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    Im Kreuzfeuer #27: Shaggy

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    „Bist du auch ne Verrückte?“, knurrte der Mann fragend.

    Tanya wusste nicht, wie sie reagieren sollte, und schwieg deshalb.

    „Denn wir sind im selben Team, weißt du. Guck hier“ – er zupfte an seinem Anzug – „wir ham denselben Fummel an. Und trotzdem kloppen wir uns die Schädel ein. Sag schon, willst du mich jetzt mit dem Ding da totschießen?“

    Tanya schüttelte den Kopf.

    „Wir sind Gefangene“, sagte sie unvermittelt.

    „Sowas hab ich mir schon gedacht“, antwortete der Kerl nicht ohne Ironie.

    „Wer bist du?“

    Der Mann lachte auf. „Ha! Du wirst denken, ich will dich verscheißern, Mädel, aber ich bin ganz ehrlich zu dir. Denn… ich weiß es nicht. Keine Ahnung, wer ich bin. Seit ich aufgewacht bin, ist mein Kopf ein Haufen Scheiße.“

    „Erinnerst du dich an deinen Namen?“

    „Nicht wirklich! Aber fürs erste fühlt’s sich richtig an, wenn du mich Shaggy nennst.“

    „Shaggy also.“ Sie nickte. „Ich bin Tanya. Und mit meiner Erinnerung stimmt auch etwas nicht.“

    „Du also auch. Na prima!“ Shaggy grinste verbissen. „Und jetzt, wo wir uns vorgestellt ham, wärst du so freundlich, nich mehr dieses verdammte Ding“ – er meinte die Laserpistole – „auf mich zu richten? Immerhin sind wir auf derselben Seite.“

    „Sind wir das?“

    „Ja, Mädel, ja! Aber sicher sind wir das! Denn irgendwer hat uns hier eingefroren und unsere Köpfe kaputtgekriegt. Das is nich nett, weißt du. Und weil der darum unser Feind is, sind wir Freunde. Logisch, oder?“

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    Im Kreuzfeuer #26: Schwitzender Koloss

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Nun selbst panisch eilte Tanya durch die Reihen und suchte einen Ausweg. Da hörte sie nicht weit von ihr ein Stöhnen und bog in einen Nachbargang ein. Dort entdeckte sie eine runde Öffnung im Boden mit einer ausfahrbaren Leiter. Es war eine Luke, wie es sie in allen Gängen mehrfach gab. Aber sie waren bisher alle verschlossen gewesen. Von dort unten drang das Stöhnen zu ihr herauf.

    Ohne lange nachzudenken, stieg Tanya hinab und gelangte abermals in einen Wartungsgang, an dessen Decke und Wänden wie Adern und Nervenbahnen Schläuche, Rohre und Kabel entlangwanderten. Zwischen zwei umgestürzten Kisten saß ein bulliger Mann gegen die Wand gelehnt. Er trug einen blaugelben Anzug wie Tanya. Neben ihm, halb mit der Wand verschmolzen, hing der Körper eines Mannes in einem grauen Overall und mit Schirmmütze. Vor ihm lag mit dem Gesicht nach unten ein langer dürrer Mann auf dem Gitterboden, der auch in Gelb-Blau gekleidet war.

    Noch hatte der schwitzende Koloss sie nicht bemerkt. Er atmete schwer und stöhnte immer wieder auf. Tanya entdeckte, dass dem Mann der rechte Arm fehlte. Doch offenbar nicht, weil er eine schwere Verletzung erlitten hatte. Zumindest nicht in jüngster Zeit. Denn am Schulteransatz entdeckte sie außerdem eine Vorrichtung, an der ein mechanischer Arm befestigt und mit dem Nervensystem verbunden werden konnte. Wenn der Kerl ein Verbrecher war, dann hatte man seinen Arm sehr wahrscheinlich demontiert, bevor man ihn in Kälteschlaf versetzte.

    Mit erhobener Laserpistole näherte Tanya sich.

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    Im Kreuzfeuer #25: Klein und unbedeutend

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    3 – Überlebende

    Waghalsig, so in den Qualm hineinzusteigen. Doch wenn Tanya sich schnell und tiefgebeugt unter den Rauchschwaden hindurchbewegte, ging es! So gelangte sie durch einen Wartungsgang mit Rohren, Kabeln und Schläuchen in eine gigantische Halle, in der eine seltsame Atmosphäre herrschte.

