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    Im Kreuzfeuer #29: Nett geplaudert

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    „Die anderen Überlebenden sind also verrückt geworden.“

    „Ja, bist du denn blöde, Mädel, oder hörst du mir nicht zu? Hast du die Schreie nich gehört?“

    „Hab ich. Sie kommen von oben, wo die Kältekammern gelagert werden. Viele sind… kaputt.“

    „Scheiße ja, die schreien auch. Ich hab’s gesehen. Von weiter oben. Aber die Verrückten brüllen auch rum. Und ich weiß nicht, ob die sich gegenseitig so bestialisch zurichten oder…“

    „Oder was?“

    „Oder irgendwelche Monster.“

    „Wie kommst du darauf?“

    „Na jetzt, wo ich weiß, dass wir auf irgendnem Drecksplaneten fernab gelandet sind, wird’s plausibler. Aber die aufgeschlitzten und ausgeweideten Körper sind auch keine schlechten Hinweise. Wo genau liegt eigentlich der Arsch der Welt, von dem du gesprochen hast?“

    „X-Tarma-12 war unser Zielplanet. Eine Strafkolonie. Das ist irgendwo an der Grenze zum Unbekannten.“

    „Also sind wir wirklich Knastbrüder. Nicht das schlechteste.“

    „Wenn schon, dann Knastschwester in meinem Fall. Wie auch immer, wir sind über die Grenze hinausgeflogen und auf einem unbekannten Planeten gestrandet.“

    Shaggy schnaubte und winkte ab. „Das ändert alles.“

    „Inwiefern?“

    „Weil damit alles egal geworden is. Für mich jedenfalls. Guck mich an! Ich bin ziemlich im Arsch.“

    Shaggy sah an sich herab und Tanya tat es ihm gleich.

    „Dir fehlt ein Arm“, sagte sie. „Aber du scheinst unverletzt zu sein.“

    Shaggy lachte auf. „Ja, darum schnauf ich auch wie eine Wildsau. Irgendwas stimmt nich mit mir. Außerdem is mein linkes Bein taub. Ich kann’s kaum bewegen und brauch nen Krückstock, um laufen zu können.“

    „Was ist passiert?“

    „Ha, wenn ich’s wüsste! War schon so, als ich aufgewacht bin.“

    „Vielleicht eine Nervenschädigung durch das abrupte Aufwachen aus dem Kälteschlaf. Sie müssen gerade versucht haben, dich aufzuwecken, als das Schiff abgestürzt ist. Sicher warst du deshalb in dieser Maschine, die du beschrieben hast. Wir können froh sein, dass wir noch leben.“

    „Ja, richtig toll!“ Shaggys Stimme troff vor Sarkasmus. „Aber wo wir so nett geplaudert ham, könnt ich jetzt endlich mal deine Hilfe gebrauchen.“

    „Also gut. Was soll ich tun?“

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    Im Kreuzfeuer #28: Am Arsch der Welt

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Tanya senkte die Waffe ein Stück. „Du meinst, man hat absichtlich mit unseren Erinnerungen herumgepfuscht?“

    „Von selbst hab ich bestimmt nich vergessen, wer ich bin.“

    „Und wer soll das gemacht haben?“

    „Woher soll ich denn wissen, wer das war?! Die Leute, denen das hier alles gehört, nehm ich an. Irgendein Scheißkonzern! Wird das jetzt’n Verhör? Komm schon, ich bräuchte mal etwas Hilfe.“

    Tanya musterte den Kerl kritisch. „Erst sagst du mir, was hier vorgefallen ist.“ Sie zeigte auf die beiden Toten.

    „Ach, der Typ in der Wand war schon da, als ich hier angekommen bin. Muss irgendwas passiert sein, ein Unfall, der hier alles kaputt gemacht hat.“

    „Wir befinden uns auf einem abgestürzten Raumschiff.“

    „Scheiße… aber wir sind noch im Sonnensystem, oder?“

    „Nein, wir sind am Arsch der Welt. Was ist mit dem anderen passiert?“

    Shaggy kniff die Augen zusammen. „Der hat mich angefallen wie’n Irrer. Ich musste ihm eins überbraten. Rührt sich seitdem nich mehr.“

    „Und wie bist du hierhergekommen?“

    „Also doch ein Verhör, was? Na ja, is nur fair. Seh wohl nich gerade vertrauenserweckend aus, nehm ich an. Und bin wohl auch nich der erste, dem du begegnet bist. Hier laufen einige rum. Aber die ham alle den Verstand verloren. Du bist die erste, die im Kopf noch in Ordnung is – das heißt, wenn du mich nicht abknallen willst.“

    „Nicht, wenn du mir meine Fragen beantwortest.“

    „Du bist knallhart, Mädel, knallhart! Also gut, ich bin in so nem engen Scheißraum aufgewacht, in einer dieser Röhren, die in so’n großes Gerät eingesetzt war, na ja, wie eine Patrone in nem Gewehrlauf eben. Du weißt schon, wie bei diesen Hochgeschwindigkeitsgewehren, nich so Laserkram, wie du inner Hand hast. Also, ich war in diesem Gerät und das befand sich auf der anderen Seite von so ner Panzerglasscheibe. Das hat mein Leben gerettet, denk ich. Drüben hat’s wie wild gebrannt. Bin durch einen Schacht gekrochen, dann durch Gänge gelaufen, keine Ahnung, wie lange. Irgendwann kamen Typen in Gelb-Blau so wie du und ich. Sie schrien wie am Spieß und wollten mich kalt machen. Aber ich hatte Glück! Ich konnte in eine Luke kriechen und sie verschließen. Einer hat trotzdem einen Weg hierher gefunden. Bin mit ihm fertig geworden, wie du siehst. Und nun sitz ich hier und bin fix und fertig… zufrieden?“

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    Die Elfe und der Krieger #29: Deinetwegen, Val

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Valshiëlle räusperte sich. Sie richtete sich auf und schob den Elfen auf Armeslänge von sich. Warum er hier war, wusste sie sehr genau, doch das hatte sie nicht mit ihrer Frage gemeint.

    Vor einigen Tagen war Calion Mondelf auf einem prächtigen Schimmel im Dell’Analiel eingetroffen und hatte den hier ansässigen Waldelfen berichtet, dass er von den nördlichen Wäldern und Steppen komme, aus den Silberwäldern, wo die Sippen der Hochelfen lebten. Von klein auf hatte Valshiëlle ihre Mutter von den fernen Gefilden ihrer Herkunft im Norden erzählen hören und, wie schön es dort gewesen sei. Deshalb war Calion für Valshiëlle sofort jemand Besonderes gewesen, ein Hochelf, der sie über die neuesten Geschehnisse aus ihrer ursprünglichen Heimat aufklären konnte, von der sie so gut wie nichts wusste. Valshiëlle war zu jung gewesen, um sich an ihre Heimat zu erinnern, die ihre Mutter vor langer Zeit verlassen hatte. 

    Da die fernen elfischen Verwandten aus den Silberwäldern diejenigen, die damals fortgegangen waren, nie aus ihrem Herzen ausgeschlossen hatten und sich stets fragten, was aus ihnen geworden war, hatten sie nach all den Jahren schließlich Elfenboten ausgesandt, die Wälder südlich ihrer Heimat auf der Suche nach ihren verlorenen Kindern zu durchstreifen. So war auch Calion Mondelf, ein junger Jäger, ausgezogen und letztendlich Valshiëlle begegnet, nachdem er die verschollen geglaubten Hochelfensippen unter den Waldenelfen wiederentdeckt, die einträchtig mit den Birkensunder Menschen lebten. Gerade weil Valshiëlle und Calion schnell Freunde geworden waren, hätte die Elfe niemals erwartet, dass er so abschätzig über die Menschen denken und reden würde.

    „Ich bin hier“, sagte Calion, „weil die Elfenfürsten des Silberwaldes sich um dich sorgen.“

    Die Elfe schnaubte. „Um mich?“

    „Ich bin deinetwegen hier, Val.“

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    Die Elfe und der Krieger #28: Kinder des Silberwaldes

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Valshiëlles Arme lösten sich ein wenig aus ihrer abweisenden Haltung, ganz so, als wäre sich die Elfe ihrer Position nicht mehr so sicher. Calions Blick mied sie weiterhin.

