cal! Sorg dich nicht um mich, mir geht es gut. Ich war nur in Gedanken.“

    Calion legte seine Hand auf die ihre. „Also gut. Aber konzentriere dich das nächste Mal besser auf deine Aufgabe, sonst wirst du den Stabkampf niemals erlernen. Lass uns noch einmal von vorne beginnen und versuche den Stab diesmal nicht zu verlieren.“

    Der Elf zwinkerte ihr zu, als wäre der letzte Satz zur Hälfte scherzhaft gemeint. Dann jedoch bemerkte er den seltsamen Glanz in Valshiëlles Augen und richtete sich kerzengerade auf. Sie schien abermals weit fort in ihrer eigenen Welt zu sein. Seine Hand schloss sich fester um ihre und führte sie von seiner Schulter fort.

    „Du verschweigst mir etwas.“ Diesmal schwang eine Bestimmtheit in seiner Stimme mit, die keine weiteren Ausflüchte zuließ.

    Valshiëlle befreite sich von seinem Griff und trat einen Schritt von ihm zurück.

    „Und wenn es so wäre, was geht dich das an!“, stellte sie fest. „Ist das alles hier überhaupt nötig? Sieh dir doch die Welt um uns herum an! Sie ist so friedlich und still! Wozu muss ich lernen, mit einer Waffe umzugehen, die ausschließlich für den Kampf geschaffen worden ist und nicht einmal zur Jagd taugt?“

    Kategorien: , ,

    Veröffenlicht von

    am

    Zuletzt geändert am:

  • Die Elfe und der Krieger #25: Kleines Weiß

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    So schnell, wie die Eindrücke auf sie eingeprasselt waren, so schnell entschwanden sie nun auch wieder, als wären sie Erinnerungen an einen Traum aus letzter Nacht. Vermutlich war es nur ihre Fantasie, die ihr wie so oft in letzter Zeit Streiche spielte und sie Dinge sehen ließ, die nicht vorhanden waren.

    Wie gern hätte Valshiëlle alles mit dieser simplen Erklärung abgetan, doch etwas in ihr sträubte sich dagegen und raunte ihr zu, es sei töricht, so etwas zu glauben. Und selbst wenn es wahr wäre, eines bliebe merkwürdig: Bevor die Bilder durch die Wirklichkeit sickerten und dieselbe ersetzten, war stets nur ein einziger Gedanke in ihrem Bewusstsein. Egal, worüber und weshalb er gedacht wurde, es war immer ein beiläufiger Gedanke, der ihr plötzlich keine Ruhe mehr ließ, der sich aufdrängte und sie zwang ihn zu Ende zu führen. So sehr brannte er mit einem Mal auf der Seele. Und schließlich verlor sie sich in den Grübeleien. Vielleicht war es ja doch ihre eigene Schuld, vielleicht sollte sie lernen ihre Fantasie zu zügeln.

    Eines bezog die Elfe jedoch nicht in diese Erklärung mit ein. Dieses zwiespältige Gefühl, das mit den Bildern einherging.

    „Manchmal verstehe ich mich selbst nicht mehr“, flüsterte sie dem Plätschern des Flusses zu. „Was ist nur los mit mir?“

    Wenn ihre Fantasie sie nicht auch nachts verfolgen würde! Wie oft war sie in den letzten Tagen schweißgebadet in ihrem Bett hochgefahren, nur um festzustellen, dass sie geträumt hatte?   

    Seufzend fuhr sich Valshiëlle mit der Hand durch ihr dickes, braunes Haar und schloss die andere zart um die Feder. Dieses kleine Weiß hatte etwas Beruhigendes an sich.

