Inhaltshinweise zu dieser Geschichte
Calion packte den Kampfstab fester, jetzt mit beiden Händen, und sprang von Felsen zu Felsen, um zu Valshiëlle zu gelangen, die ihrerseits auf einem Gesteinsbrocken im Flussbett stand. Sein Stab machte ein dumpfes Geräusch, als er sich auf ihn stützte und sich vornüberbeugte.
„Nun, was ist? Sag schon!“ Calions Stimme klang sanft, aber bestimmend. Als er sie bat, sich ihm anzuvertrauen, legte er Kopf schief und lächelte freundlich.
Spitze Ohren lugten aus seinen hellen, platin-farbenen Haaren, die seiden und glatt auf seine Schultern herabhingen. Kleine hölzerne Perlen waren zusammen mit einer bunten Vogelfeder in sein Haar eingeflochten und bildeten den einzigen Schmuck, den der Mann an seinem Körper trug.
Das Grün seiner Augen stach hervor, da seine Haut wie bei vielen Elfen aus den Silberwäldern eher von blasser Farbe war. Er trug ein ärmelloses, grünes Hemd, dessen V-Ausschnitt mit einigen Kordeln zugeschnürt war. Es reichte weit bis über seine Hüfte und war dort mit einem schlichten Gürtel zusammengebunden. Seine Beinkleider waren aus braunen Stoff und endeten in weichen Stiefeln, die nur an seinen Füßen blieben, weil er sie mit jeweils zwei dunklen Bändern an seinen Waden festgezurrt hatte. Seine nackten Arme sowie auch der Rest seines Körpers wirkten schlank und kräftig zugleich, was in der Natur der Elfen aus den Silberwäldern lag, deren Dasein die Jagd und das Leben in der Wildnis bestimmten. Obwohl Valshiëlle wusste, dass Calion bereits viele Jahrzehnte länger als sie auf dieser Welt verweilte, sprühten seine Augen noch immer vor jugendlicher Kraft. Auch seine Züge wirkten frisch, er sah kein Jahr älter aus als die Elfe.
„Hey Val, du träumst schon wieder! Was ist los?“
„Nichts“, erklärte die Elfe endlich, lächelte und hob, nachdem sie die Daune weggesteckt hatte, ihren Kampfstab auf. „Nichts ist mit mir.“
Valshiëlle strich über das glatt geschnitzte Holz des Kampfstabs und fühlte die triefende Nässe, die es in sich aufgenommen hatte, während es im Wasser gelegen hatte. Einige Wassertropfen liefen den Stab hinab und kletterten über ihre schmalen Finger. Sie kitzelten und waren kühl.
Die Elfe fasste Calion, der sie missmutig musterte, bei der Schulter. „Es ist nichts, Cal! Sorg dich nicht um mich, mir geht es gut. Ich war nur in Gedanken.“
Calion legte seine Hand auf die ihre. „Also gut. Aber konzentriere dich das nächste Mal besser auf deine Aufgabe, sonst wirst du den Stabkampf niemals erlernen. Lass uns noch einmal von vorne beginnen und versuche den Stab diesmal nicht zu verlieren.“
Der Elf zwinkerte ihr zu, als wäre der letzte Satz zur Hälfte scherzhaft gemeint. Dann jedoch bemerkte er den seltsamen Glanz in Valshiëlles Augen und richtete sich kerzengerade auf. Sie schien abermals weit fort in ihrer eigenen Welt zu sein. Seine Hand schloss sich fester um ihre und führte sie von seiner Schulter fort.
„Du verschweigst mir etwas.“ Diesmal schwang eine Bestimmtheit in seiner Stimme mit, die keine weiteren Ausflüchte zuließ.
Valshiëlle befreite sich von seinem Griff und trat einen Schritt von ihm zurück.
„Und wenn es so wäre, was geht dich das an!“, stellte sie fest. „Ist das alles hier überhaupt nötig? Sieh dir doch die Welt um uns herum an! Sie ist so friedlich und still! Wozu muss ich lernen, mit einer Waffe umzugehen, die ausschließlich für den Kampf geschaffen worden ist und nicht einmal zur Jagd taugt?“