    „Wie kann man nur so arrogant sein?“, schimpfte sie stattdessen. „Kann man einem Menschen verwehren, dass er nur das Allerwichtigste erleben möchte? Aus der Sicht eines Elfen, einem Wesen, das viele Jahrhunderte leben kann, mag das Leben eines Menschen hastig erscheinen. Aber versucht der Mensch nicht bloß das Beste aus der Zeitspanne zu machen, die er auf dieser Welt verweilen darf? Damit diese kurze Frist irgendeinen Sinn bekommt?“

    Zornig holte Valshiëlle zu einer schwungvollen Geste aus, als sie mit einem Mal auf dem nassen Felsen ausrutschte und den Halt verlor. Sie ruderte mit den Armen, die Welt kippte. Wahrscheinlich wäre sie ins Flussbett gefallen, hätten sie nicht im letzten Moment Calions Arme aufgefangen. Erschrocken raffte sie sich an ihn.

    Seine Hand umfasste ihr Kinn und zwang sie zart, ihm ins Gesicht zusehen. Plötzlich war er ihr so nah, dass ihr die Luft wegblieb.

    „Wenn du zornig bist, wirst du unbedacht“, behauptete er frei heraus. „Achte darauf, wohin du trittst! Auch im Kampf kann dir das nur von Nutzen sein.“

    „Weshalb bist du hier?“, flüsterte sie heiser.

    „Ich bin hier“, erwiderte Calion, „weil ich ausgesandt wurde, um die verlorenen Kinder des Silberwaldes zu finden. Und du bist eines davon, Val.“

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    Die Elfe und der Krieger #27: Zwietracht

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Calions Blick verfinsterte sich. „Höre ich da den Trotz und die Naivität einer zu jungen Elfe oder ist es vielmehr die eines Menschen?“

    Innerlich fuhr Valshiëlle zusammen, den vorletzten Satz hätte sie nicht erwartet. „Was soll das denn heißen?“, blaffte sie ihn an.

    „Der Umgang mit ihnen bekommt dir nicht.“

    „Ach, ist das so?“

    „Ich sorge mich doch nur als Freund um dich. Kein Grund also, so aus der Haut zu fahren“, erklärte Calion beschwichtigend. „Ich kann deine Begeisterung für sie dennoch nicht teilen. Sie hasten durch ihr Leben und sind stets bestrebt, es auf das Wesentliche zurichten, aber am Ende verpassen sie es bei all ihrem Eifer.“

    Der Elfe wäre beinahe der Stab aus der Hand gefallen, so sehr bestürzten sie die Worte ihres Gegenübers.

    „Ja, aber…“, begann sie und spürte, sie müsse die Position der Verteidigung einnehmen, um Calion eines Besseren zu belehren, „…aber die Menschen, mit denen die wenigen Elfen in diesem Wald zusammenleben, sind ehrbare Geschöpfe. Sie leben von der Jagd und dem Handel mit anderen Dörfern ihres Volkes!“

    Calion stützte sich auf seinen Stab und spähte in den Wald, zwischen die dicht beieinanderstehenden uralten Baumsäulen und Lianen, wo die ersten Feenlichter den nahenden Abend ankündigten.

    „Ich verstehe ja, dass du neugierig bist, Val, doch möchte ich dich bitten, wenigstens vorsichtig zu sein.“

    Während der Elf so auf seinem reich verzierten Stab gestützt dastand, hätte man glauben können, dass er versuche, etwas in dem Dickicht zu entlarven. Valshiëlle wollte schon seinem durchdringenden Blick mit den Augen folgen, als er plötzlich eben diesen auf sie lenkte.

    „Zwietracht ist schnell gesät.“

    Trotzig verschränkte Valshiëlle die Arme und drehte den Kopf weg, damit sie seinem Blick nicht begegnen musste. „Es ist lange her, seitdem die Elfen diesen Wald betraten und ihn Dell’Analiel nannten, doch von Beginn an verstanden sie sich mit den Menschen.“

    „Erzählen das die Menschen oder die Elfen?“, wollte Calion wissen. „Oder wünschst du dir, dass es so gewesen wäre?“

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