Verfasst von:

Publiziert in:

Arbeits- oder Hitzejournal am 1. Juli

Nach einem Höchststand von 34° am Wochenende sind es in der Wohnung heute 25°. Schon gestern war die Anzeige im Thermostat auf 27,5° gefallen, um dann im Tagesverlauf wieder auf die 30° zu steigen. Die Arbeitstemperatur in meinem Schreibatelier wird also auch heute wieder ansteigen. Nichts im Vergleich zum Wochenende. Da war es in der unklimatisierten Dachgeschosswohnung nicht mehr auszuhalten. Draußen allerdings auch nicht. Samstagnachmittag glühte Karlsruhe bei 40°. Wieder einmal rettete mich die Kunst.

Wir flüchteten ins Foyer des Zentrum für Kunst und Medien (ZKM), machten einen Abstecher in das Kunstmuseum Karlsruhe, das in der Halle nebenan residiert. Hier fanden wir eine kühle, weil klimatisierte Zuflucht. Oder anders ausgedrückt (und der Dramatik angemessener:) einen Hitzeschutzbunker. Freilich keinen aus Beton, den die Enge regiert, sondern einen weiten und lichten Raum voller Kunst und Kreativität.

Wir waren beileibe nicht die einzigen, die es hierher verschlagen hatte. Da waren ebenso Eltern mit ihren Kindern und Studierendengrüppchen mit Notebooks wie Alte mit Rollator und viele andere, deren Wohnung keinen Schutz mehr vor der Hitzebelastung bot. Im Grunde fand eine stille Naturkatastrophe statt, auf die wir nur mäßig vorbereitet sind. Um das zu erkennen, muss man nur in die S-Bahn einsteigen, die einen binnen weniger Haltestellen durchgegart hat. Es ist beunruhigend, dass häufig nicht einmal Krankenhäuser klimatisiert sind. Wer einen Hitzeschlag erleidet, kann nicht unbedingt darauf hoffen, im Krankenhaus Abkühlung zu finden, jedenfalls nicht durch die Raumtemperatur.

Verpflegung hatten wir uns eingepackt. Den Umständen zum Trotz konnten wir es dank eines Bistros um Kaffee und Kuchen erweitern, sodass beinahe Ausflugsstimmung aufkam. Respekt denjenigen, die es auf Hochtouren betrieben und trotz langer Warteschlangen nicht kleinbeigaben. Am Sonntag gab es sogar die Möglichkeit, eine warme Mahlzeit zu sich zu nehmen.

Wem die Zeit zu lang wurde, konnte im Museums-Shop stöbern. Museums-Shops sind die Orte in Museen, die ich seit meiner Kind als gähnend langweilig in Erinnerung habe. Diese Einschätzung trifft oft nicht zu – und schon gar nicht auf den Laden im ZKM, der mich mit seinem vielseitigen Sortiment überrascht hat. Es war ungewöhnlich und doch passend.

Wenn öffentliche Räume, in denen Kunst ausgestellt wird, zu einem Schutzraum für Menschen werden, ist das eine kluge Verwendung von ohnehin bestehenden Ressourcen, aber mehr noch ist es ein vortreffliches Sinnbild für das, was Kunst für die Allgemeinheit und jeden Einzelnen leisten kann.

Ein echter Hitzeschutzbunker dürfte allerdings keine Öffnungszeiten haben. Leider hört die Hitzebelastung abends nicht einfach auf. Eher wird sie noch schlimmer, weil der Körper keine Ruhe finden kann. Blieb uns also keine Wahl, als ins klimatisierte Kino nebendran abzutauchen und sich bis nach Mitternacht Filme anzuschauen. Eine teure Option, die aber Gelegenheit bot, sich ein paar Unterhaltungsfilme anzusehen, die uns sonst entgangen wären.

Im Anschluss dann eine Nachtwanderung durch die aufgewärmte Stadt. In der Wohnung angekommen, zeigte der Thermostat noch immer 30°. Kein Wunder, wenn es draußen kaum kühler war. An Schlafen war eigentlich nicht zu denken. Doch die Erschöpfung tat das ihre und so erwachte man tags darauf verschwitzt und durstig.

Die Absenkung der Temperaturen am Montag kam keinen Tag zu spät. Einen Tag länger und ich wäre womöglich eingegangen…

Zuletzt geändert am:

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert