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    Die Elfe und der Krieger #16: Mittsommerfest

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    „Ob du es schaffen wirst?“, wiederholte Finnigan die Frage seiner Schülerin und versuchte, während er sich den Rauschbart rieb, möglichst bedächtig zu klingen. „Nun, zumindest besteht die Möglichkeit, dass ich dich auf eine meiner Reisen mitnehme, damit du die Gelegenheit bekommst, dein Talent einem Publikum vorzuführen.“ Er zwinkerte Lysha zu. „Dann werden wir wissen, ob du es schaffst!“

    „Einem Publikum?“, fragte Lysha unsicher. Sie war sich darüber im Klaren, dass sie, um eine echte Bardin zu werden, eines Tages vor Publikum spielen musste. Doch der Gedanke, sie müsse es schon sehr bald tun, jagte ihr Angst ein. Zugleich fühlte sie auch eine wilde Aufregung dabei!

    „Ich befürchte jedoch, dass mein Alter keine längeren Unternehmungen mehr zulässt“, offenbarte ihr Finnigan sodann. Bevor die Enttäuschung in den Augen seiner Schülerin zu groß werden konnte, schob er nach: „Warum singst du nicht einfach heute Abend auf dem Mittsommerfest?“

    Lyshas Augen wurden groß. „Was? Wie? Heute Abend schon? Aber, Meister Finnigan, ich weiß nicht, ob ich schon so weit bin!“

    Hufgetrappel wurde laut und ohne weitere Vorwarnung preschte ein Pferd den holprigen Bergpfad hinab. Kieselsteine sprengten unter den kräftigen Hufen in die Luft davon. Lyshas Herz schlug höher, als sie einen Blick auf den Reiter erhaschte. Sein Gesicht kam ihr sonderbar vertraut vor.

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    Die Elfe und der Krieger #15: Tod der Kunst

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Finnigan überlegte einen Moment, was er seiner Schülerin erwidern sollte, und entschied sich, bei der Wahrheit zu bleiben. „Um mich leichter auf das konzentrieren zu können, was mir dargeboten wird, schließe ich für gewöhnlich meine Augen. Nur habe ich das erst einmal getan, mein Kind, ist es um das Wachen bald geschehen.“ Der Alte rieb sich verlegen die Nasenwurzel und kicherte. „Es muss an der Hitze liegen, dass ich mich so müde fühle. Verzeih einem alten Mann seine Nachlässigkeit.“

    Die Hitze machte Finnigan tatsächlich zu schaffen. Er spürte die träge Müdigkeit bis in seine alten Knochen. An solchen Tagen merkte er allzu oft in letzter Zeit, dass er gar nicht mehr so rüstig war, wie er stets geglaubt hatte.

    „Was aber deinen Gesang anbelangt, so hat er sich außerordentlich verbessert, seitdem ich dich das erste Mal habe vortragen hören“, fuhr Finnigan wahrheitsgemäß fort und verschwieg diesmal die zwei, drei schiefen Töne, die er bemerkt hatte, einerseits, da er wusste, wie schwer die Melodie des Hohelieds zu beherrschen war, und andererseits, um seine aufgebrachte Schülerin nicht zusätzlich zu verärgern. Kritik an ihrer Gesangskunst nahm sie sich sehr zu Herzen. „Mit ein wenig Übung wirst du bald eine der besten Sängerinnen in ganz Dhoril sein. Das Talent dazu besitzt du! Aber vergiss nicht…“ – er hob den Zeigefinger – „…dass ohne Fleiß nichts zu gewinnen ist!“

    „Glaubt Ihr ernsthaft, ich kann das schaffen: eine der besten zu werden?“, wollte Lysha wissen. Sie war so stolz und erfreut über die Einschätzung ihrer Fähigkeiten, dass ihr Ärger verflogen war. Nun war sie wieder ganz Feuer und Flamme.

    Wer Böses im Sinn hat, hätte meinen können, das wäre die Absicht ihres Lehrmeisters gewesen, der von seinem Fauxpas ablenken wollte. Doch das stimmte nicht. Nun, wenigstens nicht ganz. Denn für ihr junges Alter von fünfzehn Sommern war Lysha tatsächlich außerordentlich begabt und auch das Hohelied von Dhoril hatte sie besser gemeistert als viele andere Schüler in ihrem Alter. Finnigan musste ihr also keinen Honig um den Bart schmieren. Er war von ihrem Talent durchweg überzeugt. Dennoch hätte er es lieber vorgezogen, seine Bewunderung nicht allzu offen mit ihr zu teilen, damit sich seine Schülerin nicht zu viel auf ihre Fähigkeiten einbildete und womöglich auf die Idee käme, sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen.

    Eitelkeit konnte der Tod der Kunst sein, wusste Finnigan. Er wusste aber auch, dass sie ganz ohne Eitelkeit nie das Licht Welt erblickt hätte.

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    Arbeitsjournal, 23. Juli: Cliffhanger / Pseudonyme

    Seit ich aus Kiel zurück bin, veröffentliche ich kontinuierlich Romanfragmente auf Anderwärts | Literarischer Weblog. Jeden Tag erscheint eine neue Passage, die von der Länge her in etwa einer Buchseite entspricht. Häufig ist es ein wenig mehr, manchmal sogar fast zwei Seiten, denn gewisse Sinnzusammenhänge möchte ich nicht durchbrechen. Mittlerweile ist jeweils das erste Kapitel der beiden aktuellen Fragmente-Serien erschienen:

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    Im Kreuzfeuer #16: Als riefe jemand

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Tanya schwang sich auf die Wartungsleiter, blieb dabei mit dem Overall an einem scharfkantigen Trümmerteil hängen und riss sich die Kleidung am Oberschenkel auf. Sie fluchte, machte aber weiter, als wäre nichts passiert. Einen Moment später erschrak sie. Ihre Stimme hatte fremd geklungen. Als hätte sie die eigene Stimme seit Ewigkeiten nicht mehr gehört.

