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Arbeitsjournal am 18. Juni: Lesung auf dem Mondo Grindhouse Festival

Wie die Lesung in Kiel verlaufen ist, hätte ich am liebsten schon am Montag berichtet. Und eigentlich ist das auch der Anspruch, den dieser Weblog an mich stellt. Ich habe mich allerdings noch nicht wieder daran gewöhnt, zwischen Tür und Angel zu schreiben. Und Kiel hat mich ziemlich auf Trab gehalten. Gestern Nacht bin ich schließlich mit zweieinhalbstündiger Verspätung in Karlsruhe eingetroffen und kann den Bericht nun nachholen. Der Großteil derjenigen, die hier mitlesen, weiß es vermutlich schon: Die Premieren-Lesung aus Nyneve, oder: Die verborgene Wildnis ist zu einer bleibenden Erfahrung geworden, die mich in meinem Vorhaben bestärkt, trotz allem weiterzuschreiben.

Als ich gestern Nacht aus dem Zug stieg, war es sehr warm in Karlsruhe, viel wärmer als noch in Kiel, aber nicht, wie ich erwartet hatte, drückend heiß. Auch heute geht es noch. Trotz 35° C. Schauen wir mal, wie es die Tage wird. Was Temperaturen angeht, bleibe ich ein Nordlicht. In Kiel ist das Klima kühler, angenehmer. Wer sich dort in den letzten Tagen zur Nachtstunde draußen aufhielt, durfte sogar frösteln. Diese Vorstellung ist herrlich für jemanden, der konzentriert schreiben will und daher mit tropischen Nächten wenig anfangen kann, zumal in einer Dachgeschosswohnung, die sich tagsüber aufheizt und nachts, da nicht mal ein laues Lüftchen weht, einfach nicht abkühlen will.

Die Lesung am Sonntag war eine zweifache Premiere: zum einen für mich als Person, dessen erste öffentliche Lesung es geworden ist, und zum anderen für die Nyneve, die bis dahin nur einem kleinen Leser*innenkreis aus Freunden und Familie zugänglich gewesen ist. Dafür, dass die Festivalgäste primär zum Filmeschauen gekommen waren und ich zudem ein Unbekannter für sie war, hatten doch einige ihren Weg in die Lesung gefunden. Es war also nicht niemand gekommen, wie grundlos befürchtet.

Nein, ich durfte darüber hinaus sogar einige arglose Besucher*innen der Kinobar mit feinstem Kieler Horror beschallen. Ich warnte denn auch vor: „Es kann Blut sprudeln und eklig werden.“ Genau deswegen waren wohl auch einige da. Sie wollten hören, was für einer andersweltlichen Kreatur die Kunststudentin Janna in Nyneve, oder: Die verborgene Wildnis gegenübersteht, und zwar ausgerechnet im Schrevenpark, einem authentischen Kieler Ort, nicht weit entfernt vom STUDIO Filmtheater und allen Anwesenden bekannt.

Ich hatte gedacht, ich würde sehr nervös sein. Etwas in mir hatte sogar befürchtet, dass ich vor Anspannung atemlos würde und keinen ordentlichen Satz herausbrächte, ja, dass ich womöglich sogar zittern würde, wie vor einigen Wochen bei einer Karate-Prüfung.

Ich war nicht nervös. Nicht angespannt. Schon gar nicht zittrig. Und sämtliche Sätze waren klar und deutlich vorgetragen. Denn mit einem Mal war ich absolut fokussiert und las, als hätte ich nie etwas anderes gemacht. Klar, es war das erste Mal vor Publikum. Man kann immer etwas verbessern. An der Intonation feilen. Die Pausen inszenatorisch geschickter platzieren. Doch wie gut die Lesung gelaufen ist, erstaunt mich noch immer.

Das Gelingen der Lesung ist den Teams vom Mondo Grindhouse Festival und STUDIO Filmtheater mitzuverdanken. Das Drumherum war perfekt organisiert. Ebenso habe ich dem tollen Publikum zu danken, das interessiert zuhörte und sogar Fragen stellte. Es war aufregend, mit den Zuhörenden ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Last but not least: die vielen Freund*innen, die zugegen waren und mich mit ihrer Anwesenheit unterstützten! Danke!

Ich durfte zudem eine Person kennenlernen, die am vorangegangenen Festivaltag aus ihren Werken gelesen hat: skalabyrinth. Wir tauschen uns derzeit via E-Mail übers Schreiben aus. Diesem Schriftverkehr wende ich mich gleich wieder zu, in der Hoffnung, die Antwort heute noch abschicken zu können. Falls mir das noch gelingt, dann wohl erst spätnachts. Ich werde bald zum Karate losmüssen.

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