    „Valshiëlle?“, fragte die vertraute Stimme von eben abermals, diesmal eindringlicher. „Ist was mit dir? Du wirkst abwesend!“

    Kategorien: , ,

    Veröffenlicht von

    am

    Zuletzt geändert am:

  • Die Elfe und der Krieger #24: Einer von vielen Tagträumen

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Jetzt wurde das Plätschern laut und klar, die Dunkelheit riss ab, schwemmte mit dem Wasser vor ihren Augen fort. Lichtpunkte spiegelte sich in dem fließendenden Element, Vögel trällerten, ein Wald rauschte. Alles wirkte plötzlich so friedlich. Und verschwunden war das Ahnungsvolle ihres Tagtraumes, vergessen, welch Kummer sie in den Augen des Jungen gespürt hatte.

    Unwillkürlich langte die Elfe ins kalte Wasser und während es zwischen ihren Fingern davon floss, verhakte sich etwas Weißes an ihnen. Behutsam schloss sie ihre Hand darum und fischte eine kleine Daune aus dem kühlen Nass.

    War dies das verwischte Weiß, das sie eben hatte erwachen lassen? Aus diesem Tagtraum, der nur einer von vielen war?

    Valshiëlle richtete sich auf, während ihre klaren, grünen Augen die Umgebung musterten. Die Äste gewaltiger Bäumen ragten über den flachen Fluss, der übersät war mit Gesteinsbrocken und flachen Felsen. Das kräftige Licht der Mittagssonne sickerte durch das Blätterdach und bildete leuchtende Säulen. Die Welt um sie herum war wie eine grüne Höhle, die nur widerwillig Licht in sich aufnahm.

    Es roch nach frischem Gras, Flusswasser und Erde. Der Duft unzähliger Blüten schwängerte die Waldluft und schien allgegenwärtig zu sein.

    Besorgt blickte die Elfe auf die strahlend weiße Daune in ihrer Hand. Sie war so weich und flauschig, ihre Farbe so rein.

    Was war da eben geschehen?

    Kategorien: , ,

    Veröffenlicht von

    am

    Zuletzt geändert am:

  • Die Elfe und der Krieger #23: Vision

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    2

    Das Wirbeln und Trudeln von Schatten und Lichtern vermischte sich vor ihrem inneren Auge zu einem heillosen Durcheinander. In der endlosen Leere ihres Traumes schien der Herzschlag in ihren Ohren das einzige Geräusch zu sein, das existierte. Alles um sie herum wirkte verlassen und verloren. Wie eine Nichtwelt. Und doch beschäftigte etwas ihren Geist. Es war ihr nicht möglich sich abzuwenden, obschon sie es instinktiv wünschte. Es zwang sie hinzusehen.

    Vorsichtig blinzelte Valshiëlle in die Leere, in der sich Bilder aus Nebel formten. Graue Schwaden umkreisten die viel zu großen Stiefel eines Jungen, dessen Augen schwärzer waren als die wandernden Schatten, als das Nichts, das die Welt um Valshiëlle herum bildete. Der Elfe schien es, als wären dort, wo eigentlich die Augen des Jungen sein sollten, abgrundtiefe Löcher im Sein, Kreise aus Nichts. Sein Gesicht, umrahmt von blondem Haar, war gänzlich ausdruckslos. Der Kopf hing schräg im Nacken, seine Arme baumelten herab und der nackte Oberkörper neigte sich nach hinten. Lediglich seine Bauchmuskeln hinderten ihn daran, hintenüber zu kippen.

    Unverhohlen starrte der Junge sie an und obwohl in seinen Augen nichts existierte, was für sie bewusst erkennbar war, so strahlten sie doch eine übermenschliche Qual aus. Ein Leiden, das sie nicht in Worte fassen konnte, eines, das jeden Menschen zerbrechen musste.

    Was verbarg sich in diesem Bild? Wie sollte die Elfe es verstehen? Warum sah ausgerechnet sie so etwas in ihren Träumen?

    Eine Stimme, die Valshiëlle vertraut war, sickerte in das rhythmische allgegenwärtige Pochen ihres Pulses, etwas Weißes wischte durch ihre Sicht, Wasser plätscherte plötzlich von weither.

    „Valshiëlle?“, hörte sie. „Was ist? Sprich!“

    Kategorien: , ,

    Veröffenlicht von

    am

    Zuletzt geändert am: