Die Elfe und der Krieger #4: Gebrochener Stolz

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Das Kleid war zerrissen, ihr Stolz gebrochen. Alles erschien der Frau dumpf. Selbst der Schmerz, der durch ihren Leib flammte. Die Männer bespuckten und beschimpften sie ein letztes Mal, bevor sie hochgerissen und fortgeschafft wurde. Ihre Beine trugen sie nicht mehr. Nur ihr brennender Hass hinderte sie daran, die Besinnung zu verlieren. Er lauerte auf seine Gelegenheit.

*

Der Junge in den viel zu großen Stiefeln schlüpfte zwischen den dichtgedrängten Menschen hindurch. Seine dunklen Augen blickten ungerührt durch die blonden Strähnen, die vor seinem Gesicht wippten. Rufe wurden laut, der Unwillen der Menschen trat zu Tage, Fäuste reckten sich gen Himmel. Gardisten hielten die Meute mit langen Spießen zurück. Ein Pfahl wurde zwischen die Pflastersteine gerammt. Man schaffte Holzscheite herbei und stapelte sie wie für ein Freudenfeuer. Der Junge in der Menge dachte: „Das ist meine Gelegenheit!“, und erleichterte die Umstehenden um die Habseligkeiten an ihrem Gürtel, allem voran um ihre Geldbeutel.

*

Die Männer lachten nicht. Wahrhaftiger Ekel erfüllte sie, als sie die Frau hinter sich her schleiften, sie zum Gehen zwangen, obwohl ihre Beine nachgaben, und sie dann vor sich hertrieben, ihr Tritte versetzten und im Nacken packten, um sie weiter voranzubringen. Eine behaarte Hand quetschte ihr Gesicht, nötigte die Frau, ihren Peiniger anzusehen. „Kannst dich glücklich schätzen, dass wir dich nicht steinigen lassen“, raunte der Kerl. „Elendes Hexenpack!“ Ein bleiches Augenpaar erwiderte den Blick des Mannes, ja erwiderte trotz Blindheit. Die Frau knurrte bloß, im Mund der riesige Knebel, der ihr fast den Kiefer ausrenkte. „Willst du etwa reden?“, höhnte der Stadtgardist. „Kann eine wie du überhaupt reden?“ Als er übermütig den Knebel entfernte, wuchs zu seiner Verblüffung ein widerwärtiges Lächeln in dem Frauengesicht, aus dem Hass und Todesgewissheit sprachen.

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