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    Die Elfe und der Krieger #2: Würde

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    Ihre Locken, derentwegen man sie vorgestern noch auf dem Marktplatz bewundert hätte, zerrissen über der Messerklinge und bedeckten den kalten Steinboden. Sie verschloss die Augen vor der Schande, schwor sich, mit Würde zu sterben. Denn sterben würde sie, das wusste sie. Die Frage war nur, wie lange es andauern würde. Dennoch wollte sie sich unbeugsam geben. Wie die Ketzerin, zu der man sie gemacht hatte. Doch die Tränen flossen in Strömen unter ihren flatternden Lidern hervor, dahinter das milchige Weiß ihrer pupillenlosen Augen.

    *

    Stiefel zersprengten das Pfützenwasser und es spritzte in alle Richtungen auseinander. Der Junge plumpste vor Schreck auf sein Hinterteil und schon im nächsten Moment kegelte ihn ein plötzliches Gewirr aus Beinen gegen die Gassenwand. „Aus dem Weg, Bettlerkind!“, höhnte eine Jungenstimme. Der Kerl, dem sie gehörte, sah nicht weniger abgerissen aus als der Junge in den viel zu großen Stiefeln. Aber das kannte er ja schon: diese böse Ironie, mit der sich die älteren Straßenkinder über ihn lustig machten. Davon wurde er so wütend! „Deine Mutter ist ein Bettlerkind!“, gab der Junge trotzig zurück und grinste hässlich, obwohl er wusste, dass er wieder nur eine ordentliche Abreibung kassieren würde, wenn er aufbegehrte. Darum machte er sich, kaum war ihm das herausgerutscht, auch schon mit der Daune zwischen den Fingern aus dem Staub.

    *

    Die Männer stießen sie auf die Knie, zwangen sie sich vornüber zu beugen. Stricke schnürte ihre Handgelenke. Die Angst schürte ungeahnte Leibeskräfte. Sie wehrte sich, schrie mit weit aufgerissenen Augen trotz des Knebels in ihrem Mund. Es klang wie das heisere Grollen eines in die Ecke getriebenen Tiers. Ihr halb erstickter Zorn war der Gewalt der Vasfjeller Stadtgardisten nicht gewachsen. Diese Ohnmacht machte sie nur noch rasender. Hass kroch ihre Kehle hoch. Hass, wie sie ihn nie hatte empfinden wollen.

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    Im Kreuzfeuer #1: Kälte, Leere und Sternenstaub

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    1 – Untergang

    Harry Robinson stand stramm. Nicht einmal mit der Wimper zuckte er, als die reglosen Menschen auf den Antigravitationstragen an ihm vorübersurrten. Den Ex-Soldaten berührte das alles nicht mehr, denn langsam hatte er sich damit abgefunden. Er wusste, dass die blassen Körper in den Behältern noch am Leben waren. Bloß „tiefgekühlt“ seien sie, wie sein Kollege Pierre Dubois es mit einem schiefen Grinsen ausgedrückt hatte. Eine Art Kälteschlaf, bei der alle Körperfunktionen heruntergefahren wurden; dennoch hielten die Maschinen so eines „Behälters“ die Insassen am Leben. Diese Glassärge in einem Metallschutzmantel hatten irgendeinen Fachnamen, aber die meisten hier auf dem Raumschiff nannten sie einfach Kältekammern.

    Ja, Harry befand sich auf einem Raumschiff – und das schon verdammt lange. Nach seiner unehrenhaften Entlassung aus der Armee der Erdregierung hatte er hier als Sicherheitsoffizier angeheuert. Da wusste er noch nicht, was ihn erwartet. Denn dies war nicht irgendein Raumschiff. Dies war die berüchtigte Lazarus VII. Ein seltsamer Name, bedachte man, dass es sich dabei um ein ehemaliges Kolonisierungsschiff handelte, das für den Transport von Schwerverbrechern umgerüstet worden war. Ein riesiges Schiff also, größer als manche Raumstation, das mit rund 1000 Sträflingen und 300 Mann Besatzung an Bord durch den Weltraum flog. Die Lazarus VII befand sich auf dem Weg zu einer Strafkolonie auf X-Tarma-12, einem Wüstenplaneten am Rande des bis dato bekannten Universums.

    Wie oft hatte Harry diese Reise jetzt schon unternommen?

    Zu oft, dachte er grimmig. Zu oft hatte er eingewilligt, jahrelang durchs All zu fliegen. Da, wo es sonst nichts gab. Nur Kälte, Leere und Sternenstaub.

    Aber der Sold stimmte.

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    Die Elfe und der Krieger #1: Auftakt

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    Auftakt

    Lang lebe der Tod

    Die Stiefel, die für den Jungen, der sie trug, viel zu groß waren, knirschten auf den sandigen Pflastersteinen der Seitengasse. Sie machten Halt vor einer ausgedehnten dunklen Pfütze, deren Wasser die dämmernde Welt, ihre grauen Wolken, die hohen Fassaden und auch das schmutzige Gesicht des Jungen spiegelte. Eine Daune von ungewöhnlich strahlendem Weiß wiegte in der Luft und segelte auf das Schmutzwasser herab.

    *

    In der Tiefe unter den Pflastersteinen, in den Kerkergewölben des Vasjeller Rathauses, die sich bis weit unter die Stadt streckten, fuhren Hände grob in den Haarschopf einer Frau. Ihr Kopf wurde zurückgerissen, sie schrie auf vor Schmerz, ein Messer blitzte im Fackelschein.

    *

    Die weiße Daune wippte auf dem Pfützenwasser wie ein Spiel, das allein für den Jungen in den viel zu großen Stiefeln gemacht war. Er hockte sich hin und streckte den Kopf über die Pfütze, lächelte, als er das gewölbte Weiß mit seinem schmutzigen Finger anstupste und wie ein winziges Boot schaukeln ließ. Die Daune weckte Erinnerungen. „Das ist schon die Dritte!“, flüsterte der Junge und schaute in den Abendhimmel, der sich zugezogen hatte.

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    Titelblatt

    2002-2004

    Neufassung 2004 und Neubeginn der Saga über den Phantastischen Kontinent Erethea.

    Jonas Balder

    Die Propheten-Saga 1:

    Die Elfe und der Krieger. Philosophische Fantasy

    [Fragment. Mit Überarbeitungen und Ergänzungen von Leo J. Andersen]

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    Titeblatt

    Februar 1998 bis September 2002, Oktober 2020

    Edvard Solstad

    Im Kreuzfeuer

    Science-Fiction-Robinsonade

    Mit umfangreichen Überarbeitungen von Leo J. Andersen im Auftrag Der Inneren Sozietät, mit Lässigkeit ausgeführt

    [Fragment]

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