Kategorie: Fragmente

  • Die Elfe und der Krieger #12: Hohelied

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

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    Nicht weit den Bergpfad hinab wurden die Saiten einer Harfe gezupft und eine Frauenstimme hob zu einem wehmütigen Gesang an, verband sich mit einer geheimnisvollen Melodie und erzählte von den Geschicken der Völker, die in Dhoril lebten, von den Elfen, Zwergen und Menschen, von Krieg und Frieden der sieben Fürstentümer, in die das Land zersplittert war, seit es keinen König mehr gab, von Leid und Freud der Jahrhunderte, Hass und Liebe der Fliehenden und Helfenden, dem Feuereifer der Kämpfenden, die für ihre Lehnsherren fochten und allzu oft ihr Leben verloren.

    Dies war das Hohelied von Dhoril, an dem durch die Jahrhunderte zahllose Barden geschrieben hatten und noch immer schrieben, Hunderte von Strophen im Widerstreit um Wahrheit und Dichtung, Geschichte und Mythos, manche unter die Leute gesät von Unbekannten, sodass sie wie Volkslieder nicht vergessen wurden, andere im Namen hoher Herren beauftragt.

    Eines hatten alle Strophen gemein. Helden nannten sie viele und zugleich keine. Denn Helden kannte die Geschichte nicht, nur herausragende Schicksale, die über kurz oder lang tragisch endeten, aber ohne die Dhoril nicht wäre, was es heute ist.

    Ein verborgener Zuhörer hätte der Anmut, mit der die Frauenstimme eine Handvoll Strophen vortrug, leicht verfallen können.

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  • Im Kreuzfeuer #13: Untergang

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Ehe das Shuttle des Bergungsteams aus dem Hangar starten konnte, erschütterte eine gewaltige Explosion den weiten Raum. Harry wurde durch die Luft geschleudert und prallte gegen die Außenwand eines Raumgleiters. Stöhnend versuchte er sich aufzurichten, aber etwas stimmte nicht mit seinem linken Bein. Der ganze Hangar war jetzt mit rotem Licht geflutet. Funken stürzten von der Decke. Überall um ihn herum schrien Menschen. Das Bergungsshuttle stand in Flammen.

    Plötzlich neigte sich die Lazarus VII insgesamt und sämtliche Raumfahrzeuge begannen, sich in eine Richtung in Bewegung zu setzen. Harry ahnte, was das Problem war: Dass das Raumschiff kippte, wäre an und für sich ungefährlich. Im Weltall gibt es kein Oben und Unten. Da aber offenbar das Schwerkraftsystem defekt war, korrigierte es nicht mehr die Richtung der Schwerkraft. Womöglich würde jeden Moment sogar die Schwerelosigkeit einsetzen.

    Ein ohrenbetäubendes Dröhnen kündigte an, dass die Lazarus VII im Begriff war auseinanderzubrechen. Zischend entwich der Sauerstoff durch Abermillionen von Rissen ins Vakuum des Weltraums.

    ***

    Die Funken schlugen Löcher in Dr. Garrets Hände. Doch sein Schmerzensschrei ging im Getöse unter. Im nächsten Moment explodierte eine Leitung, deren Entladung den Mann zerfetzte. Seine versengten Innereien klatschten gegen die Wände, bevor alles in Rauch und Feuer unterging.

    ***

    Der Captain der Lazarus VII wusste, dass eine unkontrollierte planetare Notlandung mit einem derart riesigen Schiff einer Naturkatastrophe gleichkäme. Doch es war nicht mehr abzuwenden. Der Gefangentransporter stürzte auf den grünen Giganten ab, der anders als die Planeten der interstellaren Erdgemeinschaft über keine Abwehrmechanismen hiergegen verfügte. Dennoch gab es intelligentes Leben auf dem Planeten. Sogar Städte. Unter anderen Umständen wäre es eine sensationelle Entdeckung gewesen. Alles, was er jetzt noch tun konnte, war so sanft wie irgend möglich zu landen, weitab dieser außerirdischen Zivilisation.

    Als der Captain an seinen Sitz inmitten der Kommandobrücke festhielt und sich auf den Eintritt in die Atmosphäre vorbereitete, wusste er, dass irgendjemand oder irgendetwas auf sein Schiff geschossen hatte. Er wusste, dass er in einen Hinterhalt geraten war – mit katastrophalen Konsequenzen.

    Langsam, aber sicher senkte sich die Lazarus VII in einer Trümmerwolke auf den Planeten hinab.

    Ende@Kapitel 1: Untergang

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  • Im Kreuzfeuer #12: Alarmstufe Rot

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Mit einem Mal wurde der Raum in rotes Licht getaucht und ein langgestrecktes Geräusch ertönte, das anschwoll und wieder abschwoll. Entsetzt kauerte sich die Frau unter der Liege zusammen und bedeckte ihre Ohren. Dann war wieder eine Frauenstimme zu vernehmen, eine andere als eben, und sie klang so gefühllos, als sie wieder und wieder dasselbe sagte:

    „Alarmstufe Rot! Alle Besatzungsmitglieder sofort auf ihre Posten! Wiederhole: Alarmstuf Rot! Alle Besatzungsmitglieder sofort auf ihre Posten!“

    Draußen vor der Tür waren Schritte zu hören. Dann Rufe. Plötzlich donnerte etwas und der Raum wurde erschüttert. Ein mächtiges Dröhnen wanderte durch die Wände. Zwischen die Rufe mischten sich Schreie. Wieder knallte es. Was war das für ein Lärm?

    Jetzt begriff die Frau, was vor sich ging! „Ich bin auf einem Raumschiff“, dachte sie. „Aber warum bin ich auf einem Raumschiff? Warum bin ich nicht Zuhause? Wo eigentlich ist mein Zuhause? Wieso weiß ich nicht, wo mein Zuhause ist? Wieso habe ich keinen Namen?“

    Sie wollte aufschreien und sich die Haare raufen. Doch sie hatte keine Haare, in die ihre Finger greifen konnten. Stoppeln nur. Dann sah sie das rote Objekt draußen vor dem Fenster, draußen im Weltraum, wie sie begriff. Es sah aus wie eine gigantische Koralle, deren Konturen sanft waberten. Es war wunderschön und seltsam hypnotisierend.

    Engel, dachte sie.

    Aus dem Inneren der Koralle schoss ein weißer Strahl an ihrem Fenster vorbei und traf das Raumschiff. Alles bebte. Die Frau wollte sich festhalten, aber wurde von den Füßen gerissen und knallte mit dem Hinterkopf hart auf den Boden. Verschwommen sah sie, wie der Raum um sie herum einstürzte.

    ***

    Als die Computer in dem Wiedererweckungslabor explodierten, zerplatzten nicht nur ihre Monitore. Die Eingabekonsolen, in die sie verbaut waren, sprengten als Ganzes auseinander und überschütterten Dr. Cramer mit Feuer. Die Flammen von den Ärmeln seines Kittels schüttelnd blickte er aufwärts, als er ein schreckliches Knirschen hörte. Seine Gedanken galten Subjekt CK-T.132. „Ich kann noch nicht sterben“, dachte er. „Ich muss erst eine Lösung für dich finden, mein Kind!“ Dann stürzte die Decke ein.

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  • Im Kreuzfeuer #11: Ich bin ein Mensch

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Und plötzlich fühlte sie sich sehr allein, ohne zu begreifen, was das war: allein sein. Doch es fühlte sich unangenehm an. Wie ein Stechen in der Brust. Ein kalter Schauer auf den Schultern.

    Dann bemerkte sie das Gesicht, das sie aus dem Glas heraus anblickte. Es war nur schwach zu erkennen.

    „Das bin ich“, dachte sie. „Ich bin ein Mensch.“

    Sie fuhr mit der Hand ihren Schädel entlang und fühlte, wie die Haarstoppel, die bereits sprießten, ihre Handfläche kitzelten. Das war angenehm.

    Das Gesicht lächelte sie an.

    „Warum sehe ich so aus?“, fragte sie sich.

    Sie hörte wieder die Stimmen und wirbelte herum. Die Stimmen kamen aus der anderen Richtung. Sie waren hinter der Wand, die dem Glas gegenüberlag. Man konnte sie nur gedämpft wahrnehmen. Dennoch rannte die Frau sofort hin und wollte rufen. Sie wollte, dass man sie hört. Sie wollte nicht mehr allein sein. Doch die Worte in ihrem Kopf gerieten alle durcheinander. Sie brachte nur unartikulierte Laute heraus. Es klang wie ein Stöhnen. Ihre Zunge fühlte sich schwer an.

    Sie erkannte, dass auch in dieser Wand ein Durchgang war. Nur war er versperrt. Tür, dachte sie aufgebracht und schlug mit der Faust dagegen.

    Jetzt regte sich etwas auf der anderen Seite. Die Stimmen wurden lauter. Sie glaubte, sie zu verstehen:

    „Hast du das gehört?“, sagte eine Frau. „Schau mal nach, ob sie wach ist.“

    „Ja, ist sie!“, antwortete ein Mann „Sie steht bei der Tür und sieht wütend aus.“

    Die Frau wich von der Tür zurück. Woher wussten die Stimmen, wo sie war. Konnten sie sie etwa sehen? Konnte sie durch Wände sehen, was sie nicht konnte? Plötzlich fühlte sie Beklemmung. Sie fühlte Misstrauen.

    „Wir müssen sofort Dr. Cramer verständigen!“

    Die Stimmen entfernten sich und ließen sie allein. Das nun war ihr auch nicht recht. Sie spürte, wie das Stechen in ihrer Brust stärker wurde. Aber sie wagte nicht mehr sich zu bewegen. Sie stand in der Mitte des Raumes, sah sich nervös zu allen Seiten um und wusste nicht mehr, was sie denken sollte.

    Dr. Cramer, wiederholte sie wie von selbst in Gedanken. „Dr. Cramer, das ist ein Name. Menschen haben Namen. Ich bin ein Mensch. Wie ist mein Name?“

    Sie hatte keinen. Zumindest fiel ihr keiner ein.

    Die Beklemmung wuchs.

    „Das ist nicht richtig“, dachte sie. „Jeder hat Mensch hat einen Namen! Wieso habe ich keinen?“

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  • Im Kreuzfeuer #10: Sterne, Planet, Erde

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Plötzlich spürte sie ihre Zehen wieder, ihre Muskeln und ihre Haut, den Overall, der darauf spannte – und sie richtete sich abrupt auf.

    „Wo bin ich hier?“, dachte sie. „So schwarze Wände. Selbst der Boden ist schwarz. Aber warm an meinen Füßen. Wärme ist angenehm.“

    Die Frau legte sich auf den Boden und drückte ihr Gesicht darauf. Die Wärme durchströmte ihren Körper. Sie bemerkte wieder das allgegenwärtige Brummen. Es kam aus dem Boden und aus den Wänden.

    Dann, als sie aufblickte, entdeckte sie die Öffnung in der Wand. Zuerst war ihr nicht klar, dass es eine Öffnung war. Sie sah nur das Grün und das Blau. Aber dann glaubte sie zu begreifen, dass sich der Raum hinter dieser Öffnung fortsetzte und unglaublich ausdehnte. Sie ging darauf zu. Ja, sie war neugierig. Sie wollte wissen. Wollte berühren, was das alles war, das sie umgab! Sie erschrak, als ihre ausgestreckte Hand gegen etwas stieß, das sie nicht gesehen hatte und erst jetzt bemerkte.

    Glas, dachte sie plötzlich. Es trennte sie von dem Raum dahinter. Er war schwarz wie der Raum, in dem sie sich befand, aber viel größer, wenn nicht sogar grenzenlos groß. Gespickt mit Lichtern.

    Sterne, dachte sie.

    Einen noch tieferen Eindruck als die schiere Weite des Raumes machte auf sie das runde Grün darin, welches das Fenster, gegen das sie sich drückte, beinahe ausfüllte. Planet, dachte sie. Der grüne Gigant spiegelte auf ihren Augäpfeln. Ihre grünen Augen schimmerten vor Staunen. In das gewölbte Grün auf der anderen Seite des Glases waren blaue Flecken gekleckst und weiße Fetzen zogen darüber hinweg.

    Erde, dachte sie, aber wusste nicht, warum. Sie hatte keine Ahnung, woher all das kam, was sie dachte. Ständig kamen neue Worte und Begriffe in ihren Kopf.

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