    Sie hielt mitten auf der Leiter an, unter ihr die endlose Tiefe des Fahrstuhlschachtes. Mit Unbehagen stellte sie fest, dass ihr kaum Worte einfielen. Bis eben schienen sie dagewesen zu sein. Sie hatte die Dinge um sich herum angeschaut und instinktiv gewusst, was sie waren. Jetzt, da sie sich konzentrierte, fehlten ihre Namen.

    „Tanya“, flüsterte sie. Ihr eigener Name war das einzige Wort, das ihr in den Sinn kam. Es schien ihr, als hätte sie ihn zum ersten Mal in ihrem Leben ausgesprochen. Es war anstrengend zu sprechen. Da überkam Tanya das beklemmende Gefühl, dass etwas nicht stimmte, nicht mit ihr und nicht mit diesem Ort. Die vielen Toten kamen ihr wieder in den Sinn. Nicht alle waren durch den Absturz getötet worden. Sie erlangte ihre Fassung zurück und kletterte weiter hinab. Etwas sagte ihr, dass sie in Bewegung bleiben musste.

    Und dann – langsam, aber sicher – kehrten die Worte in ihr Gedächtnis zurück. Versuchsweise sagte Tanya ein paar davon. Dann wieder ihren Namen, der ihr unvertraut vorkam. Genauso wie ihre Stimme. Wenn Tanya ihren Namen flüsterte, erschien es ihr manchmal, als riefe jemand nach ihr. Einmal schaute sie sich sogar um. Doch es war niemand außer ihr in diesem endlosen Schacht.

    Plötzlich knarrte und ächzte es, als würde Metall sich unter einer schweren Last verbiegen. Trümmerteile stürzten von weit oben auf Tanya herab und verfehlten sie um Haaresbreite.

    Die erschrockene Frau drückte sich eng an die Wartungsleiter und schaute aufwärts. In weiter Ferne schien sich etwas zu bewegen. Das musste der Fahrstuhl sein! Wie es schien, bewegte er sich langsam abwärts.

    Ohne lange nachzudenken, kletterte sie weiter. Sie musste aus dem Schacht heraus, ehe der Fahrstuhl abstürzte. Doch dann, als hätte ihr Gedanke ein Stahlseil gekappt, rutschte das Ding ab und schlitterte funkenstiebend zu ihr hinab.

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    Im Kreuzfeuer #15: Gefühlskälte

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Überall hingen Kabel von der Decke herab und Trümmer versperrten den Weg. Seitlich neben der Tür ihrer Kammer blinkte etwas. Eine digitale Anzeige, die defekt war und flackerte. Darauf waren Zeichen zu sehen, die ihr vertraut waren, aber die sie trotzdem nicht verstand. Doch wurde ihr wenigstens klar, dass die Stromaggregate noch immer funktionierten.

    Sehr vorsichtig, weil sie barfüßig war, aber dennoch flink und geschickt, bewegte Tanya sich durch die Trümmer, ohne sich zu verletzen. Sie musste über einen verkohlten Körper hinwegsteigen. Es war nicht mehr zu erkennen, ob es eine Frau oder ein Mann war. Tanya erschrak nicht. Sie wusste nicht, warum das so war, und eigentlich dachte sie auch nicht weiter darüber nach, aber der Anblick eines Toten schien für sie nicht ungewohnt.

    Von dem Gang zweigten noch weitere Räume ab. Die Menschen darin waren alle umgekommen. Sie trugen alle Overalls wie Tanya. Aus einer eingestürzten Tür hing ein toter Mann mit leerem Blick. Sie wandte sich ab und ging weiter. Einem schmächtigen Körper in einer grauen Uniform nahm sie die Schuhe ab – Stiefel, die einigermaßen passten. Dabei fragte sie sich, warum sie noch lebte. Sie fand keine Antwort. Dann nahm sie es als gegeben hin.

    Der Gang machte eine Biegung und wieder eröffnete sich Tanya ein Bild des Grauens. Von Trümmern erschlagene Menschen lagen in geronnenem Blut. Ungerührt bahnte die Frau sich einen Weg hindurch. Am Ende des Ganges kletterte sie, ohne lange zu überlegen, einen Fahrstuhlschacht hinab. Dank einer Wartungsleiter war das nicht schwierig. Bis Tanya das nächste Stockwerk erreichte, waren es gut zwanzig bis dreißig Meter. Sie stellte fest, dass sie wendig, flink und voller Kraft war. Das erfüllte sie mit Zufriedenheit und sie machte sich keine weiteren Gedanken darüber. Es schien ihr nur richtig und natürlich.

    In dem Stockwerk, das sich nun vor ihr auftat, gab es kein Durchkommen. Der Gang war eingestürzt. Links führte eine Tür in einen Wartungsraum. Darin fand sie die Leichen zweier Wachleute vor. Weiter hinten lagen noch mehr Tote. Sie trugen allesamt blau-gelbe Overalls. Offenbar hatte man sie erschossen, sodass sie an Ort und Stelle übereinander gefallen waren und einen Haufen bildeten.

    Tanya registrierte, was hier geschehen war, doch empfand nichts dabei. Stattdessen folgte sie den Eingebungen ihrer Intuition und bemächtigte sich einer Laserwaffe, die sie bei einem der Soldaten fand und die nach wie vor funktionierte. Dann machte sie sich daran, den Fahrstuhlschacht weiter hinabzusteigen.

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