    Vor ihr erstreckten sich in Länge und Höhe so weit, wie das Auge reichte, Reihen von Regalen, in denen menschengroße Glaszylinder senkrecht aufgebahrt waren. Manche leuchteten blau, andere schimmerten grün. In allen aber waren schattenhaft die Gestalten humanoider Wesen zu erkennen.

    In dieses kalte Licht einer kolossalen Anlage, in der sich Tanya klein und unbedeutend vorkam, mischte sich das zuckende Orange der Flammen. Zwischen vielen Regalreihen brannte es und Qualm stieg auf, verschwand in der Dunkelheit über ihr oder wälzte sich träge über den Boden. Irgendeine entzündliche Flüssigkeit hatte Feuer gefangen. Sie wusste nicht, dass es die Kühlflüssigkeit der Kältekammern war. Aber sie sah, während sie durch die endlosen Regalreihen irrte, dass die humanoiden Gestalten in den Glasbehältern Menschen waren.

    Kennnummern über Kennnummern. Es nahm kein Ende. Die Anzeigen der Behälter blinkten wild, viele zeigten gelbe Warndreiecke mit Ausrufezeichen, andere rote mit Totenkopf darin. Trümmerteile, so riesig wie Gebirgsausläufer, hatten sich in den Raum geschoben und das Regalsystem zerrissen. Viele Kammern zeigten Risse im Glas, noch mehr waren zerstört, einige waren ausgebrannt, andere brannten noch immer.

    Unbestimmbare Flüssigkeiten plitschten in langen Fäden herab und bildeten Pfützen, die sämig an den Sohlen klebten. Scherben, Metallschrott und Körper füllten die Gänge. Manche waren dadurch unpassierbar geworden. Von fern drangen Stöhnen und Schreie zu ihr heran, unbestimmbar von woher. Schreckliche Gerüche durchwirkten die Luft, stechende und faulige, die meisten unbeschreiblich. Tanya, die jetzt nicht mehr so ruhig blieb wie zuvor, ahnte, dass es der Geruch des Todes war.

    Trotz allem schienen noch viele Kühlkammern in Takt zu sein. Irgendwie musste sie den Menschen helfen. Doch es war schier unmöglich. Die Größe dieser Anlage überstieg ihre Vorstellungskraft. Sie hatte keine Ahnung, wo sie anfangen sollte und wem zuerst helfen. Von wo wurde all das gesteuert?

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    Die Elfe und der Krieger #26: Wozu das alles?!

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Calion packte den Kampfstab fester, jetzt mit beiden Händen, und sprang von Felsen zu Felsen, um zu Valshiëlle zu gelangen, die ihrerseits auf einem Gesteinsbrocken im Flussbett stand. Sein Stab machte ein dumpfes Geräusch, als er sich auf ihn stützte und sich vornüberbeugte.

    „Nun, was ist? Sag schon!“ Calions Stimme klang sanft, aber bestimmend. Als er sie bat, sich ihm anzuvertrauen, legte er Kopf schief und lächelte freundlich.

    Spitze Ohren lugten aus seinen hellen, platin-farbenen Haaren, die seiden und glatt auf seine Schultern herabhingen. Kleine hölzerne Perlen waren zusammen mit einer bunten Vogelfeder in sein Haar eingeflochten und bildeten den einzigen Schmuck, den der Mann an seinem Körper trug. 

    Das Grün seiner Augen stach hervor, da seine Haut wie bei vielen Elfen aus den Silberwäldern eher von blasser Farbe war. Er trug ein ärmelloses, grünes Hemd, dessen V-Ausschnitt mit einigen Kordeln zugeschnürt war. Es reichte weit bis über seine Hüfte und war dort mit einem schlichten Gürtel zusammengebunden. Seine Beinkleider waren aus braunen Stoff und endeten in weichen Stiefeln, die nur an seinen Füßen blieben, weil er sie mit jeweils zwei dunklen Bändern an seinen Waden festgezurrt hatte. Seine nackten Arme sowie auch der Rest seines Körpers wirkten schlank und kräftig zugleich, was in der Natur der Elfen aus den Silberwäldern lag, deren Dasein die Jagd und das Leben in der Wildnis bestimmten. Obwohl Valshiëlle wusste, dass Calion bereits viele Jahrzehnte länger als sie auf dieser Welt verweilte, sprühten seine Augen noch immer vor jugendlicher Kraft. Auch seine Züge wirkten frisch, er sah kein Jahr älter aus als die Elfe.

    „Hey Val, du träumst schon wieder! Was ist los?“

    „Nichts“, erklärte die Elfe endlich, lächelte und hob, nachdem sie die Daune weggesteckt hatte, ihren Kampfstab auf. „Nichts ist mit mir.“

    Valshiëlle strich über das glatt geschnitzte Holz des Kampfstabs und fühlte die triefende Nässe, die es in sich aufgenommen hatte, während es im Wasser gelegen hatte. Einige Wassertropfen liefen den Stab hinab und kletterten über ihre schmalen Finger. Sie kitzelten und waren kühl.

    Die Elfe fasste Calion, der sie missmutig musterte, bei der Schulter. „Es ist nichts, Cal! Sorg dich nicht um mich, mir geht es gut. Ich war nur in Gedanken.“

    Calion legte seine Hand auf die ihre. „Also gut. Aber konzentriere dich das nächste Mal besser auf deine Aufgabe, sonst wirst du den Stabkampf niemals erlernen. Lass uns noch einmal von vorne beginnen und versuche den Stab diesmal nicht zu verlieren.“

    Der Elf zwinkerte ihr zu, als wäre der letzte Satz zur Hälfte scherzhaft gemeint. Dann jedoch bemerkte er den seltsamen Glanz in Valshiëlles Augen und richtete sich kerzengerade auf. Sie schien abermals weit fort in ihrer eigenen Welt zu sein. Seine Hand schloss sich fester um ihre und führte sie von seiner Schulter fort.

    „Du verschweigst mir etwas.“ Diesmal schwang eine Bestimmtheit in seiner Stimme mit, die keine weiteren Ausflüchte zuließ.

    Valshiëlle befreite sich von seinem Griff und trat einen Schritt von ihm zurück.

    „Und wenn es so wäre, was geht dich das an!“, stellte sie fest. „Ist das alles hier überhaupt nötig? Sieh dir doch die Welt um uns herum an! Sie ist so friedlich und still! Wozu muss ich lernen, mit einer Waffe umzugehen, die ausschließlich für den Kampf geschaffen worden ist und nicht einmal zur Jagd taugt?“

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    Die Elfe und der Krieger #25: Kleines Weiß

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    So schnell, wie die Eindrücke auf sie eingeprasselt waren, so schnell entschwanden sie nun auch wieder, als wären sie Erinnerungen an einen Traum aus letzter Nacht. Vermutlich war es nur ihre Fantasie, die ihr wie so oft in letzter Zeit Streiche spielte und sie Dinge sehen ließ, die nicht vorhanden waren.

    Wie gern hätte Valshiëlle alles mit dieser simplen Erklärung abgetan, doch etwas in ihr sträubte sich dagegen und raunte ihr zu, es sei töricht, so etwas zu glauben. Und selbst wenn es wahr wäre, eines bliebe merkwürdig: Bevor die Bilder durch die Wirklichkeit sickerten und dieselbe ersetzten, war stets nur ein einziger Gedanke in ihrem Bewusstsein. Egal, worüber und weshalb er gedacht wurde, es war immer ein beiläufiger Gedanke, der ihr plötzlich keine Ruhe mehr ließ, der sich aufdrängte und sie zwang ihn zu Ende zu führen. So sehr brannte er mit einem Mal auf der Seele. Und schließlich verlor sie sich in den Grübeleien. Vielleicht war es ja doch ihre eigene Schuld, vielleicht sollte sie lernen ihre Fantasie zu zügeln.

    Eines bezog die Elfe jedoch nicht in diese Erklärung mit ein. Dieses zwiespältige Gefühl, das mit den Bildern einherging.

    „Manchmal verstehe ich mich selbst nicht mehr“, flüsterte sie dem Plätschern des Flusses zu. „Was ist nur los mit mir?“

    Wenn ihre Fantasie sie nicht auch nachts verfolgen würde! Wie oft war sie in den letzten Tagen schweißgebadet in ihrem Bett hochgefahren, nur um festzustellen, dass sie geträumt hatte?   

    Seufzend fuhr sich Valshiëlle mit der Hand durch ihr dickes, braunes Haar und schloss die andere zart um die Feder. Dieses kleine Weiß hatte etwas Beruhigendes an sich.

    „Valshiëlle?“, fragte die vertraute Stimme von eben abermals, diesmal eindringlicher. „Ist was mit dir? Du wirkst abwesend!“

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